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Empfehlungen fürs Popfest

Die FM4 Musikredaktion empfiehlt ein paar besondere Highlights am diesjährigen Popfest.

Vier Tage Musik, jede Menge Bühnen, unzählige Bands: Da muss man als Besucher oder Besucherin erst mal Orientierung finden und wissen, welche Musiker und Musikerinnen man sich nicht entgehen lassen sollen. Deswegen hier ein paar Empfehlungen aus der FM4 Musikredaktion zu den thematischen Schwerpunkten am Popfest 2018:

Dalia Ahmed über neue Bands am Popfest

Festivals, die man gratis besuchen kann, bieten sich immer großartig dazu an, neue Acts zu entdecken. Da kann man auch an einem Tag vorbeischauen, wenn eigentlich „nichts“ für einen/eine im Line-Up drinsteht. Und bei einem Festival wie dem Popfest geht das doppelt so gut. Man könnte, metaphorisch, blind in den Kuppelsaal, Prechtlsaal, ins Roxy oder die Karlskirche reinspazieren und früher oder später den next big, aber derweil noch absolut unbekannten Act zu hören bekommen.

Die baby-faced Künstler/innen, auf die ich mich am meisten freue, sind AliceD, die zwar Österreicherin ist, aber auf Englisch (ab und zu auch Griechisch, Französisch und Deutsch) rappt. Etwas, das mich ja sonst eher stört, aber AliceDs Flow macht Sinn. Über Cloud-Rap und Old School Beats mit Musikvideos, die im Elternhaus am Land gedreht wurden, versprüht AliceD Authenzität und vermittelt ihre Skills. Für Wiener Rap Battle Afficionados ist AliceD nix Neues, für uns alle anderen außerhalb der Szene wird ihr Auftritt im TU Prechtlsaal am Freitag sicher ein erfrischendes Schmankerl.

Tony Renaissance ist noch so ein Act, auf den ich mich besonders freue, die ich zum allerersten Mal performen sehe. Ebenfalls im TU Prechtlsaal und auch am Freitag, wird sie mit Synths und deftigen Beats und Samples aus den Sphären der contemporary Underground Clubs aufwarten. Politische Bassmusik, die auch Spaß macht.

Komischerweise finden sich meine fresh-faced Favoriten alle am Freitags- Line-Up. Doch Aivery spielen da nicht im Prechtlsaal, sondern unter freiem Himmel auf der Seebühne. Das Rock-Trio macht Musik, die unsere Riot-Grrrl-Herzen höher schlagen lässt. Queer-feministische Gitarrensounds, die man seit letztem Jahr auch auf ihrem Debütalbum hören kann. Doch live wird das bestimmt etwas ganz anderes. Ich freue mich auf einen Moshpit, in dem alle respektvoll zu einander sind, und auf ganz viel Schweißausschüttung.

DIe FM4 Ente vor der Karlskirche

Achtung: Bei Verwendung Link setzen: (__CC BY-SA 3.0(https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.en)__)

Manfred Werner

(CC BY-SA 3.0)

Lisa Schneider über Pop am Popfest

Popmusik am Popfest – logisch, oder? Wo sich die Genregrenzen verwischen, wo mehr Rock drin ist oder doch mehr Dance, ist mitunter nicht mehr leicht auszumachen, und genau das zeichnet auch heuer wieder das sehr diverse Popfest- Line-Up aus. Bei einigen Bands aber liegt der unverkennbare Pop-Appeal wie ein Zuckerwürfel auf der Zungenspitze, und ja, genauso süß klingt etwa die Musik der Grazer Band Crush, ihr erstes, sehr gutes Album heißt nicht umsonst „Sugarcoat“. Da gibt es lässigen DIY-Dreampop in seiner am wenigsten dunklen Form, Gitarrenklang und Hall-Schallausflüge sind aus New Wave und Shoegaze geborgt, zum Kopfwippen, zum Dahin- und Abdriften in eine Welt aus leicht wirren Gedanken, weichen Polstern, Zuckerwatte.

Lässig ist gleichzeitig auch der zweite Vorname von mittlerweile Superstar Mavi Phoenix, die von Bühnen am Primavera Sound Festival in Barcelona zum Melt! Festival nach Deutschland jetsettet, eine schöne Tourabrundung gibt’s für die gebürtige Oberösterreicherin jetzt also am Wiener Popfest. Und bleibt man beim schönen Wort „lässig“, hat die brandneue Band Pauls Jets aus dem Hause Redelsteiner wohl den Slacker-Sommerhit geschrieben: „Üben üben üben“ heißt er, sinniert in abgenörgelter deutscher Sprache, ein bisschen Doo-Wop, ein bisschen Blödeln, die gute Gitarre.

Mavi Phoenix

Niko Ostermann

Mavi Phoenix

Pop am Popfest funktioniert aber nicht nur auf eben diesem Saiteninstrument, auch wenn man in der Kategorie noch schnell den gesäuselt-verträumten Pop von Anger hinzufügen muss, den psychedelischen Beachpop von Pressyes, die wohl aktuell feinst geschriebenen Indiepopmelodien von Naked Cameo - oder gern auch die Schunkel-Version von pauT. Pop am Popfest ist in den letzten Jahren auch immer mehr zur elektronischen Angelegenheit geworden; in der heurigen Ausgabe hierzu die beiden schönsten Tipps: Monsterheart und Hearts Hearts.

