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Monkey Island Landkarte

LucasArt

Virtual Vacation

In die Ferne schweifen geht auch von der Couch aus. Videospiele bringen uns oft an ferne oder auch fiktive Orte, an die wir uns aber noch lange Zeit zurückerinnern. Hier unsere virtuellen Lieblingsorte, die wir euch im Juli empfohlen haben.

Verreisen kann man nicht nur IRL, sondern auch im Videogame, eh klar. Aber auch da stellt sich die Frage: wohin? Voilà, die schönsten Urlaubsdestinationen in Videospielen, zusammengetragen von den FM4 Games-RedakteurInnen:

„80 Days“

Von Rainer Sigl

Es ist die Großmutter aller Weltreisen, aus einer Zeit in der schon das Konzept „Weltreise“ noch revolutionär war. In 80 Tagen um die Welt - das war schon im Roman des Science Fiction Ur-Opas Jules Verne eine Wahnsinnsaufgabe. Das einzigartige Adventure „80 Days“ nimmt uns mit auf einen Remix dieses Abenteuers. Und wie es sich für ein Videospiel gehört, ist alles noch ein wenig größer, wilder und spektakulärer. Das 19. Jahrhundert in „80 Days“ ist voll mit fantastischen Maschinen und seltsamen Technologien. Deshalb ist man nicht nur, wie im Original, mit schnöden Heißluftballons, Eisenbahnen und Pferdekutschen unterwegs, sondern auch schon mal mit mechanischen Elefanten oder Booten die durchs hohle Erdinnere fahren. Die Route darf man sich zumindest selbst aussuchen, doch egal auf welchem Weg - irgendwas geht immer schief, wodurch die Tour rund um den Planeten garantiert jedesmal zum haarsträubenden Trip wird.

Was in den virtuellen Rucksack gehört ist eine große Lust am Lesen, denn „80 Days“ ist als modernes Textadventure mit einer halben Million Wörtern ein richtig fetter Schmöker. Dank hübscher Illustriationen und hübscher Präsentation ist das Spiel aber keine Textwüste, sondern ein stylischer Abenteuerreise-Simulator, für den auf jeden Fall gilt: Der Weg ist das Ziel, und der beste Beweis dafür, dass eine Reise und Urlaub zwei verschiedene Sachen sind.

Scrrenshot 80 Days

Inkle

„Super Mario Sunshine“

Von Robert Glashüttner

Mario, Princess Peach und der alte Toadsworth sind fast schon auf der Trauminsel angekommen. Vor lauter Vorfreude versinken die beiden Herren in Tagträumen, und nur die Prinzessin wird erstmals auf den fiesen Mario-Doppelgänger aufmerksam. Der treibt auf der Insel als hinterlistiger Graffiti-Artist sein Spiel, beschränkt sich dabei aber nicht auf normale Tags, sondern taucht die Umgebung auch großräumig in Schleim und Farbe. Die Inselbewohner glauben, dass es der echte Mario war und verdonnern ihn zum Putzen. Er bekommt eine mobile Wasserdüse, mit der sowohl gereinigt als auch gekämpft wird.

Screenshot Super Mario Sunshine

Nintendo

Mario Games waren ja schon immer irgendwie urlaubshaft: blauer Himmel, grüne Wiesen, abenteuerliche Schlösser. „Super Mario Sunshine“ lebt aber wie kein anderes Spiel der Serie vom Urlaubsflair. Dank des kindlich bunten Grafikstils ist Super Mario Sunshine visuell über 15 Jahre später immer noch durchaus okay und die Urlaubsstimmung inklusive des luftigen Soundtracks hat auch nichts von ihrer Freundlichkeit eingebüßt.

„Journey“

Von Conny Lee

Die Wüste ist ein magischer Ort. Weit und breit goldener Sand, das ist das Setting des extrem erfolgreichen Spiels „Journey“. Als mysteriöse, kleine Figur im roten Kapuzenumhang laufen wir durch die Landschaft und stoßen von Zeit zu Zeit auf alte Ruinen.

