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Screenshot von "Super Sportmatchen"

Kaj Forell Video Game Brand / Dangen Entertainment

Pixelsport wie damals

Die kuriose Minispielsammlung „Super Sportmatchen“ huldigt den Sportspielen der 80er Jahre und ist das perfekte Partygame.

Von Robert Glashüttner

Sport hält die Gesellschaft zusammen und beschäftigt sie. Er ist so allgegenwärtig, dass man an ihm Leidenschaft üben kann. Egal, ob Fußball, Formel 1 oder Tennis: Zu etwas, mit dem man schon als Kind durch die Medien konfrontiert wird, fällt es leicht, eine Beziehung aufzubauen, Zugehörigkeit zu spüren, vielleicht sogar Fan zu werden.

Meine Beziehung zu Sport war allerdings nie eine besonders nahe. Ballsportarten waren aber okay: In der Unterstufe wurde Tennis gespielt, in der Oberstufe war ich - ansonsten sportlich mäßig talentiert - Klassenmeister in Tischtennis (das ärgerlicherweise nur zweimal im Jahr gespielt wurde). Danach hat mich meine Geek-Sozialisation zunehmend auf die Seite der Randsportarten geschlagen, die oft mehr Spiel sind als Sportart: Snooker, Schach, Darts, Minigolf, Flippern.

Sportarten des Fantastischen

Ebenso wie in der physischen Welt habe ich es auch bei Computerspielen gehandhabt: Je seltsamer und abwegiger eine Sportart, desto lieber probiere ich sie (virtuell) aus. Ich war als Kind Ende der 80er Jahre Anhänger von fantastischem Bahnengolf („Zany Golf“), futuristischem Handball („Speedball“) und extraterrestrischem Airhockey („Shufflepuck Café“). Und dann waren da natürlich die Sportspielsammlungen, die einzelnen Ausformungen einer bestimmten Sportgattung oder den Olympischen Spielen gewidmet waren. Games wie „Ski or Die“, „Hyper Olympic“ oder „Summer Games“ waren aufgrund ihrer Vielseitigkeit beliebt: Wenn man einzelne Disziplinen nicht mochte, hat man eben nur jene gespielt, die einem Spaß gemacht haben.

Screenshot von "Speedball 2 HD"

Mastertronic / Vivid Games

Fantastischer Sport im Computerspiel, hier in Form von „Speedball 2 HD“ (2013)

Joystick würgen, Knöpfe hämmern

Viele werden es aus Retrogaming-Ausflügen kennen, manche etwas Älteren werden sich noch selbst daran erinnern: In den Sportspielsammlungen der 80er Jahre waren die Regeln der einzelnen Disziplinen eher simpel gehalten, dafür musste oft hektisch der Joystick hin und her gewackelt und fieberhaft schnell auf die Knöpfe gehämmert werden, um Highscores erzielen zu können. Der Verschleiß von Computerperipherie war mitunter hoch.

Moderne Sportspiele müssen nicht immer mit realistischer Darstellung punkten - siehe aktuell „Mario Tennis Aces“.

Heute, über 30 Jahre später, sind Sportcomputerspiele weit von dieser Spielmechanik entfernt und inhaltlich ebenso aufwendig wie geradlinig. Aktuelle Sport-Games sind audiovisuell möglichst realistisch gestaltet, inhaltlich detailverliebt und sie weisen vielfach offizielle Lizenzen von Marken und SpielerInnen auf. Die verstaubte Pixelgrafik mit den 16 Farben, der Chiptunes-Soundtrack, die ungewöhnliche Inszenierung einer Sportart und das Knopfhämmern gehören damit endgültig der Vergangenheit an. Oder?

Zurück zu simplen Regeln

Ein gutes Beispiel für die Wiederentdeckung des Simplen im Sportspiel ist ein aktuelles, auf Retro getrimmtes Olympia-Game mit dem merkwürdigen, aber markanten Namen „Super Sportmatchen“. Es ist eine Sammlung höchst kurioser Sommerspiele. Weil dabei an vielen Sportarten geschraubt wurde, gibt es Polsterschlachten statt Boxen, oder Meerschweinchen- statt Hammerwurf.

Zehn Disziplinen gibt es insgesamt in „Super Sportmatchen“, und ein paar davon sind sogar ziemlich gewöhnlich: 100-Meter-Lauf etwa, Ballwerfen oder Kanufahren. Das ist schon okay, aber wirklich lustig sind natürlich die exotischen Disziplinen: Sprungball hüpfen, Flugtiere füttern. Überhaupt ist hier alles ziemlich tierisch: Pixelige Wiesel auf zwei Beinen sammeln geworfene Bälle ein, stehen Spalier und inszenieren sich als Cheerleader.

„Super Sportmatchen“ ist eine Sportspielsammlung für alle, die gewöhnliche Sportarten sonst eher langweilig finden. Der audiovisuelle Retro-Flair überträgt sich auch aufs Gamedesign, sprich: Die Steuerung der einzelnen Disziplinen ist ganz im Stil der klassischen Sportspiele: nicht allzu schwierig. Meistens genügen zwei Tasten, die in Abfolge gedrückt werden müssen; die Regeln sind also in wenigen Minuten erlernt. Das macht „Super Sportmatchen“ zum idealen Partygame: Bis zu vier SpielerInnen können sich gleichzeitig bzw. in Zweierpaarungen Pölster an den Kopf schmeißen, an einer von einem Geier bewachten Kletterwand hochkraxeln oder Flummis in einen Basketballkorb werfen.

Screenshot von "Super Sportmatchen"

Kaj Forell Video Game Brand / Dangen Entertainment

Sich super auf der Switch matchen

Die kuriose Minisportspielsammlung ist für Windows und Nintendo Switch erschienen, wobei die Switch-Version empfehlenswerter ist – das liegt vor allem daran, dass man mit den kleinen Joycons spielen kann, die man schneller beisammen hat als vier vollwertige Gamecontroller am PC.

Du magst mehr kuriose Minigames? Am 27. Juni ist dein Meister zurück - dann erscheint „WarioWare Gold“ (Switch).

„Super Sportmatchen“ ist zwar spielerisch nicht allzu reichhaltig, dafür potenziell ein Füllhorn an guter Unterhaltung. Aktuelle Games, die man unkompliziert gemeinsam vorm Fernseher spielen kann, gibt es nicht allzu viele, was „Super Sportmatchen“ besonders erfrischend macht und die Nostalgie für die alten Sportspiele perfekt, amüsant und ohne Wehmut in die Gegenwart transportiert.

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