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Filmflimmern

Filmflimmern

Neu im Kino: „Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm“, „Predator“, „The Rider“, „Gundermann“, „Bruder Jakob schläfst du noch“. „Phaidros“, „Mile 22“. Außerdem: Hat #metoo schon etwas in Bezug auf Frauenfiguren in Filmen geändert, was macht „House of Cards“ mit Kevin Spaceys Figur, McConnaissance geht weiter und Vorfreude auf „The Helsinki Mansplaining Massacre“.

Von Pia Reiser

Mackie Meser - Brechts Dreigroschenfilm

Lars Eidinger mit kurzgeschorenem Haar gibt hier einen dauerrauchenden Bert Brecht in der obligatorischen Lederjackenkluft. Nach dem Erfolg der Dreigroschenoper am Theater will Brecht das Stück im Jahr 1928 auch verfilmen - allerdings nach seinen eigenen Vorstellungen, was die Produzenten an den Rand des Wahnsinns und des Budgets bringt. Das hier ist kein dröges Brecht-Biopic für Deutschlehrer, sondern ein dramaturgisch experimentierfreudiger Film, der erfreulicherweise mal nicht belehren will, was war, sondern erforscht, was hätte sein können - wie hätte also Brechts Leinwand-Vision ausgesehen, wenn er sich nicht mit den Produzenten zerkracht hätte? „Mackie Messer - Brechts Dreigroschenfilm“ imaginiert nun diesen Film. Tobias Moretti singt sich als Mackie Messer durch pittoreske Szenerien, während Eidinger ein Brecht-Zitat nach dem anderen an der dicken Zigarre vorbei hervordeklamiert und besorgt die Zunahme des Faschismus in Deutschland beobachtet. Gegen Ende des Films rafft man sich sogar noch zur gesungenen Kapitalismuskritik und einem Brückenschlag ins Jetzt auf. Dafür gibt es 7 von 10 filmischen Visionen.

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The Predator

Immer diese außerirdischen Kopfgeldjäger! Konnte man das Original aus dem Jahr 1987 noch als Beschäftigung mit dem Vietnam-Krieg in einer damals neuen Mischung aus Horror, Sci-Fi und Kriegsfilm sehen, so sollte man die Deutungserwartungshaltung bei „Predator: Upgrade“ gleichmal downgraden. Unter der Regie von Shane Black stürzt ein Predator-Raumschiff auf der Erde ab und eine Gruppe von ehemaligen Soldaten - und eine Lehrerin - muss wieder mal die Erde retten. Action statt Spannung und Schenkelklopfer-Sprüche ohne Ende, diagnostiziert Christoph Sepin und verleiht 6 von 10 „get to the chopper“.

Predator

Twentieth Century Fox Film Corporation

Bruder Jakob, schläfst du noch

Vier Brüder machen sich nach dem Selbstmord ihres fünften Bruders gemeinsam auf in die Berge, die ihr verstorbener Bruder Jakob so geliebt hat - und nach Portugal, wo er zuletzt gelebt hat. Die Brüder wandern, spielen Fußball und begeben sich auch in das Hotelzimmer, in dem ihr Bruder Jakob sich das Leben genommen hat. Regisseur Stefan Bohun ist hier auch vor der Kamera zu sehen, er erzählt die persönliche Geschichte seiner Familie, die zu einer Beschäftigung mit universellen Themen wie Erinnerung, Verlust und Tod wird. Nach Erklärungen für den Suizid sucht der Film nicht. Ein unglaublich packender und rührender, nicht rührseliger, Film. Petra Erdmann verleiht 8 von Normalitäten, die es nicht geben kann. Das Interview mit Regisseur Stefan Bohun und Filmproduzent David Bohun kann man im FM4 Player nachhören.

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The Rider

Den Mythos des amerikanischen Western und dessen epische Landschaftsbilder nutzt Regisseurin Chloé Zhao in „The Rider“ als Spielort für ein Drama um Wünsche und Enttäuschungen. Rodeoreiter Brady erleidet nach einem Sturz eine Hirnfraktur und darf nicht mehr reiten. Was passiert also mit einem Menschen, der das, wozu er sich berufen fühlt, nicht mehr machen kann - darum dreht sich „The Rider“. Der Film wird eine Reise ins amerikanische Hinterland, „The Rider“ nähert sich auch dem sogenannten white trash an, ohne zu plakativer Sozialromantik zu greifen. Brady Jandreau - und seine Familie und Freunde - spielen mehr oder weniger sich selbst und ihre eigene Geschichte. Regisseurin Zhao erzählt vom Leben im Reservat, von Resten des amerikanischen Mythos und variiert und hinterfragt Stereotypen wie den Macho-Cowboy. Erika Koriska verleiht 8 von 10 zerbrochenen Träumen.

