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Viennale

Priester, Tennis, Horror-Tanz: Tipps für die Viennale!

Ryan Gosling und M.I.A., Neo Noir unter Palmen, John McEnroe und Filmtheorie. Das sind die die Filme, auf die sich die FM4 Filmredaktion besonders freut.

Von Pia Reiser

Er war zwar selbst noch nie da und doch ist Ryan Gosling so etwas wie ein alter Leinwandbekannter der Viennale. „Half Nelson“, „Blue Valentine“, „Drive“, „The Ides of March“ und „La la Land“ waren Filme des Goslingers, die das Filmfestival in den letzten Jahren im Programm hatte. Dieses Jahr fliegt er im Rahmen der Viennale in „First Man“ als Neil Armstrong zum Mond. Gemeinsam mit „Suspiria“ ist „First Man“ wohl der publikumswirksamste, größte Film im Programm. Wer für diese Filme keine Karten mehr bekommt, ruhig durchatmen: „First Man“ startet bereits am 8. November und „Suspiria“ am 15. November regulär in den österreichischen Kinos.

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Viennale

Rocketman Ryan Gosling in „First Man“

Die Retrospektive des Filmmuseums widmet sich Hollywoods B-Movies und zeigt, dass das nicht gleichzusetzen ist mit unfreiwillig komischen Trash-Produktionen. Eröffnet wird die Viennale mit „Glücklich wie Lazzaro“ der italienischen Regisseurin Alice Rohrwacher, die auch Gast der Viennale sein wird, und so werden am Eröffnungsabend zum ersten Mal drei Frauen auf der Bühne des Gartenbaukinos stehen: Die neue Festival-Direktorin Eva Sangiorgi, Regisseurin Alice Rohrwacher und Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler.

FM4 berichtet von der Viennale: Am 31.10. gibt es die Viennale-Homebase-Spezial und wir freuen uns auf „FM4 meets Viennale“ - wir präsentieren euch „Matangi / Maya / M.I.A.“, die Dokumentation über M.I.A. Außerdem gibt es den FM4 Club am 27.10. mit The Lytics & MP The Kid live.

Petra Erdmann freut sich auf...

„Vox Lux“ ist ein melancholisches Porträt der Millennials, einer Jugend, die mit 9/11 und Columbine aufgewachsen ist und die letzten 20 Jahre aus den eigenen Albträumen nicht mehr rausgekommen ist. In dem Musical-Drama performt Natalie Portman mit bitchigem Unterton einen zynischen Popstar, der in seiner Jugend ein Highschool-Massaker überlebt hat. „Vox Lux“ ist vieles, nur keine pop-pessimistische Kitsch-Orgie. Es ist ein sogartiges, kluges und spaßiges Krisenexperiment im Kino und der zweite ungewöhnliche Spielfilm des Regisseurs und Schauspielers Brady Corbet (man kennt ihn aus Hanekes US-Remake von „Funny Games“).

Filmstill "Vox Lux"

Lol Crawley

Vox Lux

In der entrückten Historienkomödie „The Favourite“ von Giorgos Lanthimos buhlen Emma Stone und Rachel Weisz um die Gunst einer depressiven lesbischen Königin (Olivia Colman, fantastisch!). Die sexuell aufgeladenen Machtkämpfe dreier Frauen am Königinnenhof im England des 18. Jahrhunderts verkehren sich in eine moderne Screwball-Komödie. Zwischen aufgeheizten Enten-Rennen und queeren Perücken-Architekturen rivalisieren komplexe und komplizierte Frauenfiguren miteinander. Ein Geniestreich!

Blutig verrenkte Mädchenkörper in geheimen Räumen verwandeln einander durch den Tanz in ekstatische Untote. So ungemütlich es Tilda Swinton und Dakota Fanning auch haben, auf Schock ist Regisseur Luca Guadagnino wenig aus. Seine exzentrischen Hexen sind vielmehr die Ausgeburt eines ästhetischen Realismus, der das Genre-Original von Dario Argento lässig durchkreuzt. „Suspiria“ ist eine Hommage an das deutsche 70er-Jahre–Kino, ein Wiedergänger des radikalen Rainer Werner Fassbinder und seiner großen Film-Diven Angela Winkler und Ingrid Caven.

"Suspiria" Remake Filmstill

Alessio Bolzoni / Amazon Studios

Suspiria

Roberto Minervini! Noch nie gehört? Na dann ab ins Viennale Special, das dem in den USA lebenden italienischen Regisseur gewidmet ist. Sein neuester Dokumentarfilm „What You Gonna Do When the World’s on Fire?“ ist unglaublich stilsicher und fast schon schlafwandlerisch inszeniert. Minervini hat die „New Black Panther Party“ durch die ärmsten der Black Communities im Süden begleitet. Stolze afroamerikanische Protagonisten treten in ihrem schwierigen Alltag gegen die weiße Polizeigewalt, Rassismus und die Gentrifizierung ihrer Wohngegenden an. Ein bildgewaltiger Protest!

