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Hauptperson der Serie "Insecure"

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Vom Awkward Black Girl zu „Insecure“ auf HBO

„Insecure“ ist eine Show von, über und hauptsächlich für Afro-Amerikaner/innen. Unglaublich lustig und sehenswert für alle anderen ist sie dennoch.

Von Dalia Ahmed

Vor sieben Jahren lädt die Schauspielerin, Regisseurin und Producerin Issa Rae ihre Mini-Serie „Awkward Black Girl“ auf Youtube hoch. In zwei Staffeln und insgesamt 25 Folgen zu je zwei bis drei Minuten erzählt sie da von ihrem Alltag und ihren „Mis-adventures“. Issa spielt J und ein bisschen sich selbst, eine unsichere, linkische junge Frau, die nie so recht weiß, wie sie sich in sozialen Situationen verhalten soll. Die Webshow verbreitet sich via Mundpropaganda und bringt Issa Rae ins Sichtfeld der großen Sender.

Zwei Jahre später beginnt Issa Rae gemeinsam mit dem Drehbuchautor, Comedian und ehemaligen „Senior Black Correspondent“ der Daily Show Larry Wilmore an einem Piloten für eine Show namens „Insecure“ zu schreiben.

Der Pilot über das Leben einer jungen Afro-Amerikanerin namens Issa, die in Los Angeles lebt und sowohl beruflich als auch privat nichts auf die Reihe bekommt, gefällt den Executives bei HBO und Issa Rae und Larry Wilmore bekommen grünes Licht für eine erste Staffel.

Die Prämisse von „Insecure“ wirkt auf den ersten Blick sehr plump: Liebes- und Alltagsdramen werden da von einer awkwarden, unsicheren Anti-Heldin durchlebt. Doch die Tatsache, dass die Show von und mit Afro-Amerikaner/innen gemacht ist, haucht ihr eine besondere Relevanz ein.

Andere Shows mit afro-amerikanischen und POC Showrunner/innen:

Fresh off the Boat, Atlanta, Masters of None, Queen Sugar, Mr Robot

Blickt man sich in der US-Fernsehlandschaft um, sieht man, dass schwarze (und andere nicht-weiße) Charaktere nur in bestimmten Kontexten vorkommen. Meistens in Milieus, die mit Kriminalität zu tun haben. Sei es als Kriminelle oder als toughe Polizist/innen mit schwieriger Vergangenheit. Abseits davon handeln Geschichten mit schwarzen Protagonist/innen sonst nur vom ganz großen Leid: das Leben im „Ghetto“, Sklaverei und andere Formen der Gewalt gegen schwarze Personen werden da eindringlich und oft klischeehaft breitgetreten.

Eine Show wie „Insecure“ bringt da frischen Wind auf den Bildschirm: Issa Rae erzählt nämlich vom alltäglichen Drama der afro-amerikanischen Mittelschicht. Vom Boyfriend, der ihr zu fad geworden ist, den nervigen Kolleg/innen, der Chefin, die eventuell ein bisschen rassistisch ist, und den steigenden Mietpreisen und der Gentrifizierung ihres Los Angeles.

Dabei wird Issa von einem Cast an Freundinnen begleitet - allen voran ihre beste Freundin Molly, gespielt von der Stand Up-Comedian Yvonne Orji. Molly ist aber kein sassy-black-Friend Klischee, wie es sich oft in Comedyfilmen findet. Sie hat ihr eigenes Leben abseits dem der Protagonistin, dieses Leben hat sie aber - wie Issa - kaum im Griff. Molly schläft mit einem verheirateten Mann und überlegt, ob sie als Anwältin bei einer diverseren Kanzlei anheuern sollte, um endlich auch mal schwarze Kolleg/innen zu haben.

Hauptperson der Serie "Insecure"

HBO

In „Insecure“ kämpfen sich alle Figuren irgendwie und mehr schlecht als recht durchs Leben. So, wie es bei fast allen Menschen in ihren späten Zwanzigern oder frühen Dreißigern ist. Dabei führen sie Schmäh, haben Spaß, ver- und entlieben sich, bauen ganz großen Scheiß und hadern mit sich und ihrer Umwelt.

Die dritte Staffel „Insecure“ ist aktuell auf Sky Deutschland zu sehen.

So erfrischend entspannt „Insecure“ auch daherkommt, es gibt trotzdem viel Spannung in der Show. Zum einen zieht sich Issas Beziehungsdrama mit ihrem Ex Lawrence über mehrere intensive Staffeln, aber auch die Themen Rassismus und Armut werden angesprochen. So sieht sich Issa mit ihrer Selbstgefälligkeit konfrontiert, als sie bei ihrem Job bei einer Kinderhilfsorganisation von ihrer weißen Kollegin darauf aufmerksam gemacht wird, dass der afro-amerikanische Direktor einer Partnerschule die Latino Schüler/innen diskriminiert.

Auch in der neuen, dritten Staffel diskutiert „Insecure“ ein Themenspektrum vom vermeintlich seichten Tratschgespräch über Boys bis hin zur Diskussion von Themen wie „toxische Maskulinität“ im afro-amerikanischen Kontext oder Erwachsen-Werden. Issa zieht gezwungenermaßen bei ihrem Booty-Call, den Musikproduzenten Daniel ein, Molly beginnt bei einer „black law firm“ zu arbeiten. Beide müssen lernen, sich mit unangenehmen Situationen zu arrangieren oder sich zur Wehr zu setzen.

„Insecure“ wächst mit seinen Charakteren mit und wird auch vom Look, von der Erzählweise und den Handlungssträngen her, erwachsener, spannender und teils sogar lustiger. Zumindest verspricht das die dritte Staffel verheißungsvoll in den ersten paar Folgen.

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