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Waves Vienna Festival

Alexander Galler

Es ist Halbzeit

Tag zwei beim Waves Vienna und man möchte sich so voll und ganz dem Showcase Spirit hingeben.


Von Dalia Ahmed

Nach einem soundtechnisch teils holprigen aber doch sehr motivierten ersten Tag, startete der Mittlere Waves Tag im und ums Wiener WUK herum. Zum Wochenendstart tummelten sich nun viel mehr Leute neben den Delegates und Journalist/innen in den Höfen des backsteinroten Werkstätten- und Kulturhauses. Schon am frühen Freitagabend ging es heiß her und später in der Nacht würde es dann beispielsweise im WUK Foyer oder bei der Deezer Stage so voll sein, dass selbst das-aus-dem-Publikum-Rausgehen nur mit wiederholten „Sorry, darf ich mich da durchquetschen“-Bitten, ganz viel Körperkontakt und auf-Füße-Steigen funktioniert hat.

Waves Vienna Festival

Alexander Galler

Weil das Waves als Buffet voller unbekannter Leckereien verstanden werden kann, lasse ich mich am Freitag einfach auf das in-den-Wellen-des-Festivals-Treiben ein. Ich probiere mich durch die vielen Stages und, wannimmer es nicht schmeckt, lasse ich das Angebissene einfach am Teller und gehe in die nächste Überraschung. So stolpere ich beispielsweise bei Noah Kwaku raus, der im intimen Setting des Festsaals einer Schule seinen poppigen Jazz vor 30 Menschen wiedergibt, die mit ihm den Pakt eingegangen sind, nach jedem Lied einen Schritt weiter vor zur Bühne zu kommen und lande vor der Open Air Stage, wo das Duo Blind Butcher rauen Rock in den unterschiedlichsten Ausformungen zum Besten gibt. Da werden verzerrte, psychedelische, noisy, surfige, Balkan und sogar sprachlich österreichische Exkursionen von den beiden Schweizern unternommen. Dazu trägt der Sänger der Blind Butchers einen - den Country Stars nachempfundenen - Nudie Suit-Verschnitt.

Waves Vienna

Alexander Galler

Nach der vollen Beballerung von Auge und Ohr kam der Comedown in Form von Ten Tonnes. George Ezras kleiner Bruder rückte mit dem britpoppigsten Britpop Sound, der jemals gebritpoppt hat, an und spielte solide, aber schnarchfad ein Set, das auch in den 2000ern nichts Besonderes gewesen wäre. Aber beim Waves ist man ja nicht auf eine einzelne Stage angewiesen.

Waves Vienna

Alexander Galler

So konnte ich einfach, an den im WUK Foyer soundcheckenden Pressyes vorbei, zurück in den Festsaal vor die Ottakringer Bühne, wo die Belgierin WWWater gerade angefangen hatte und den besten Auftritt des Abends absolvieren sollte. WWWaters Pressetext und ersten vier Veröffentlichungen versprachen eigentlich eine zerebrale Auseinandersetzung und Analyse des Pops mit Minimal zarten und zögerlichen Sounds. Doch was wir geliefert bekamen, entsprach eher, der fünften und frischesten WWWater Single „Screen“. Lauter, rougher Elektropop mit teils west-afrikanischen Rhythmen von Soulwax-Drummer Steve Slingeneyer und einem röhrenden, die Seele nährenden Synth-Sound. Dazu singt WWWater (die auch selbst schon bei Soulwax gesungen hat) mal Klaus Nomi-esque ganz hoch und verspielt, um dann aber auch tief und eindringlich Hooks in den Festsaal zu brüllen. Während man da zu den so dichten Dance Sounds tanzt, und fast meinen möchte Trip Hop Anflüge rauszuhören, schießen Assoziationen zu Ebony Bones und Santigold in den Kopf. Doch WWWater gibt uns eh nicht viel Zeit zum gedanklich abschweifen. Der ganze Saal ist in ihrem Bann. Sogar der Security ist so motiviert, dass er tanzend das Publikum immer dichter an die Bühne heranwinkt. Und als schließlich WWWater von der Stage springt und einen Micro-Moshpit startet, ist der Schmelzpunkt erreicht. Danach verlassen alle begeistert, verschwitzt und eigentlich schon auftritts-gesättigt den Schulballromantik versprühenden Festsaal.

Danach schnuppert man noch beim klassisch souly Pop-Artist Zak Abel, den Oberösterreichischen Indie Jungs Like Elephants und den Elektro-Experimentierern Holy Nothing - nicht zu verwechseln mit Holy Now, die fast zeitgleich ihren dreamy Indie Pop im WUK Beisl zum Besten geben - rein.

Catastrophe & Cure beim Waves Vienna

Niko Ostermann

Anschließend stehen Catastrophe & Cure im gesteckt vollen WUK Foyer auf der Bühne und spielen ein verträumtes und doch sehr straight foward Set, das das Publikum zum im-Einklang-Wippen und Kopfnicken bringt.

Reizüberflutet und glücklich lässt man dann den den Abend entspannt in den Höfen des WUKs ausklingen, anstatt beim Dena Auftritt von der letzten Reihe aus die Hinterköpfe des Publikums zu bewundern.

Alles in allem ein sehr gelungener zweiter Waves Vienna Festivaltag. Mit einer Mischung aus Genres und Acts, die für sehr viele was zu bieten hat und doch nicht beliebig daher kommt. Auch am Freitag gab es einen Rock-Fokus, aber die Momente, in denen das Lineup richtig gefunkelt hat, waren die, wo sich in andere Gefilde gewagt wurde und sei es auch nur das Erspüren der unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen der Gitarren- und elektronischen Musik.

Waves Vienna Festival

Alexander Galler

Heute, Samstag, geht es am letzten Festivaltag weiter mit: Theodor Shitstorm, Dives, Kids N Cats, Ilgen Nur, Culk, Sir Tralala, Schönheitsfehler, Neneh Cherry und vielen mehr.

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