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Die Top 10 AutorInnen von FM4 Wortlaut 2018

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Wortlaut

Wortlaut 2018: Die Top 10

„Poetisch.“ „Tiefgründig.“ „Originell.“ „Knallhart.“ „Spielerisch.“ „Lakonisch“. „Sensibel.“ „Witzig.“ Nach harten Diskussionen hat sich die Jury auf zehn Kurzgeschichten für das Wortlautbuch geeinigt.

Von Zita Bereuter

Wortlaut sei für ihn ein Booster gewesen, erzählt David Fuchs. 2016 hat er den FM4 Kurzgeschichtenwettbewerb mit einem Text um die Teenager Ben und Ambros gewonnen. Zwei Jahre später ist aus der Episode der Roman „Bevor wir verschwinden“ geworden. Die zweite Auflage ist schon nach gut einem Monat erschienen und der Roman ist für den Debütpreis beim Österreichischen Buchpreis nominiert.

Von einem derartigen Erfolg der Wortlauttexte bzw. deren Autorinnen und Autoren haben wir früher kaum zu träumen gewagt. Zu sehr schien uns das nach den Sternen gegriffen. Tatsächlich aber finden Jahr für Jahr die Gewinnertexte von Wortlaut ihren Weg zu Verlagen. Auch heuer meinte eine Jurorin nach dem Lesen der besten zwanzig Kurzgeschichten: „Es würde mich nicht wundern, wenn ich vielleicht sogar ein paar Sachen von einem zukünftigen Verlagskollegen gelesen hätte.“

„Sterne“ war 2018 das Thema von Wortlaut, dem FM4 Kurzgeschichtenwettbewerb.
Rund 800 Kurzgeschichten wurden eingereicht - hier ist die Longlist.

Die Jury Alex Beer (Krimiautorin), Vinzenz Dellinger (Wortlautgewinner 2017), Lucy Fricke (Autorin), Daniela Strigl (Literaturkritikerin, Germanistin, Essayistin) und John Wray (Autor) waren voll des Lobes. Dieses hohe Niveau, die Qualität und Vielfalt der Texte hätten sie nicht erwartet. Das Lesen sei spannend aber auch unterhaltend gewesen.

Das freut uns besonders, denn die Jury stellt uns ihre Zeit und ihr Wissen gratis zur Verfügung. Das ist keine Selbstverständlichkeit und wir möchten der äußerst freundlichen und kompetenten Jury von Herzen danken! Auf dem Boulevard der Literaturjury haben alle fünf einen Stern verdient!

Der Standard

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Der Gewinnertext wird im STANDARD veröffentlicht.

Dabei herrschte keineswegs immer Einigkeit in der Jury, im Gegenteil: Positionen wurden klar vertreten, Kritik pointiert angebracht, mit Lob nicht gespart. Schweren Herzens mussten sich alle von dem einen oder anderen bevorzugten Text trennen, um letztlich auf die nun vorliegenden zehn Kurzgeschichten zu kommen. Diese Auswahl bietet eine interessante Vielfalt. Einige Stichworte aus den Jurybegründungen: „Poetisch.“ „Tiefgründig.“ „Originell.“ „Knallhart.“ „Spielerisch.“ „Lakonisch“. „Sensibel.“ „Witzig.“ „Selbstbewusst.“ „Ernsthaft.“ „Faszinierend“. „Überzeugend.“ „Fantasievoll.“

Wir gratulieren jedenfalls den ausgezeichneten sieben Autorinnen und drei Autoren herzlich!

Ob diese Wortlauttexte auch bald in Romanen erscheinen steht in den Sternen. Aber nach denen darf man ruhig öfter greifen…

Wortlaut Party

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Agnes Ofner: „107.000 km/h“

Agnes Ofner hat Fennistik und Nederlandistik studiert und anschließend eine Ausbildung zur Grafik-Designerin an der Graphischen in Wien gemacht. Heute arbeitet sie als selbstständige Grafikerin, unterrichtet Luftakrobatik und schreibt.

„Die Lichter­ketten an den Tischen machen viel zu kitschige Stimmung und alle Leute, die jemals gesagt haben, dass man die Sterne nicht zählen kann, haben noch nie in einer großen Stadt gelebt. Momentan sieht er sieben. Einer schwächer als der andere.“

Anna Felnhofer: „Parallaxe“

geboren 1984 in Wien, hat in Wien und Warschau Psycho­logie studiert und das Doktoratsstudium abgeschlossen. Lebt, schreibt und arbeitet, u.a. als Klinische Psychologin und Forscherin an der MedUni Wien. Neben wissen­schaftlichen Herausgeberwerken (facultas und UTB) Ver­öffentlichungen u.a. im Podium, Sterz, Am Erker und in den Lichtungen wie auch im Rundfunk (Ö1 Kunstsonntag). Empfängerin des BKA Arbeitsstipendiums 2017 für den Roman „Schnittbild“, der sich mal mit verbissener Beharr­lichkeit, mal mit spielerischer Leichtigkeit, jedenfalls aber konstant seiner Vollendung entgegenentwickelt.