Spannend wird Pop am Popfest vor allem auch dann, wenn er irgend möglich ausgedehnt wird, wie es etwa das Duo Sea Urchin macht. Seit 2011 arbeiten die austro-ägyptische Künstlerin Leila Hassan und der italienische Sound Artist Francesco Cavaliere zusammen, zimmern Objekte, Schriften und Textilien (!) zu einem musikalischen Kontext zusammen, bei dem Pop als eine ganz neuartige Form von Collage auftritt. Damit das alles nicht zu sehr abdriftet und der Wiedererkennungswert dieses schönsten Genres erhalten bleibt, fließen auch dekonstruierte Pop-Hits mit hinein in die Musik.

Christian Pausch über Inklusivität und Barrierefreiheit

Bei Festivals wie dem Popfest nimmt man ja schnell einmal an, dass es für alle frei zugänglich sei. Warum denn auch nicht – immerhin gibt es freien Eintritt, es findet rund um öffentliche Orte statt und scheint somit für alle gleich gut zu erreichen. Das diesjährige KuratorInnen-Team hat da allerdings einige Mängel entdeckt und das Popfest nun noch ein beträchtliches Stück zugänglicher gemacht.

Dieses Jahr gibt es nicht nur mehr barrierefreie WCs als in den letzten Jahren, es gibt auch Infos zum Popfest in leicht verständlicher Sprache, die mit Hilfe des Vereins Pro21 geschrieben wurden. Alle Bühnen bzw. Publikumsräume sind barrierefrei und auch im Line-Up schlägt sich die neu gelebte Inklusivität nieder.

Der Musiker und Rapper Okmar, der Dichter Christian Polster und der Musiktherapeut Relups bespielen am Popfest-Sonntag um 19.30 Uhr den Karlsgarten und zeigen, dass sie perfekt in die Schnittstelle zwischen Lyrics und Lyrik passen. Meine Empfehlung für das Popfest ist also nicht nur dieses Highlight des Programms, sondern auch die Empfehlung, aufmerksamer zu sein und Offenheit zu leben, damit es für alle – wirklich alle – ein großartiges Festival sein kann.

Christoph Sepin über laute Bands

Unterschiedlichste Dinge gibt es jedes Jahr am Popfest zu entdecken, da darf natürlich auch die Lautstärke nicht fehlen. Für Freunde und Freundinnen der hohen Dezibelzahl, die mit Earplugs gewappnet in den ersten Reihen harren, wird auch dieses Jahr abgeliefert.

Kaum ein Popfest-Jahr ohne Wolfgang Möstl, heuer wird es beim Konzert des besonders kreativen und produktiven Musikers lauter werden: Das Projekt Melt Downer spielt am Samstag um die hervorragende Uhrzeit von 2 Uhr in der Früh im ebenso hervorragenden Prechtlsaal in der TU, der seit dem Fehlen von der Location Brut am Popfest die Nummer-1-Oase des Schwitzens und des schönen Krachs bietet. Die Haare dürfen hier geschüttelt werden.

Echte Veteranen sind mittlerweile die Band Kreisky. Die beste Nonchalance, die knarrendsten Gitarrenriffs, das beste Lamentieren - das gibt es am Freitag um 20 Uhr auf der Seebühne zu entdecken. Wilde Gerüchte zirkulieren um eine Kreisky-Show am Popfest vor einigen Jahren, bei der sich angeblich niemand anderes als Pop-Superstar Madonna aus ihrem Hotelzimmer über den lauten Krach am Karlsplatz beschwert habe. Es wird wieder laut werden.

Die Band Шапка spricht man Schapka aus, und wer noch nicht weiß, dass die super ist, hat was verpasst. DIY-Töne, Eigensinnigkeit, rohe Sounds und tolle Texte: Freunde und Freundinnen der roughen Gitarrenmusik sollten ihre helle Freude damit haben - am Freitag um 19.30 Uhr auf der Red Bull Music Stage am Popfest.

Schapka Video

Schapka / Screenshot

Шапка

Daniela Derntl über neue Locations beim Popfest

Jedes Jahr gibt es beim Popfest die Möglichkeit, neue Bands, aber auch neue Locations zu entdecken. Letztes Jahr war das der Kuppelsaal in der TU Wien, eine beeindruckende Holzkonstruktion mit bestechender Akustik, und heuer bespielt das Popfest erstmals das Theater Akzent in der Theresianumgasse. Am Samstag spielen dort Felix Kramer und Alicia Edelweiss. Kramer ist ein gefeierter Gitarrist und Geschichtenerzähler, der zwischen Klassik, Austropop und Wiener Lied seine Nische zum Nachdenken gefunden hat, und Alicia Edelweiss ist Straßenmusikerin, Akkordeonistin und Weltenbummlerin, die theatralisch-schiefen, kafkaesken Anti-Folk („The Cockroaches And Me“) macht.

Popfest 2017

Radio FM4 / Patrick Wally

Neu beim Popfest ist auch der Karlsgarten bei der Kunsthalle Wien, wo sich am Sonntag auf der Lyrik-Bühne alles um die Kraft des Wortes und der Poesie dreht, von und mit Stefanie Sargnagel, Natalie Ofenböck, Clemens Denk, Verena Dürr und musikalischer Begleitung vom Wiener Beschwerdechor und Okma, Christian Polster & Relups.

Auch das Stadtkino im Künstlerhaus dient dieses Jahr als neue Popfest-Location. Am Donnerstag findet dort ein Stefan Weber Tribute statt, bei dem der Film „Weltrevolution“ und eine anschließende Gesprächsrunde mit das Schaffen des zeitkritischen Drahdiwaberl-Chef-Aktionisten beleuchtet.

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