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Drake

Drake

HipHop-Lesekreis

Der Hohepriester der fragilen Männlichkeit

Der FM4 HipHop-Lesekreis hat sich die Themen des neuen Drake-Albums „Scorpion“ anhand von drei Songs genauer angeschaut.

Von Stefan „Trishes“ Trischler

Kollegin Dalia Ahmed hat es schön zusammengefasst: „Scorpion“ ist der drakeigste Drake beim Drakesein in Doppelalbum-Länge. So oder so ähnlich haben viele Kritiker dem Rap-Superstar aus Kanada fehlende inhaltliche Innovation vorgeworfen - oft nicht, ohne die musikalische Ausrichtung der Platte zu loben. Und tatsächlich: Der starke Einfluss von New Orleans Bounce auf Songs wie Nice For What oder In My Feelings wird uns in den nächsten Monaten sicher noch des Öfteren auf den Tanzflächen der Welt begegnen. Und die 90er R&B Hadern-Samples als rote Faden in Songs wie Emotionless oder March 14 geben auch exzellente Kopfhörer-Vibes her - wenn da nur nicht die Texte wären!

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Der FM4 HipHop-Lesekreis zum Nachlesen oder als Podcast.

Denn Einfallslosigkeit ist da noch eines der geringeren Probleme: Drake wollte auf dem Abschlusstrack seine neue Vaterschaft und die damit verbundenen feels wohl urspünglich selbst als erster mit der Welt teilen. Dann spielte er den Song am bewussten 14. März leider Kanye West vor, irgendwie wusste plötzlich auch Pusha T davon und weidete das pikante Detail genüsslich als Teil seiner Rap-Gemeinheit The Story Of Adidon aus.

„You’re hiding a child“ ist mittlerweile die Meme-gewordene Definition dunkler Geheimnisse, dabei hatte bislang doch immer Drake die besten und insta-tauglichsten Stammbuch-Sprüche für die 2010er Wohlstands-Verwahrlosung geliefert. Zu seinem Sohn fallen ihm dann außerdem auch nur vergleichsweise platte Zeilen ein:

Realize I gotta think for two now
I gotta make it, I better make it
I promise if I’m not dead then I’m dedicated

Drake’s Umgang mit Frauen, neben seinem Sohn und der generellen Ermattung auch auf Scorpion das Hauptthema, riecht zudem ganz übel nach fragile masculinity: Während er sich auf vielen Songs über schlechten Charakter und Instagram-Lügen diverser weiblicher Bekanntschaften echauffiert, lässt er auf anderen Songs Rapperinnen wie Magnolia Shorty oder die City Girls raunchy sein - aber nur in Form von Samples. Damit sie nur ja nicht zurückreden können...

All das und viel mehr hat der FM4 HipHop-Lesekreis mit Dalia Ahmed, Mahdi Rahimi, Ole Weinreich und meiner Wenigkeit in einer extra-ausführlichen Folge besprochen:

FM4_HipHop_Lesekreis_180712

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