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Phaidros

Wiener Theatermilieu trifft auf die queere Wiener Clubszene. Künstlerin und Regisseurin Mara Mattuschka pinselt mit „Phaidros“ einen opulenten Bilderreigen auf die Leinwand: Ein junger Schauspieler steht im Mittelpunkt des Films, inszeniert als Objekt der Begierde. Macht, Leidenschaft und Lust verpackt in Theatralik und Exzess.

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Mile 22

Mark Wahlberg wieder mal unter der Regie seines Nachnamenfastzwillings Peter Berg. Wahlberg spielt einen Spezialsuperelite-Agenten einer urgeheimen Einheit, deren Name nahelegt, dass diese Einheit von 7jährigen geleitet wird: Overwatch. Sein neuer Auftrag führt ihn nach Südostasien. Radioaktives Material ist verschwunden und Wahlberg und sein Team müssen einen Überläufer von der amerikanischen Botschaft zum Flughafen bringen. Das sind nur 22 Meilen - sehr viel weniger als die Proclaimers z.B. gegangen wären - doch auf 22 Meilen kann viel geschossen und gekämpft und gerannt werden, wenn der Regisseur Peter Berg heißt. Natalie Brunner verleiht 4 von 10 Karateschlägen in Handschellen.

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Gundermann

Gerhard Gundermann war DDR-Liedermacher, Baggerfahrer, Stasi-Spitzel. In „Gundermann“ widmet sich Regisseur Andreas Dresen differenziert und ohne Biopic-Konventionen diesem sturen und schrulligen Antihelden. Ein leichtfüßig inszenierter Film mit einem großartigen Alexander Scheer als Gundermann. Anna Katharina Laggner vergibt 8 von 10 Baggerfahrer-Schichten.

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Außerdem

  • CBS-Chef Les Moonves ist nach Vorwürfen der sexuellen Nötigung - und einem Artikel von Ronan Farrow - zurückgetreten.
  • Der Guardian geht der Frage nach, ob #metoo bereits die Filmlandschaft verändert hat - in Bezug auf Frauenfiguren
  • Was macht „House of Cards“ eigentlich mit ihrer früheren Hauptfigur Francis Underwood, die von Kevin Spacey gespielt wurde. Spoiler ahead.
  • Warner Bros ist das erste große Hollywood-Studio, das den „Inclusion Rider“ für zukünftige Produktionen übernehmen wird.
  • Falls jemand geglaubt hat, McConnaissance ist Schnee von vorgestern: Hier ist der Trailer für Harmony Korines „Beach Bum“
  • Steven Soderbergh wird seinen nächsten Film gemeinsam mit Netflix realisieren, weil Netflix, so Soderbergh, im Gegensatz zu Hollywoodstudios auch “mid-level budget movies for grown-ups" macht.
  • Diese Woche ist ein Buch über die Coen-Brüder erschienen, eine Leseprobe gibt es hier
  • Was macht Werner Herzog so? Bald werden wir ihn in einem „Big franchise film“ sehen, über den er noch nichts verraten darf. Codename: Huckleberry
  • Schönes John C. Reilly Porträt im aktuellen GQ. “I’ve looked like a 53-year-old man since I was 18. In my face, anyway. My body has caught up now. This suits me.”
  • Falls jemand Entscheidungshilfe bei der „Emmy“-Wette braucht, hier sind die Emmy-Predictions von Vulture.
  • Georg Seeßlen schreibt auf epdfilmüber das Kino als moralische Anstalt.
  • Mark Wahlberg hat seine daily routine auf Instagram gepostet. Pray. Workout. Cryo Chamber Recovery!
  • Horror meets Comedy meets Superfilmtitel: In „The Helsinki Mansplaining Massacre“ landet eine Frau nach einem Autounfall in einem Haus und führt einen verzweifelten Kampf gegen Männer, die ihr alles erklären wollen. „You don’t have to be afraid of giving birth. The pain is natural.“

Termine

James Stewart und Grace Kelly in "Rear Window"

Universal

Voyeurismus, Impotenz, Angst vor der Ehe und außerdem ein Mord im Haus gegenüber: „Rear Window“ am 14.09 im Burg Kino, Wien

14.09-02.10: Spike Lee Tribute, Gartenbaukino, Wien
13.09-03.10 Romy Schneider Filmschau, Metro Kinokulturhaus, Wien
14.09: 2001 - A Space Odysseys, Leokino, Innsbruck
14.09: Rear Window, Burg Kino, Wien
15.09: The Piano, Das Kino, Salzburg
19.09: A Bout de Souffle, Das Kino, Salzburg
20.09: Zimmer mit Aussicht, Bellaria, Wien
20.09: /slash-Eröffnung: Mandy, Gartenbaukino, Wien

In diesem Sinn:if there’s one thing I know, it’s how to wear the proper clothes. („Rear Window“)

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