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Frankreich ist Fußball Weltmeister

APA/AFP/FRANCK FIFE

Blumenaus WM-Journal

Alles ist gut.

Die WM hat einen Sieger. Und noch mehr Gewinner. Und der Fußball hat immer recht.

Von Martin Blumenau

Alles ist gut.
Nicht nur, weil ich mit meiner Festlegung vom 8. Juni recht behalten habe und Frankreich Weltmeister wurde.
Sondern auch, weil die WM sportlich anständig verlaufen ist, keine eklatanten Ungerechtigkeiten vorgefallen sind und latente Entwicklungen ordentlich vorangetreiben wurden.

The daily blumenau bietet seit 2013 ebenso wie sein Vorgänger, das Journal, regelmäßig Einträge zu diesen Themenfeldern.

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Dazu das Schlussbild, bei dem alle im Regen stehen und sich nur der Hausherr einen Schirm gönnt - besser kann man das Selbstverständnis des Putin-Regimes nicht zusammenfassen; wehleidig und egomanisch zugleich.

Der Fußball hat sich verabschiedet von strategischer Einförmigkeit, vom reinen Ballbesitz und von der Superstar-Dependenz. Er hat die Bedeutung von Planung (siehe Standard-Situationen) und Ideen-Reichtum betont.

Und er hat einen würdigen Jahrgangsbesten: Team Frankreich lebt von der richtigen Mischung einer noch vergleichsweise jungen aber trotzdem felsensicheren Defensiv-Zentrale, vorbildlichen Umschaltern und einer Offensive mit exzellenter Qualität. Und weil auch die wenigen Leerstellen (in diesem Fall: die Außenverteidiger) rechtzeitig gefüllt wurden, konnte Teamchef Deschamps diesem Team eine Philosophie anbieten, die es gut umzusetzen verstand: der Ballbesitz-Fetisch wurde zugunsten eines Qualitäts-Zugriffs auf den Ball weggeräumt. Damit steht Frankreich in einer Kategorie mit den anderen Halbfinalisten, vor allem mit Belgien und England, und einigen anderen sehr gut anzusehenden Teams (Uruguay, Mexiko, Kolumbien, auch Portugal).

Im Vergleich zu den entwicklungsfähigen Engländern war Frankreich nicht allein von brillianten Standard-Situationen abhängig, sondern verstand es auch aus dem Spiel heraus wirksam zu werden. Und das mit einer dann eben titelwürdigen Ruhe und einem belohnenswerten Selbstvertrauen.

Und, ganz ehrlich, wer soll den Pokal bekommen: die Mannschaft, die in der K.O.-Phase ausschließlich große/schwere Gegner bereits in der regulären Spielzeit besiegen konnte, oder jene, die sich dreimal in Verlängerung/Elferschießen gegen deutlich weniger hochklassige Kontrahenten durchsetzt?
Eben. Alles ist gut.

Wobei Kroatien, das davon profitierte in der weniger schweren unteren Hälfte des Tableaus gelandet zu sein, sich fürs Finale wieder einen Plan zurechtgelegt hatte, der mir Hochachtung abringt. Die Coaches hatten erkannt, dass Frankreich eines nicht mag: Körperlichkeit, riskant eingesetzte Physis, die die Kombinatorik des Vize-Europameisters früh erdrückt. Mit dieser Strategie (und frühem, scharfen Pressing) fuhr Zlatko Dalic 55 Minuten lang gut. Und hätte sich bis dorthin auch eine Führung, zumindest aber ein Remis verdient.

Ob es dann gereicht hätte, ist die Frage: denn ein Zusammenbruch der in den letzten drei Matches regelmäßig krampfgeplagten, teils schon zu alten kroatischen Mannschaft konnte jederzeit einsetzen. Deschamps’ entscheidende Maßnahme dagegen war die Hereinnahme von Nzonzi (drei Meter hoher wuchtiger Körperspieler) für das Verteiler-Genie Kante (laufender Meter mit fragiler Physis). Das verringerte die spielerische Qualität, erhöhte aber den Gegendruck auf den Kleinen bei den Kroaten, den Turnier-MVP Modric.
Zehn Minuten nach diesem Manöver lag Frankreich 4:1 voran.

