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T-Ser und Crew im FM4 Studio

Radio FM4 / Jan Hestmann

Racial Profiling in Wiener Parks?

Der Wiener Rapper T-Ser und seine Kollegen vom Label Akashic Records erheben derzeit Vorwürfe des „Racial Profiling“ gegen die Wiener Polizei. Die Polizei bestreitet das. Im Interview mit Stefan Trischler erklären T-Ser, Sidney und Meydo ihre Sicht der Dinge und reagieren auch auf die Sichtweise der Polizei.

Von Stefan „Trishes“ Trischler

Der Wiener Rapper T-Ser und seine Kollegen vom Label Akashic Records wurden Sonntag Nachmittag während eines Arbeitstreffens in einem Park im siebten Bezirk in Wien zuerst kontrolliert und schließlich unsanft aus dem Park gezerrt. Für die Musiker hat das eindeutig mit ihrer dunklen Hautfarbe zu tun, weil außer ihnen niemand kontrolliert wurde. Die Polizei bestreitet den Vorwurf des Racial Profilings, will die Vorwürfe aber untersuchen. Wir haben T-Ser und seine Kollegen zum Interview ins Studio eingeladen.

Stefan Trischler: Ihr habt euch am Sonntag im Park getroffen, das Wetter war schön, ihr habt Arbeitssachen besprochen, was auch immer – was ist dann passiert?

T-Ser: Wir waren eben wegen unserem Labelmeeting im Park in der Kaiserstraße und nach circa 20 Minuten sind zwei Polizisten die Straße hochspaziert und in den Park, schnurstracks auf uns zu und haben uns nach unseren Personalausweisen gefragt, woraufhin wir erst einmal gefragt haben, warum wir kontrolliert werden oder welcher Straftat wir verdächtigt werden. Sie meinten, dass wir verdächtig aussehen. Auf weitere Nachfrage meinten sie, dass wir verdächtig aussehen, weil wir in einem Pavillon sitzen, der uneinsichtbar ist. Wir haben ihnen dann auch gesagt, dass wir uns als österreichische Staatsbürger nicht ausweisen können müssen und haben ihnen dann von Anfang an gesagt, dass es ziemlich offensichtlich ist, dass sie uns kontrollieren, weil wir schwarz sind, weil es waren unzählige andere Menschen im Park und keiner von denen hat sie auch nur annähernd interessiert…

Sidney: Die haben keinen anderen angeschaut.

T-Ser: … und wir haben ihnen aber unsere Personalien gegeben, die anderen haben ihnen ihre Ausweise gegeben. Sie haben unsere Personalien kontrolliert. Sie konnten uns nichts vorwerfen und wir haben sie gefragt, ob die Amtshandlung jetzt vorbei sei. „Ja, es ist vorbei“. Dann haben wir sie aufgefordert, dass sie uns bitte wieder in Ruhe lassen würden, weil wir weiterarbeiten wollen. Die zwei Beamten haben sich geweigert zu gehen und sind einfach an diesem Tisch, an dem wir gerade gearbeitet haben, stehengeblieben…

Sidney: Haben gemeint, sie können machen, was sie wollen

T-Ser: …und sind eine knappe halbe Stunde bei uns stehengeblieben, bis ein paar von unseren Jungs dann schon gemeint haben, es wird ihnen zu blöd, sie würden jetzt gehen und sind aus dem Park rausgegangen. Die Polizei hat uns dann rausverfolgt aus dem Park. Draußen habe ich dann zu meinen Freunden gesagt, dass ich es nicht einsehe, dass ich mich von irgendwelchen Beamten da rausdrängen lasse. Wir sind dann zurückgegangen in den Park, um uns dort wieder hinzusetzen und die Polizei hat uns wieder verfolgt, eigentlich nur, um uns wieder zu belästigen. Sie sind hinter uns gestanden, ich hab sie mehrmals aufgefordert, uns bitte in Ruhe zu lassen; dass es unangenehm sei, wenn jemand mit einer Waffe hinter einem steht; Dann sind die Polizisten nochmal zum Ausgang vom Park gegangen und sind dann mit 10/11 Mann Verstärkung, die alle mit Blaulicht und Sirene angerückt sind, zurückgekommen…

Sidney: … um noch was dazuzusagen. Wir haben ihnen ein „Schämt Euch!“ nachgerufen, was mittlerweile ein „Fickt Euch!“ in den Medien geworden ist….