„Und da ist er wieder, der Wagen oder Bär oder wie auch immer er heißen mag, und ihr Blick in die Vergangen­heit, an dem Sternbild vorbei auf die Millionen Sonnen, die da glühen und verglühen oder bereits verglüht sind, aber so oder so, sie verlängern sich bis ins Jetzt hinein und wirken derart fort, jede einzelne von ihnen, als unabdingbarer Bestandteil eines über sie hinausreichen­den Ganzen.“

Barbara Kadletz: „Kalte Sterne“

geboren 1981, lebt in Wien und arbeitet in Petra und Oli­ver Hartliebs „wundervoller Buchhandlung“. Wenn sie nicht dabei ist, die Bücher anderer zu verkaufen, arbei­tet sie an ihren eigenen Texten oder spricht und schreibt über Literatur, beispielsweise als Moderatorin von Buch­veranstaltungen, in einer wöchentlichen Onlinekolumne und in Zeitschriften.

„Jetzt schreibst du meinen Namen mit eiskaltem Finger in den Schnee vor deinem Fenster, damit ich dich fin­de, auf meinem Nachtflug.
Und dabei staunst du, dass dir das passiert ist: Trotz allem geliebt zu werden.“

Claire Walka: „Livability“

geboren 1978 in Stuttgart, lebt, filmt, schreibt, forscht, experimentiert, denkt, spielt, rollt oder flaniert über und durch alltägliche, fiktive, surreale und andere Welten. In Hamburg trifft man sie zum Beispiel als Performerin bei Smells like writers spirit feat. NOiSY HEART, im writers’ room oder beim Forum Hamburger Autorinnen und Autoren. clairewalka.de

Auf dem höchsten Level Starry Dreams spricht Stella, eine sanfte Frau­enstimme, zu Niemann. Ihr kosmischer Klang wur­de in Anlehnung an seine eigene Stimmfrequenz ganz individuell kalibriert. Die Übereinstimmung schafft Vertrauen und Sympathie.

Katherina Braschel: „solangehierunterwegsgewesen“

geboren 1992 in Salzburg, lebt, schreibt und prokrastiniert in Wien. Redaktionsmitglied und Kolumnistin bei der Lite­raturzeitschrift &radieschen und Film- und Medienfor­schende zum Thema queer_feministische Pornografie. Gewinnerin des „Wir lesen uns die Münder wund“-Litera­turwettbewerbs und des Lyrik-Sonderpreises beim Eroste-post-Literaturpreis, beides 2018.

Veröffentlichungen in Literaturmagazinen, darunter im Mosaik – Zeitschrift für Literatur und Kultur, &radieschen und PS – Politisch Schreiben. 2019 erscheint ihr erstes Buch in der Edition Mosaik.

„Und in dem Moment habe ich an deiner großen Wange vorbei deine Gitarrentasche gesehen, wie sie an der Wand gelehnt ist, wo du sie hingetan hast, wie du ge­kommen bist. Und wo sie gerade ganz ganz langsam umgefallen ist. So richtig in Zeitlupe. Und ich konnte noch ganz genau das „Die Sterne“ sehen, das du in Großbuchstaben mit 3D-Schrift auf deine Tasche geschrieben hast, quer drüber und darunter das ‚best Bänd 4eva‘.“

die zehn GewinnerInnen von Wortlaut

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Erste Reihe von links nach rechts: Agnes Ofner (Foto: Lazlo Roth), Anna Felnhofer (Foto: Privat), Barbara Kadletz (Foto: Helmut Wimmer), Claire Walka (Foto: Pierre D. Lune), Katherina Braschel (Foto: Privat) Zweite Reihe von links nach rechts: Lilian Loke (Foto: Christoph Mukherjee), Mercedes Spannagel (Foto: Privat), Nikolaus Neu (Foto: Foto Strametz), Roman Markus (Foto: EnteWurzelausKuh), Stefan Adrian (Foto: Gregor Hohenberg)

Lilian Loke: „Auf Jupiter regnet es Diamanten“

geboren 1985 in München, studierte Englische Literatur­wissenschaft, Neuere deutsche Literatur und Kunstge­schichte. Ihr Debütroman „Gold in den Straßen“ wurde mit dem Bayerischen Kunstförderpreis sowie dem Tukan-Preis ausgezeichnet. Ihr aktueller Roman „Auster und Klinge“ erschien 2018 bei C.H. Beck. Für ihre literarischen Arbei­ten erhielt sie u.a. das Werkstattstipendium der Jürgen-Ponto-Stiftung und der Autorenwerkstatt des Literari­schen Colloquiums Berlin. Die Autorin lebt und arbeitet in München.