Christian Fuchs freut sich auf...

Ein Priester sieht rot
Im Schaffen des Autors und Regisseurs Paul Schrader finden sich sowohl glühende Meisterwerke als auch künstlerische Abstürze. Dabei kreisen die besten Arbeiten des mittlerweile 72-jährigen Amerikaners stets um solitäre Figuren am Rande der Gesellschaft. Man könnte auch sagen: Weiße Männer, die den Bezug zur Welt verloren haben. „First Reformed“, Schraders bester Film seit Ewigkeiten, knüpft in diesem Sinn an seine Regie-Großtaten „Light Sleeper“, „Affliction“ und sein legendäres Drehbuch für „Taxi Driver“ an. Ethan Hawke spielt beklemmend einen Priester, der von der Klimakatastrophe (alb-)träumt und in eine tiefe Glaubenskrise schlittert. Ein fesselnder, ungemein düsterer Film mit einem langsamen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Erschütterungskino.

Fifty Shades of Green
Noch so eine Geschichte über einen weißen Wirrkopf, der sich von seiner Umwelt radikal abwendet. Oder liegt der von Ben Foster eindringlich dargestellte Kriegsveteran Will gar richtig, wenn er sich vom Gegenwartschaos in ein Naturschutzgebiet zurückzieht? Debra Granik, der wir den tollen Film „Winter’s Bone“ mit Jennifer Lawrence verdanken, nimmt die Ängste ihres Protagonisten in ihrer neuen Regiearbeit jedenfalls sehr ernst. Genauso wie die zwiespältigen Gefühle von Wills Tochter Tom (Thomasin McKenzie), die mit ihrem Vater zusammen von Park-Rangern aufgegriffen wird. „Leave No Trace“ verpackt Ökoparanoia und zwingende Umweltthemen in eine fesselnde, berührende Außenseiterballade.

Szenenbild aus "Leave no trace"

Viennale

Leave no Trace

Mysteriöse Morde unter Palmen
Die Vorfreude auf diesen angeblich ungemein traumwandlerischen NeoNoir-Streifen beginnt schon mit dem Namen des Regisseurs. David Robert Mitchell hat mit dem extrem superen Indieschocker „It Follows“ vor ein paar Jahren einen der originellsten Horrorfilme dieser Dekade gedreht. Jetzt taucht er mit „Under the Silver Lake“ in die Schattenwelt von Los Angeles ein, wo Verbrechen und Verschwörungen unter einer glamourösen Oberfläche lauern. Andrew Garfield, endlich mal nicht in einer Leidensrolle, gibt den Hipster-Hobbydetektiv in der Stadt der Engel, die umwerfende Riley Keough fasziniert als Femme Fatale abseits üblicher Stereotypen. Wer so L.A.-narrisch und Noir-verliebt ist wie der Schreiber dieser Zeilen zählt die Tage bis zur Viennale-Premiere.

Anna Katharina Laggner freut sich auf...

„Kinshasa Makombo"
Im Dezember sollen nun wirklich Wahlen stattfinden in der Demokratischen Republik Kongo. Jene Neuwahlen, die Präsident Kabila seit fast zwei Jahren verschiebt. Die damit einhergehenden Proteste und niedergeschlagenen Unruhen gegen einen, der drauf und dran ist, den Putin zu machen und einen Strohmann zu installieren, hat der gut 30-jährige Dieudo Hamadi in seiner Heimatstadt Kinshasa – vormals „Kin - la Belle“, heute eine der größten, lautesten, dreckigsten Städte des Kontinents – dokumentiert.

"Meeting Gorbachev"
Ein Treffen der Giganten: der eine Erfinder von Glasnost und Perestroika, der andere hat es mit Klaus Kinski und allen Insekten des peruanischen Dschungels aufgenommen und bezeichnete eine Revolverkugel, die ihn traf, als "not significant“. Werner Herzog und Michail Gorbatschow - allein der Gedanke daran ganz großes Kino.

Szenenbild "meeting gorbechev"

viennale

Meeting Gorbachev

Pia Reiser, das wäre dann ich, freut sich auf...

Ich hab’s hier schon im Filmflimmern gesagt: „L’Empire de la Perfection“ ist mein potentieller Viennale-Lieblingsfilm. Ein filmischer Essay, der 16mm-Aufnahmen von John McEnroe aus dem Jahr 1984 am Tennisplatz zum Ausgangspunkt eines Sportlerporträts nimmt und durch die Linse der Filmtheorie einen Blick auf Sport wirft. Die Narration hat Mathieu Amalric übernommen, shut up and take my money!!.

Szenenbild aus Gun Crazy

Filmmuseum

„Gun Crazy“

Ansonsten werde ich so viel Zeit wie möglich im Filmmuseum bei „The B-Film“ verbringen, come hell or high water aber ich werde mir auch „Gun Crazy“, „It Happened In Hollywood“ und „The Face Behind The Mask" endlich mal auf großer Leinwand ansehen“.

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