Screenshot Journey

Sony Computer Entertainment

Es ist das perfekte virtuelle Reiseziel für Gestresste, die einfach mal ihre Ruhe wollen. In „Journey“ wird nicht gesprochen, man muss nicht kämpfen oder sich mit irgendetwas beeilen - man kann einfach die Gegend erkunden und die eindrucksvolle Wüstenlandschaft auf sich wirken lassen. Dafür muss man sich weder mit Sonnencreme einschmieren noch Angst davor haben, dass einem die Wasservorräte ausgehen oder man sich verläuft und dann elendig im Wüstensand verreckt.

Die Ruinen und alten Monumente zeugen von einer vergangenen Zivilisation, deren Geschichte wir nach und nach entdecken. Und das herrlichste - wir haben das alles für UNS ALLEIN! Keine anderen Leute, niemand der uns irgendwas verkaufen will! Und als ob dieses Game nicht dadurch schon das perfekte virtuelle Urlaubsziel wäre, können wir in „Journey“ auch noch fliegen. Oder naja, zumindest ein Stückchen über dem Erdboden gleiten.

„Journey“ ist genau richtig für alle, die gern mal weit weit weg von Allem wollen, abseits aller Zivilisation - aber nur mal kurz am Abend ein Stündchen Zeit dafür haben.

„The Secret of Monkey Island“

Von Robert Glashüttner

Es ist das vielleicht legendärste klassische Point & Click Adventure: sommerliches Piratensetting, unterhaltsame Rätsel, humorvolle Dialoge. Schwertkämpfe waren immer unblutig, denn die wirkliche Waffe im sogenannten „Beleidigungsfechten“ war nicht die Klinge, sondern ein spitzes Mundwerk.

Screenshot Secret of Monkey Island

LucasArt

Insgesamt hat „The Secret of Monkey Island“ vier Nachfolger spendiert bekommen. Vor knapp 10 Jahren sind dann die ersten beiden Teile mit frischer Grafik und Sprachausgabe neu veröffentlicht worden. Diese ersten beiden sind die wirklich empfehlenswerten Teile der Serie.

„Escapades Island“ in „Second Life“

Von Christoph „Burstup“ Weiss

„Escapades“ ist nur eine von 23.000 Regionen in Second Life. Sie ist besonders vielseitig: Sie hat einen tropischen Strand mit Palmen, eine Stadt mit retrofuturistischem Nachtclub, einen Berg mit Höhlen und vieles mehr.

15 Jahre Second Life

Die bisher erfolgreichste Onlinewelt zum Selbermachen hat sich zur beeindruckenden Plattform für Multimedia-Kunst entwickelt. Mehr dazu hier.

Gestaltet wird das alles von Loki Eliot, einem Multimedia-Künstler aus England. Er benutzt Second Life beispielsweise, um eigene Videospiele zu entwickeln, die dann auf „Escapades“ gespielt werden. Es gibt dort auch einen Shop, in dem vom Künstler gestaltete und programmierte Gadgets, Fahrzeuge und Bekleidung für Avatare im Game erhältlich sind. Selbst die Müllhalde auf Escapades hält einige Überraschungen parat und das Goblin Village sollte man lieber nicht unbewaffnet besuchen.

Außerdem gehört zur Insel der Club „Vortex“, der an Design und Cyberpunk-Kunst der 80er Jahre erinnert. In dem Club legen Loki Elliot und Freunde mehrmals die Woche auf, wobei man dann auch mitunter 30-40 andere Second Life User aus aller Welt antrifft. Es gibt noch viel mehr zu entdecken auf Lokis Insel. Sie ist eine der ältesten Regionen in Second Life und wird von einem der talentiertesten Künstler dort betrieben und verändert sich ständig.

Screenshot Second Life

Linden Lab

„Myst IV“

Von Conny Lee

In der Videospiel-Serie Myst kann man durch Bücher in andere Welten reisen. Auch im vierten Teil der Serie - „Revelation“ - besuchen wir einige spannende Welten. In Haven gibt es Urwald und diesen Strand mit dem schönen Schiffswrack, Serenia sieht überhaupt aus wie aus einem Urlaubskatalog: hellblaues Meer und grün bemooste Felsformationen.