Dalic, und ich schreibe das seiner Turnier-Unerfahrenheit zu, brauchte zehn bzw. 20 zu lange Minuten nach dem 1:3 um die offensichtlichen und schon davor nötigen Wechsel (vor allem Kramaric für Rebic und Pjaca für welchen Defensivspieler auch immer) durchzuführen; mit denen sein Team schlussendlich in einem 3-3-4 dastand.
Kroatiens zweiter Fehler: im Gegensatz zum England-Match, wo sie bewusst nur halbhohe Bälle in den Strafraum schlugen, war diesmal wieder die hohe-Flanken-Arie angesagt - was bei Varane/Umtiti aber ebenso sinnlos ist wie bei Stones/Maguire. Dalics Kroatien betrachtete es aber bis zum bitteren Ende als valides Mittel, eine klassische Fehleinschätzung.

Der dritte Fehler war die informelle Konsequenz der rüden Anfangsphase, als kroatische Attacken französische Körper flugtauglich machten - so rutschte das Eigentlich-Nicht-Foul an Griezmann, das zum ersten Tor führte, dann eben durch.

Sieger und Gewinner, alle, auch die Verlierer

Gewinner sind die Kroaten trotzdem, in der neuen europäischen Elite angekommen, neben Belgien oder Portugal, auserkoren die üblichen Verdächtigen (die fünf europäischen Weltmeister halt) fürderhin ärgern zu dürfen und dem Rest des Feldes Angstschauer einzujagen.
Und auch das ist gut.

Genauso wie die Nachdenk-Phasen, die in Deutschland, Spanien oder Argentinien (aber auch in Italien oder den Niederlanden) anstehen, nach den wenig erbaulichen WM-Erfahrungen; gilt auch für die Schweiz und Polen, die sich vor dem Turnier noch auf einem Level mit z.B. Kroatien gesehen hatten. Auch das ist gut.

Gut sind auch die Preise: Luka Modric (Goldenen Ball), Eden Hazard (Silber) und Antoine Griezmann (Bronze). Der Goldene Handschuh gehört Thibaut Courtois; Kylian Mbappé ist der beste Nachwuchsspieler des Turniers.
Die FIFA-Scorerliste führt Harry Kane vor Griezmann und Romelu Lukaku an. Die echte Scorerliste sieht Kane und Griezmann gleichauf vor Hazard und Mandzukic.
Kane, Hazard und Modric waren je dreimal Man of the Match; Coutinho, Griezman, Mbappe, Cheryshev, Suarez und CR7 je zweimal.
Ins noch nicht gewählte All-Star-Team der Turniers kommen zudem in jedem Fall Trippier und Yerry Mina.
Eden Hazard hat die meisten Zweikämpfe gewonnen und die meisten Fouls erlitten, vor Neymar. Der hatte dafür die meisten Torschuss-Versuche, Perisic die meisten Kilometer und Ramos die meisten angekommenen Passes. Es gab nur eine glatt rote Karte und die war übertrieben (ja, die zweite für einen Schweizer hab’ ich übersehen, so wie die Schweiz selber...).
Und auch das ist gut.

Achtelfinale
AF1: Frankreich - Argentinien 4:3 Review
AF2: Uruguay - Portugal 2:1 Review
AF3: Spanien - Russland 1:1 - 3:4 i.E. Review
AF4: Kroatien - Dänemark 1:1 - 3:2 i.E. Review
AF5: Brasilien - Mexiko 2:0 Review
AF6: Belgien - Japan 3:2 Review
AF7: Schweden - Schweiz 1:0 Review
AF8: Kolumbien - England 1:1 - 3:4 i.E. Review
Viertelfinale
VF1: Frankreich - Uruguay 2:0 Review
VF2: Brasilien - Belgien 1:2 Review
VF3: Schweden - England 0:2 Review
VF4: Russland - Kroatien 2:2 - 3:4 i.E. Review
Semifinale
SF1: Frankreich - Belgien 1:0 Review
SF2: England - Kroatien 1:2 Review
Spiel um Platz 3
Belgien - England 2:0 Review
Finale
Frankreich - Kroatien 4:2 Review

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