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Bum Bum Kunst

Verena Prenner

Soundpark Act des Monats

Original Slangsta

Der Linzer Rapper & Produzent Bum Bum Kunst hat soeben sein neues Album „November Reign“ veröffentlicht. Eine Fusion oberösterreichischer Mundart mit West Coast-Rap-Ästhetik, Synthie-Sounds und klassischen, Sample-basierten Boom Bap-Beats.

Von Alex „DJ Phekt“ Hertel

Man kann Bum Bum Kunst durchaus als „One Man Show“ bezeichnen. Der Linzer produziert seit vielen Jahren seine eigenen Beats, die dann als musikalische Grundlage seiner Rap-Texte dienen. Jetzt hat er mit „November Reign“ ein neues Solo-Album veröffentlicht.

Inspiriert von den lyrischen Frühwerken Linzer Rapper wie Oh Vo (Brotlose Kunst) oder Markee (früher Teil der Band „Rückgrat“, heute solo als Kroko Jack bzw. Wossamau aktiv) hat Bum Bum Kunst vor ungefähr 15 Jahren selbst das Mikrofon in die Hand genommen. Die guten Beats von Produzenten wie Flip oder Megga waren oft schon für andere Rapper reserviert, daher hat er sich einfach selbst an einen alten PC gesetzt und mit einem Audio-Programm begonnen, eigene Instrumentals zu basteln.

Der Zeit manchmal voraus

Bemerkenswert in der Karriere von Bum Bum Kunst ist, dass er sehr früh mit seinen Mentoren bzw. Rap-Inspirationsquellen eigene Bandprojekte gestartet hat. Mit Oh Vo hatte er die Band „Engelstaub“, mit Markee etwas später das Slang-Rap-Duo „Sodom & Gomorrah“. Außerdem war er Teil der „Tonträger Allstars“ und der Linzer Supergroup „Die Unsichtbaren“. Eine durchaus anspruchsvolle Hip Hop-Schule, durch die er gegangen ist und die ihn künstlerisch geprägt hat. Bum Bum Kunst war außerdem Mitgründer des so genannten „Slangsta“-Movements, eine Bezeichnung für härteren und expliziten Dialekt-Rap aus Österreich.

Als Produzent hat Bum Bum Kunst früh gezeigt, dass er ein unheimliches Gespür für Musik hat und dabei oft gegen den Strom schwimmt. Während die meisten Instrumentals hierzulande Anfang der 2000er Jahre klassisch auf Samples alter Platten basierten, hat er bereits mit heute omnipräsenten 808-Drum-Sounds und Synthesizern herumgespielt, triolische Hi-Hats programmiert und spielerisch Hymnen wie „Hupf in d’heh“ kreiert. Er hat seine Vocals schon mit Autotune-Effekten bearbeitet, Jahre bevor das im Rap salonfähig wurde.

Inspiriert haben ihn damals die Platten amerikanischer Südstaaten-Rapper, West Coast-Gangsta Rap und jamaikanische Reggae-Dancehall Acts. Im Interview erzählt er, dass er außerdem immer ein Faible für härtere Gitarren-Musik hatte. All diese Einflüsse haben seinen eigenen Sound geformt. In den letzten Jahren war er zum Beispiel als Vokalist der Crossover-Band „Kaligula“ aktiv.

Vor 10 Jahren mit Trettmann kollaboriert

Bum Bum Kunst rappt in oberösterreichischer Mundart. Das hat ihn vor mehr als 10 Jahren mit dem deutschen Künstler Trettmann (damals Ronny Trettmann) connected. Der war vor seiner Karriere als Rapper in erster Linie für deuschsprachige Dancehall-Musik in sächsischem Dialekt bekannt und diesbezüglich ein Pionier. Ein Bruder im Geiste. Für „Sodom & Gomorrah“ haben sie damals eine gemeinsame Kollabo aufgenommen. Und als Trettmann für seine Snoop Dogg-Cover-Version von „Sensual Seduction“ jemanden brauchte, der sich mit Autotune-Effekten auskennt, hat er Bum Bum Kunst darum gebeten, das für ihn zu machen. Eine kleine Anekdote, die aus heutiger Sicht für Schmunzeln sorgt.

„November Reign“

Der Titel seines neuen Albums basiert auf einem persönlichen Muster, das ihm irgendwann aufgefallen ist. Immer wenn der Sommer vorbei ist, die Tage kürzer werden und die gefühlte Herbst- bzw. Winter-Depression vor der Tür steht, durchströmt ihn eine kreative Energie, mit der er sich über die kalte Jahreszeit rettet und in der viele seiner Songs entstehen.

Auf „November Reign“ präsentiert Bum Bum Kunst jetzt eine breite Palette Rap-Musik. Stimmlich hat er in den letzten Jahren zu sich gefunden. Inhaltlich ist alles dabei: witzige Punchlines, Story-Telling, derbe Lines, politische Statements („liebe Grüße von der Antifa“), etc. und interessante Features von langjährigen Wegbegleitern wie „Brotlose Kunst“, DJ Buk, Skero, Deo, MOZ, GC und einigen anderen.

Vor ein paar Tagen ist ein amüsantes Musikvideo zur schon etwas älteren Skero & Bum Bum Kunst-Kollabo „L Funk“ erschienen. Eine Linzer Gangsta Rap-Parodie, inklusive aller Klischees, die man erwartet.

Und während wir hier das soeben erschienene Album von Bum Bum Kunst konsumieren, macht er pünktlich zum Release-Tag das, was er sich verdient hat: einen mehrwöchigen Urlaub in Portugal.

„November Reign“ ist vorläufig nur digital erhältlich, gegebenenfalls wird es in naher Zukunft noch eine Vinyl-Version davon geben.

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