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Metric sind zurück!

Metric aus Kanada veröffentlichen ihr siebtes Album und zeigen mit „Art Of Doubt“, dass ihr Indie-Rock noch immer etwas kann.

Von Eva Umbauer

Metric verbrachten diesen Sommer auf Tour im Vorprogramm der Smashing Pumpkins durch die USA ziehend. Billy Corgan, der Pumpkins-Mastermind, hatte Emily Haines, James Shaw, Josh Winstead und Joules Scott-Key selbst gefragt, ob sie Zeit hätten. Danach spielten Metric dann noch zwei Headliner-Konzerte, und gleich im Anschluss setzte sich Emily Haines in Vancouver in ein Flugzeug, um nach Berlin zu fliegen und dort zum neuen Metric-Album Rede und Antwort zu stehen.

„Normally bands do smaller shows to practice new songs, but for us this time we practised in front of thousands of people“, erzählt Emily Haines in FM4-Interview. Das Touren strengt sie nach all den Jahren - Metric gibt es seit Ende der 90er Jahre und die Band veröffentlichte ihr erstes Album vor 15 Jahren - auch weiterhin nicht an. Ganz im Gegenteil: die in Indien geborene Musikerin mit kanadisch-amerikanischer Doppelstaatsbürgerschaft ist fit wie ein Turnschuh.

Noch immer Freude am Touren

Wenn Metric nicht gerade Konzerte spielen oder im Studio sind, tendiert Emily Haines gern dazu zuhause am Sofa herumzuhängen und Serien zu schauen. Und das, so meint sie jedenfalls im Interview, sei viel schlechter für ihren Körper und Geist als eine intensive Tour.

Nach dem letzten Solo-Album von Emily Haines, dem wunderschönen „Choir Of Mind“, das letztes Jahr erschienen ist, war es wieder Zeit für neue Musik mit Metric. Es war Zeit für Pop/Rock-Kracher, die für das Stadion gebaut sind, für augenzwinkernden Bubble-Pop, aber auch für atmosphärische, melancholische Songs mit sehr persönlichen Texten.

Im Song „Holding Out“ etwa singt Emily Haines: „Holding out for the right time, what if the right time never arrives?“ Weiters heißt es in diesem Stück vom neuen Metric-Album: „Always waiting on the sidelines, when is it my time to be the one?“ Ein Song, in dem es darum geht, dass das Leben ganz schnell an einem vorbeiziehen kann. Emily Haines sagt im FM4-Interview Folgendes dazu:

„It´s about the idea of finding a way to get into the moment and into the present. You have to put yourself into the world and get going and participate instead of holding out for who knows what.“

Kraft und Überwindung

Dass das Überwindung und Kraft kosten kann, weiß Emily Haines, und überhaupt, dass alles nicht so einfach ist. Im Song „Seven Rules“ etwa geht es darum, dass es schwer ist, seine Ideale hochzuhalten, weiter an Träume zu glauben, Dass es im Leben viele Widersprüche gibt und man letztlich so vieles nicht beeinflussen kann.

Metric können etwa nicht beeinflussen, wer die Konzerthalle sponsert, in der sie spielen, oder das Festival, bei dem die Band auftritt - eine Bank oder ein Großkonzern? Aber ihre Mutter ist ein Vorbild, wenn es um das Nicht-Aufgeben geht. Mrs Haines, so erzählt Emily Haines, ist eine „Zornige Oma“.

„My mother is a ‚Raging Granny‘, which is an organisation of social activists. I think, when people really make it to old age that´s when they get super brave again.“

Die Familie, in der Emily Haines aufwuchs, trug viel dazu bei, dass sie Künstlerin werden konnte. Ihre Mutter gründete eine Schule in Indien, deshalb wurde Emily in Neu Delhi geboren, und ihr Vater war der kanadische Lyriker und Filmemacher Paul Haines, der viel mit Jazz-MusikerInnen zusammenarbeitete.

Künstlerische Familie

Als Emily und ihre beiden Geschwister noch Jugendliche waren, stellte ihr Vater oft Musikkassetten für sie zusammen. So entdeckte Emily Haines etwa den experimentellen Jazz der amerikanischen Musikerin Carla Bley oder den Briten Robert Wyatt. Paul Haines verstarb vor fünfzehn Jahren mit 70, genau an dem Tag als Metric ihr Debütalbum fertig aufgenommen hatten.

„His legacy as a writer definitely lives on with me. I have a different writing style than him, but I often make little references to things that my family will recognise and that are communicational with him. Sometimes I feel like my writing is a conversation with him. I had the good fortune to grow up with someone who taught me to honour language and respect music.“

Die Sopranstimme von Emily Haines ist nach wie vor intakt, auch wenn sie gelegentlich bei manchen Songs absichtlich kreischt wie eine Metal-Sängerin, etwa bei „Art Of Doubt“, dem Titelsong des neuen Metric-Albums.

Überhaupt hat die Gitarre einen tollen Drive auf dieser neuen Platte der Band, was Metric gelegentlich einen charmanten Heavy-Rock Touch gibt. Gitarre und Synthesizer mögen einander aber weiterhin gern bei Metric, auch wenn die Synths am letzten Album, „Pagan In Vegas“, dominanter waren. Von Anfang an mit dabei waren sie jedenfalls immer. Das war damals etwas ungewöhnlich, wie sich Emily Haines erinnert:

„It was a big topic being in New York City in 2001, playing our first shows being contemporaries with the Strokes, the Yeah Yeah Yeahs, and White Stripes. There was this gagage rock thing and that definitely was our sound, but the difference was that I was playing a ‚Sequential Circuits Pro One‘ synthesizer, and people were appalled that there would be a synthesizer in the band. It was like a big topic at the time. I find it quite funny now.“

Manchmal dreht Emily Haines ihr Radio auf, hört Musik und denkt sich: „Ah, da hat jemand ein wenig Metric gehört!“ Die Band ist also mittlerweile selbst eine Einflussquelle auf nachfolgende Künstler und Künstlerinnen.

Justin Meldal-Johnsen

Die Produktion für das neue Metric-Album übernahm diesmal nicht Gitarrist James „Jimmy“ Shaw, sondern die Band holte von außen jemanden in ihr Tonstudio in Toronto: den US-Musiker und Producer Justin Meldal-Johnsen, der viel Bühnen- und Studioerfahrung hat und etwa schon mit Goldfrapp, Garbage oder der französischen Band M83 im Studio war.

James „Jimmy“ Shaw über diese Zusammenarbeit:

„Justin was just what we needed in a producer for this album. He really saw every band member eye to eye and was able to capture what we each do best. It was something I realized I couldn’t do at this stage, having been in the band for so long. We were finally able to focus on just playing again, as we did at the start. Making this album brought us together in a way we hadn’t been for quite some time and I think you can hear it in the music.“

„Art Of Doubt“ von Metric erscheint am 21.9.2018 beim bandeigenen Plattenlabel Metric Music International.

Emily Haines und James „Jimmy“ Shaw sind auch Gründungsmitglieder der kanadischen Band Broken Social Scene.

Am 4. November spielen Metric dann live im WUK in Wien.

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