Manche sagen, Jupiter sei ein gescheiterter Stern, weil er wie die Sonne größten­teils aus Wasserstoff besteht, nur hat er nicht genug Masse, deshalb brennt er nicht. Aber es ist ungerecht, ihn als gescheiterten Stern zu bezeichnen, ist er doch ein sehr erfolgreicher Planet. Auf Jupiter regnet es Dia­manten, seine Sturmwolken enthalten Methan, Blitze spalten es zu Kohlenstoff, und es entsteht ein Dia­mantenhagel.

Mercedes Spannagel: „Jo und ich bilden uns einen Hund ein und gehen mit ihm spazieren“

geboren 1995 in Wien, Studentin in Wien. Schreibt an einem längeren Projekt, da geht es um Meerjungfrauen und am Ende sind alle Männer tot. Dafür 2018 u.a. ein Arbeitsstipendium des bka erhalten und eingeladen zur Werkstatt für junge Literatur der Literaturwerkstatt Graz. Schreibt nicht autobiografisch.

„Ich möchte Wiens Nachtluft atmen. Jo raucht neben mir aus dem Fenster. Ich missverstehe die Zigaretten­luft als Wiens Nachtluft.
Es sind Sterne zu sehen.“

Nikolaus Neu: „Supernova“

geboren 1957 (also noch zu jung für die 68-er-Revolu­tion), hat Medizin studiert und ein bisschen Psychologie und ist nach klinischen und wissenschaftlichen Jahren in den USA, Kanada und Deutschland wieder in Tirol gelan­det. Seine Berufsadresse ist die Kinder-Intensivstation an der Uni-Klinik Innsbruck.

Schreiben ist stark wetterabhängig (wie vieles in Tirol), bisher drei Veröffentlichungen im Rahmen des Münchner Kurzgeschichtenwettbewerbes und beim FM4 Wortlaut.

Wenn ihr wüsstet, dass mein Stern vielleicht schon am Untergehen ist, würdet ihr mich Supernova nennen, denkt sie, wieder­um kurz davor, es auszusprechen, aber das braucht sie nicht zu tun, weil jemand hereinruft, dass der Vater mit einem Heulkrampf im Gang liege und man ihm doch was geben müsse!

Roman Markus: „Meyer“

geboren 1991 in Klagenfurt und sudert jetzt in Wien. Heißt eigentlich anders, macht aber nichts. Arbeitet im Brotberuf mit Buchstaben. Hat 2017 einen Krimi verbro­chen (haha, Wortwitz!). 2018 Shortlist Wiener Werkstatt­preis, Sonderpreis für junge Autorinnen und Autoren. Veröffentlicht im Herbst einen Beitrag in der Antholo­gie „Smart Lies – Alles smart“. Schreibt an einem neuen Roman und isst gerne Käse.

Der Strich wurde immer breiter, zu einem mannshohen Rechteck, das ganze Gebäude hat ge­wackelt, und mit einem Knall war das Poster verschwunden und vor mir stand der Meyer, den Rücken zu mir ge­dreht, und hat in den Weltraum geschaut mit der schwarzen Kälte und mit all seinen bunten Sternen, zum Greifen nah, da, wo gerade eben noch eine abgenudelte Einbauküche gestanden hatte. Er hat sich noch umgedreht und mich angelächelt, dann hat er einen Schritt nach vorne gemacht, rein, direkt zwischen die Sterne.

Stefan Adrian: „gybym!“

Stefan Adrian wuchs im burgenländischen Seewinkel auf, in Sichtweite des geologisch tiefst gemessenen Punkts Österreichs. Nach der Matura schloss er einige Studien in Wien nicht ab und zog kurz nach dem Millen­nium nach Berlin. Dort lebt er seither als freier Autor, u.a. erfolgte 2014 die Veröffentlichung des E-Book-Romans „Bluffen“.

"Ich erinnere mich, wie mich diese Entdeckung überrumpelt hatte: Das Meiste, was wir am Himmel sehen, existiert nicht mehr, hat seinen Ursprung verloren, und bei vielen Menschen ist es im Grunde nicht anders: Sie sind sichtbar, aber sie existieren nicht mehr, erloschene Sterne, die bloß noch den Schein wahren.

Wortlaut 2018 - "Sterne"  - Buchcoverausschnitt

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the winner is ...

Die großen Zehn stellen wir bis zum 28. September auch on-air vor. Die ersten drei jeweils in einer Stunde Homebase Spezial.

Platz 3 - Montag, 24. September
Platz 2 - Mittwoch, 26. September
Platz 1 - Donnerstag, 27. September.

Am Freitag, 28. September, wird das Wortlautbuch im phil in Wien präsentiert, die drei Besten lesen und die Preise werden überreicht:

Beginn ist um 20 Uhr - der Eintritt ist frei.
Und danach wird gefeiert!

Die Preise

Platz 1: Euro 1.000
Platz 2: Euro 750
Platz 3: Euro 500

Julius Meinl

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Alle drei Preisgelder werden von Julius Meinl zur Verfügung gestellt.

Außerdem für die zehn besten Texte

Aktuell:

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