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Szenenbild Serie "Yellowstone"

Paramount

SERIE

Eine schrecklich nette Familie

Die schmutzigen Geschäfte eines Rancher-Clans, der über Leichen geht: Der großartige Drehbuchautor Taylor Sheridan enttäuscht leider mit seinem Seriendebüt „Yellowstone“.

Von Christian Fuchs

Die Erwartungshaltung auf diese Serie hätte nicht größer sein können. Zumindest bei den Fans von Taylor Sheridan. Mit packenden Drehbüchern zu Filmen wie „Sicario“ oder „Hell or High Water“ verschaffte sich der gebürtige Texaner in kurzer Zeit einen ganz besonderen Ruf. Ideologisch bewusst zwischen allen Stühlen sitzend, nähert sich Sheridan in seinen Geschichten dem Herz der amerikanischen Finsternis. Sam Peckinpah, Clint Eastwood, John Ford - Filmemacher, die das fragwürdige Cowboy-Dasein im wahrsten Sinn des Wortes todernst nehmen - flackern als seine Vorbilder auf. Und auch Taylor Sheridans Regiedebüt „Wind River“ schließt daran beklemmend an.

Und jetzt also eine Serie, 10 Folgen, allesamt geschrieben und inszeniert vom neuen düsteren Hollywood-Shootingstar. „Yellowstone“ ist Sheridans Versuch, am Beispiel einer mächtigen Farmerfamilie, all die dunklen Aspekte ans Licht zu holen, die Amerika so mächtig, bedrohlich und gleichzeitig faszinierend machen. „All men are bad“ murmelt jemand im Trailer und das weckt Erinnerungen an „True Detective“, das Serienwunder von 2014. Aber all diesen Vorschußlorbeeren werden der Pilotfilm und die zweite Folge leider nicht gerecht.

Kevin Costner

Paramount

Edel-Seifenoper mit moralischen Grauzonen

Yellowstone“ spielt in Montana, an der Grenze zum gleichnamigen Nationalpark, wo der Kuhbuben-Mythos noch ungebrochen scheint und jeder Mann (und viele Frauen) einen Stetson-Hut trägt. Kevin Costner regiert mit strenger Hand über die Dutton-Ranch, zu der ein riesiger Landstrich gehört. Um dieses gigantische Areal drehen sich die Konflikte der Serie: Schmierige Geschäftsleute aus der großen Stadt und Amerikanische Ureinwohner mit Casino-Plänen, sie alle wollen ein Stück vom Dutton-Land.

Die Bedrohungen von außen sind aber nur eine Sache, genauso viel Sorgen hat Alleinerzieher John Dutton mit seinem Nachwuchs. Auf seine drei Söhne blickt der alte Patriarch etwas herab, aus unterschiedlichen Gründen. Jamie (Wes Bentley), der schnieke Anwalt, ist ihm viel zu glatt und großstädtisch, der junge Kayce (Luke Grimes) zu verweichlicht und noch dazu mit einer Native American zusammenlebend. Und sogar der loyale Lee (Dave Annable) erfüllt nicht ganz seine Vorstellungen von einem Traumsohn. Die toughe Tochter Beth (Kelly Reilly) kommt dem rauen Herrn Papa schon eher entgegen.

Szenenbild Serie "Yellowstone"

Paramount

Hört sich das nun ein bisschen wie eine Oldschool-Serie im Stil von „Dallas“ oder „Dynasty“ an? Tatsächlich erinnert „Yellowstone“ stellenweise an diese berühmt-berüchtigten Seifenopern, natürlich in einer Edelvariante. Klassisch gefilmt, mit beeindruckenden Landschaftsaufnahmen, solide gespielt und manchmal provokant mit Klischees zu Rassismus und Kapitalismus spielend, erreicht die Serie trotzdem nur selten die eindringliche Stimmung, die man mit Taylor Sheridans Leinwand-Werken verbindet. Will man sich darauf einlassen, muss man demnächst zu „Sicario 2“ ins Kino pilgern, bei dem drastischen Sequel zu Dennis Villeneuves Drogenkriegs-Thriller hat er wieder das Drehbuch verfasst.

„Yellowstone“ erweist sich bislang dagegen als Enttäuschung. Zwar bewegen sich auch die Duttons und ihre Gegenspieler in einer moralischen Grauzone jenseits von Gut und Böse. Dummerweise übertreibt die Serie aber diesbezüglich, Sympathien bleiben für niemanden in diesem modernen Western über. Und so ist einem das wilde, gemeine Treiben dieser schrecklich netten Familie letztlich ziemlich egal.

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