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Englische Fußballspieler jubeln

APA/AFP/Fabrice COFFRINI

Blumenaus WM-Journal

Die Schmuddelkinder sind weg

Nach dem wegweisenden ersten Viertelfinal-Tag, nach der Kür, war heute die Pflicht. Erledigt durch England und Kroatien ...

Von Martin Blumenau

... die jene zwei Mannschaften, die das schöne Bild durch schiache Krakeleien gestört hatten, weggeschickt haben. Denn, in aller Höflichkeit: Schweden und Russland haben im Konzert der Guten nichts verloren.

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Teams wie Schweden und Russland, die einen reaktiven und ideenbefreiten, also reaktionären Fußball spielen und damit partiell Erfolg haben, sind, wenn sie sich einmal in einen kleinen Destruktiv-Rausch gespielt haben, schwer zu entsorgen. It’s a dirty job, danke dafür.

Gut, Einschränkung: Russland hat heute Abend sein Möglichstes getan und alles gegeben. Trainer Cherchesov hat so offensiv und intensiv präpariert und aufgestellt, wie es die eingeschränkten sportlichen Mittel seiner Truppe erlaubt haben. Und deshalb hat die Sbornaja auch mitgespielt, in großen Teilen. Nicht sonderlich aufregend, aber doch so überzeugend, dass sie dem kroatischen Gegner richtig zusetzen konnten. Noch eine 5-4-1-Mauerei hätte der Stolz des Gastgebers wohl auch nicht vertragen.

Tschutti Heftli Matchplakate

Tschuttiheftli

Einschränkung der Einschränkung: Trotz seiner zahllosen personellen Wechsel blieb Cherchesov die 120 Minuten in seiner 4-4-2-Grundformation, die wenig Rücksicht auf die Qualitäten seiner Spieler (Cheryshev, Golovin können schon was) nahm, und diese Einschränkung (noch eine, aber eine neue) als Spielfluss brachte.

Dieses ungewollte Echo der schwedischen Parade-Paradigmas war ein schlechtes Omen. Überhaupt, Schweden. Die machten in ihrem letzten WM-Match nach dem Gegentor so weiter, als würde es unentschieden stehen: weiter nix reinlassen, aber auch nix nach vorne unternehmen. Es brauchte erst einen Hinweis in der Pause, um das zu beenden; ich finde, dieser Umstand erzählt alles über diese Mannschaft, die ihrem System und ihrer Philosophie (wir bewegen uns nicht, vor allem nicht geistig, das könnte uns gefährlich werden) in Kadaver-Gehorsam verfallen ist. Dass die Philosophie an sehr angesagtes politisches Marketing, auch solches in Österreich, erinnert, und sogar ganz nahe an eine hiesige Lebenshaltung (mit zweifelhafter Historie) rankommt, macht sie nicht besser, im Gegenteil.

Gegen Ende von Halbzeit 1 hab’ ich eine Art Standbild der Gelb-Blauen gezeichnet: Sie waren in der Defensive, die zwei Viererketten und zwei Presser davor auf vielleicht 20 Längenmetern versammelt, ganz an den linken Rand des Spielfelds eingerückt, während die englische Mannschaft rund um sie (und eben nur teilweise zwischen ihr) große Teile des Spielfelds beackerte.

Tschutti Heftli Matchplakate

Tschuttiheftli

Schwedens Team war nicht imstande, darauf zu reagieren, sondern verharrte in einer zunehmend ineffektiver werdenden Igel-Stellung. Sie konnten nicht ihrem eingefahrenen Muster entfliehen - und schließen sich anderen limitierten Mannschaften aus Europa, die die WM sehr zu Recht bereits beenden mussten, an (Schweiz, Polen...).

Dass Russland im Viertelfinale raus musste, ist im Übrigen auch weltpolitisch ein Geschenk. Zum einen ist es angesichts der Erwartungen eh super, dass der Gastgeber überhaupt so weit gekommen ist - zum anderen kann jetzt kein Weltherrschafts-Übermut-Keim gezündet werden, der zu womöglich komplett irrsinnigen Aktionen geführt hätte. Putin hat die K.O.-Runde richtig eingeschätzt - er hat Medvedev, seinen Deputy, zu den Spielen geschickt.

Die Sieger des Abends haben einen harten Arbeitstag ohne den Glamour, den etwa die beiden Duelle des Vortags versprühten - das waren beides Matches, die ich schon als würdiges Finale würde durchgehen lassen. Es ging dabei nicht darum, Hochglanz zu präsentieren, sondern die Schmuddelkinder rauszulehnen.

Deshalb lassen die Partien auch wenige Schlüsse darauf zu, was England/Kroatien gegen ein Team auf ihrem eigenen Level zu leisten imstande sind. England wurde so gesehen überhaupt noch nie gefordert (Belgien B gilt nicht), Kroatien letztlich auch nicht - denn auch Argentinien, so brutal ehrlich muss man sein, gilt im Nachhinein gesehen nicht.

Im Halbfinale sind nicht nur 4 Europäer, allesamt (noch) EU-Mitglieder, also Core-Europäer, sondern auch die Sieger der Gruppen C und D sowie die gesamte herzeigbare Besetzung der Gruppe G. Zusammen kommen die 4 nur auf 2 WM-Titel, das ist ein Rekord-Minuswert. Mein Tipp von vor der WM ist übrigens noch dabei.

Achtelfinale
AF1: Frankreich - Argentinien 4:3 Review
AF2: Uruguay - Portugal 2:1 Review
AF3: Spanien - Russland 1:1 - 3:4 i.E. Review
AF4: Kroatien - Dänemark 1:1 - 3:2 i.E. Review
AF5: Brasilien - Mexiko 2:0 Review
AF6: Belgien - Japan 3:2 Review
AF7: Schweden - Schweiz 1:0 Review
AF8: Kolumbien - England 1:1 - 3:4 i.E. Review
Viertelfinale
VF1: Frankreich - Uruguay 2:0 Review
VF2: Brasilien - Belgien 1:2 Review
VF3: Schweden - England 0:2 Review
VF4: Russland - Kroatien 2:2 - 3:4 i.E. Review
Semifinale
SF1: Frankreich - Belgien 1:0 Review
SF2: England - Kroatien 1:2 Review
Spiel um Platz 3
Belgien - England 2:0 Review
Finale
Frankreich - Kroatien 4:2 Review

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