Jede Welt sieht komplett anders aus und wartet mit anderen Rätseln und einer anderen Atmosphäre auf. Aber der allerschönste Ort und mein virtueller Urlaubstipp ist der Ausgangspunkt der ganzen Geschichte: das Haus, von dem aus wir zu den anderen Welten reisen. Es liegt an einem Ort namens Tomahna, verborgen zwischen roten Felsen über einem Wasserfall, nur erreichbar über eine kugelförmige Seilbahngondel.

Screenshot Myst IV

Ubisoft

Das Haus ist der Traum jedes Steampunk-Fans: Viele Maschinen, Schalter, Regler, ganz viel Messing. Und das alles kombiniert mit einer wunderschönen Jugendstil-Einrichtung: runde Fenster, kuppelförmige Glasdecken, Möbel aus massivem Holz. Und überall sind kleine Geheimnisse versteckt, Rätsel die wir lösen müssen. Dieses Anwesen auf Tomahna wäre der Renner auf Air BnB!

„The Witcher“

Von Sarah Kriesche

Im Open World Game „Witcher 3: Wild Hunt“ stimmt einfach so viel. Nicht nur grafisch gibt es eine immense Liebe zum Detail. Man spielt Geralt von Riva, den Witcher, und kämpft im weitesten Sinn gegen Monster. In einer speziellen Quest wird der Witcher nach der Einnahme diverser Tränke so beeinträchtigt, dass er plötzlich versteht, was sein Pferd, Roach, zu ihm spricht. Jetzt, wo es endlich verstanden wird, weist es uns darauf hin, dass wir uns ganz schön ungeschickt angestellt haben bisher und nimmt die laufende Quest selbst in die Hand, oder vielmehr Huf.

Man wird zum Statisten im eigenen Spiel und hört dem vorlauten Pferd zu, wie es aus dem Nähkästchen plaudert. Ich habe diese Sidequest so sehr genossen, dass ich das Game ein zweites Mal gespielt habe, um diesen Urlaub vom Alltag - vor allem aber diesen Urlaub von einer Spielroutine - noch einmal zu genießen.

Screenshot The Witcher

CD Projekt

„Bloodborne“

Von Rainer Sigl

Yharnam ist eine beeindruckende Stadt. Gewaltige Kathedralen, hoch aufragende gotische Bürgerhäuser, monumentale Brücken und schier endlose Katakomben machen die Metropole zu einem Highlight für den kulturinteressierten Videospieltouristen. Und das besonders bei Nacht, wenn ein blutroter Mond die engen, malerischen Gassen erleuchtet. Wer angesichts dieser Schlagworte bereits gelangweilt die Augen verdreht, ist vermutlich von allzu trockenen Führungen durch die eine oder andere historische Architektur geschädigt, aber keine Angst: Langweilig wird es in Yharnam garantiert nicht. Im Gegenteil.

Screenshot Bloodborne

FromSoftware

Yharnam ist der Schauplatz des Action-Horror-Rollenspiels „Bloodborne“, und in dem hat man meistens nur wenig Zeit, die beeindruckend gestaltete Fantasywelt gebührend zu würdigen. Schuld daran sind nicht nur die Werwölfe, Zombies, Riesen und Tentakelmonster, die uns quasi überall in den malerischen Postkartengässchen im Weg stehen, sondern vor allem der absichtlich harte Schwierigkeitsgrad.

Nur wer vorsichtig und achtsam durch Yharnam geht, dringt weiter in diese düstere und faszinierende Albtraumvision einer europäischen mittelalterlichen Großstadt vor. Riesige Architekturen, detaillierte Statuengruppen, bis in kleinste Details gestaltete Monumentalbauten: Yharnam ist ein Fest für alle, die ein Auge für gelungenes Spielweltdesign haben. Man sieht in jedem Moment, dass sich die japanischen Macher von „Bloodborne“ ausgiebig von der Kunstgeschichte inspirieren haben lassen. Yharnam ist ein Fest für Kulturtouristen; allerdings nur für jene, die sich von literweise Blut, rabiaten Monstern und wahnsinnigen Göttern aus der Tiefe des Kosmos nicht von diesem Städtetrip abhalten lassen.

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