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Fotos und Blumen zum Gedenken an die ermordete Journalistin

APA/AFP/Dimitar Dilkoff

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Der Fall Viktoria Marinova

In der bulgarischen Donaustadt Russe wurde der tote Körper einer jungen Journalistin gefunden. Es wird gemunkelt, dass die Mafia damit zu tun hat. Wegen Mordverdacht verhaftet wurde aber ein Mann in Deutschland.

Von Todor Ovtcharov

Vor einigen Tagen wurde die bulgarische Donaustadt Russe von einem schrecklichen Ereigniss erschüttet: Im Gebüsch beim Fluss wurde der tote Körper einer jungen Frau gefunden. Sie wurde am Vormittag angegriffen während sie Joggen war. Danach wurde sie brutal vergewaltigt, geschlagen und erstickt. Sie hinterlässt ein siebenjähriges Kind. Die Frau heißt Viktoria Marinova und ist Journalistin und Moderatorin in einem lokalen Fernsehsender.

Dass eine Journalistin ermordet wurde, machte das zu einer Weltnachricht. Über den Mord berichteten France Press, BBC, Al Jazeera, ORF. Praktisch alle Weltmedien. Man reihte den Mord zusammen mit den Morden an Journalisten in der Slowakei und in Malta. Man zog sogar Parallelen mit dem Datum des Mordes an Anna Politkowskaja in Russland vor Jahren.

Fotos und Blumen zum Gedenken an die ermordete Journalistin

APA/AFP/Dimitar Dilkoff

Die natürliche Empörung, dass eine junge Frau so brutal ermordet wurde, wurde von politischen Kommentare abgelöst. Man sprach immer zuerst davon, dass die Dame eine Journalistin war und dass sie durch ihre Arbeit gegen irgendwelche politischen und finanziellen Interessen gestanden ist. Man sprach davon, dass Marinova gleich vor ihrem Mord eine Sendung moderiert hatte, wo Kollegen von ihr eingeladen wurden, die über Korruption in einer großen Straßenbaufirma geforscht hatten. Alle verbanden den Mord mit diesem Bericht.

Auf der ganzen Welt sprach man davon, dass die Mafia, die die Verteilung von EU Geldern kontrolliert, hinter dem Mord steckt. In der bulgarischen Gesellschaft verbindet man den Staat immer mit Korruption. Der Mord an einer Journalistin, die dagegen kämpft, ist ein Schalg gegen die freie Presse und den politischen Pluralismus. Ein weiterer Sieg für die Mafia.

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Viele Politiker in Bulgarien versuchten Dividenten aus der Tragödie zu schlagen. Das negative Image Bulgariens schien weltweit bestätigt zu sein. Währenddessen versuchten die Kollegen von Marinova aus den lokalen Medien in Russe die Gessellschaft ein bisschen zu beruhigen. Sie erzählten, dass sie nie eine Aufdeckungsjournalistin gewesen ist und sich eher für soziale und Beauty Themen interessierte. Die Reportage über die korrupte Straßenbaufirma hat eigentlich ein anderer gemacht. Doch diese Stimmen sind im allgemeinen Chor über einen politisch motivierten Mord versunken.

Mittlerweile hat die Polizei in Deutschland einen Mann, der für den Mord verdächtigt wird, verhaftet. In seinem Haus wurden Marinovas Mobiltelefon und ihre Autoschlüssel gefunden. Seine Motive sollen sexuell gewesen sein.

Das Finden vom potenziellen Mörder beruhigt die Gesellschaft gar nicht. Viele glauben weiter, dass hinter dem Mord die Mafia steht und dass der Mörder nur zum Schein da ist. Die Gesellschaft ist krank vor Paranoia. Und Journalisten sollen versuchen diese Paranoia mit der Wahrheit zu heilen.

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