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Keanu Reeves als Surfer in Point Break

Point Break

das erste mal

„Point Break“: Die schönste Bromance im Action-Kino der 90er

Ein charmantes Katz-und-Maus-Spiel zwischen Keanu Reeves und Patrick Swayze im Gewand eines Surfer-Gangster-Films. Wieso habe ich diesen Action-Klassiker aus dem Jahr 1991 bis heute nicht gesehen?

Von Jan Hestmann

Als Kind der der Neunziger waren es speziell die Actionfilme dieses Jahrzehnts, die mich geprägt haben, an die ich mich immer noch besonders gerne zurückerinnere und die für immer Lieblingsfilme bleiben werden. Hier spielt Keanu Reeves und sein stoisch-cooler Blick eine beachtliche Rolle. Das Poster von „Speed“ (1994), das ihn ernst dreinschauend vor dem aus einem Flammenmeer springenden Linienbus zeigt, hängt schließlich bis heute über meinem Sofa. Und dann ist da natürlich noch der Genre-Meilenstein „Matrix“ (1999). Und wieder gibt es nichts zu Lachen für Keanu.

Aber eingeleitet wurden die Reeves-Festspiele der Neunziger ja von einem ganz anderer Klassiker - nämlich „Point Break“, oder „Gefährliche Brandung“, wie er auf Deutsch heißt, aus dem Jahr 1991. Ein Surfer-Gangster-Movie mit Patrick Swayze als charmanten Widersacher. Regie geführt hat Kathryn Bigelow, die knapp 20 Jahre später für ihr Kriegsdrama „The Hurt Locker“ mit einem Oscar ausgezeichnet wurde. Das Filmposter zu „Point Break“ ist ikonisch. Die Köpfe von Keanu Reeves und Patrick Swayze ragen über der schäumenden Brandung hervor. Dieses Bild ist mit sehr vertraut und dennoch, es ist mir passiert, dass ich „Point Break“ bis heute nie gesehen habe. Höchste Zeit diese Lücke zu schließen.

In der FM4 Sommerserie Das erste Mal stellen sich Filmredakteure endlich jenen berühmten oder vieldiskutierten Streifen, die sie bislang immer verpasst haben.

Wir finden uns in L.A. wieder - Hauptstadt der Bankräuber. Eine Bande, die sich „Ex-Presidents“ nennt (sie tragen Masken von ehemaligen US-Präsidenten), treibt hier ihr Unwesen. Auftritt für Keanu Reeves alias FBI Agent John Utah, frisch von der Polizeischule und hochmotiviert, dem Verbrechen in der Praxis den Kampf anzusagen. Anders als sein kurz vor der Pension stehender, Zigarre rauchende Kollege Angelo Pappas (köstlich: Gary Busey).

Keanu Reeves als Surfer in Point Break

Point Break

Da die Spur der Bankräuber bald zur lokalen Surfer-Szene führt, beschließt Johnny undercover zu gehen und wird selbst zum Surfer. Die nötigen Skills dafür holt er sich von Tyler (Lori Petty). In sie verliebt er sich nicht nur sehr bald, sie führt ihn auch zum geheimnisvollen Surfer-Ass Bodhi, gespielt von Patrick Swayze. Johnny wird von der Lust am Surfen und dem damit verbundenen Freiheitsgefühl schnell angesteckt und dringt immer tiefer in die Szene vor.

Was die Action betrifft, kann sich „Point Break“ knapp 30 Jahre später immer noch sehen lassen. Sie kommt nur in kleinen Dosen, dafür aber umso effektiver, etwa dann, wenn Johnny ohne Fallschirm aus dem Flieger springt, oder wenn er einen Drogenverschlag auf eigene Faust stürmt und die Situation mächtig eskaliert. In der hohen Intensität dieser kurzen Actionsequenzen scheint Kathryn Bigelows großes Inszenierungstalent, das sie in späteren Filmen noch ausbauen wird, deutlich durch.

Vaya con Dios

Vor allem punktet der Film aber beim Zwischenmenschlichen, also speziell bei der Beziehung zwischen Johnny und Bodhi. Nach und nach entwickelt sich zwischen den beiden eine ganz spezielle Bromance, wohl eine der ergreifendsten, die mir das Action-Genre bislang beschert hat. Bedeutungsschwere Dialoge über Freiheit wirken vielleicht aus der Zeit gefallen, gleichzeitig hat diese ironiebefreite Ernsthaftigkeit, die in diesem Genre selten geworden ist, etwas sehr Erfrischendes.

Fun Facts/Trivia: Anthony Kiedis, Sänger der Red Hot Chili Peppers, hat einen Gastauftritt als ungehobelter Surfer-Dude. Und Lori Petty, Keanu Reeves Love Interest in „Point Break“, später als „Tank Girl“ berühmt geworden, ist aktuell als die etwas verrückte Lolly in „Orange Is The New Black“ zu sehen (und erst auf den zweiten Blick wiederzuerkennen).

Das gegen Ende fast schon freundschaftliche Katz-und-Mausspiel zwischen Johnny und Bodhi gipfelt in einem hochemotionalen, testosterontriefenden Showdown vor der Kulisse einer Riesenwelle mit den Worten „Vaya con Dios“ (Gänsehaut-Alarm!). Für den Moment zählt nicht mehr, wer Cop und wer Bösewicht ist, es zählt nur eines: The Ride!

Ich stelle mir vor, ich hätte „Point Break“ schon als 15 Jähriger gesehen, er wäre vermutlich einer meiner großen Lieblingsfilme bis heute gewesen, dafür hätte er nämlich alle nötigen Zutaten gehabt. Aber besser spät als nie.

Keanu Reeves als Surfer in Point Break

Point Break

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