T-Ser: Wir haben keinen der Polizisten Nazi genannt oder was auch immer. Ich habe ihnen klar und deutlich gesagt, dass sie sich für ihr Verhalten schämen sollen, weil sie Steuergelder von jedem einzelnen von uns verschwenden, wenn sie uns belästigen und sinnlos im Park herumstehen. Dann sind die weiteren Beamten reingekommen in den Park und wollten nochmals unsere Personalien. Während die einen Beamten aber nach unseren Ausweisen fragen sagen die anderen wir stören die Anlage und sind des Platzes verwiesen. Und bevor wir irgendwas sagen können, haben sie angefangen uns anzugreifen und uns herumzuschubsen, herumzureißen an unseren Klamotten etc; haben uns dann aus diesem Park hinausgeschubst/gezerrt; Auf unsere Ansage drauf, dass sie uns loslassen und nicht angreifen sollen, sind sie eigentlich nur noch handgreiflicher geworden. Der eine Polizist meinte die ganze Zeit zu mir „Nu amoi und du gehst in Häfn!“. Ich habe ihn gefragt „Noch einmal was?“, und sie meinten dann die ganze Zeit wir wären aggressiv, wobei das einzige aggressive Verhalten von der Polizei kam.

Sidney: Wo die Polizisten mit der Verstärkung gekommen sind, wollte ich fragen, was da eigentlich los ist. Ich habe mich gar nicht ausgekannt, warum da 10 Polizisten kommen, nur für uns, weil wir da gesessen sind. Und der Polizist, der die ganze Zeit schon da war, aber nichts gesagt hat, als er zu zweit mit seiner Kollegin war - der sich nichts getraut hat – ist auf einmal handgreiflich geworden und hat mich angegriffen. Ich hab dann gesagt „Okay, ich kann schon aus dem Park rausgehen, aber bitte greifen Sie mich nicht an!“ Daraufhin hat er mich noch fester angegriffen, hat mich am Nacken gepackt und hat mir ins Ohr geflüstert: „Hoit de Goschn! Hoit de Goschn!“, was ich eh schon mehr als krank empfunden habe. Und dann ist es so eskaliert, wie man auf dem Video sieht.

Stefan Trischler: Wir haben mit dem Polizeisprecher telefoniert, um ihre Sicht zu hören. Polizeisprecher Patrick Maierhofer von der Landespolizeidirektion Wien hat uns Folgendes gesagt: „Das Video zeigt natürlich nicht die gesamte Amtshandlung; Die Begrüßung war schon recht freundlich, die die Polizisten hier bekommen haben. Da ist es gleich mit einem ‚Lasst uns in Ruhe‘ und ‚Das ist wie im Zweiten Weltkrieg!‘ und ‚Ihr Polizisten seid Nazis!‘ losgegangen. Das ist am Video natürlich nicht ersichtlich. Aber auch diesen Teil der Amtshandlung hat es davor gegeben. Das Ganze ist dann auch soweit gegangen – das sieht man auch nicht am Video – dass es hier wirklich ein aggressives Verhalten gegeben hat. Ein bis zwei der jungen Männer sind auf die Polizisten aktiv zugegangen und haben auch vor dem Gesicht der Beamten herumgefuchtelt. Daraus resultierte auch die Anzeige wegen dem aggressiven Verhalten."

T-Ser: Wow, man merkt einfach, dass die Polizei sehr eingeschnappt ist, wenn sie Bürgern gegenüber tritt, die ihre Rechte kennen und sich trauen, den Mund aufzumachen. Das ist das einzige Problem. Ich habe schon andere Probleme mit der Polizei gehabt und ich sag meine Meinung. Ich bin der Meinung, dass ich meine Rechte hab und nur weil jemand eine Uniform trägt heißt das nicht, dass ich meinen Mund zu halten und keine Rechte mehr habe. Aber sobald man eigentlich einfach nur schlau argumentiert, dann fühlen sich die Polizisten angegriffen, schreiben in ihre Anzeigen was sie wollen und versuchen einen zu erniedrigen.

Sidney: Von dem, was der Polizeisprecher gesagt hat, stimmt nichts, nicht mal ein bisschen. Wir haben sie nicht beleidigt, wir haben sie nicht Nazis genannt, nicht „Fickt Euch!“ gesagt. Das einzige, das wir gesagt haben war „Schämt Euch!“, und zu dem stehen wir auch.

Stefan Trischler: Letztlich geht es ja nicht nur darum, was an dem Nachmittag passiert ist, sondern, dass das immer wieder passiert. Es ist ja für euch alle sicher nicht das erste Mal, dass ihr solch eine Erfahrung macht?

T-Ser: Unsere Reaktion auf die Polizeikontrolle war in erster Linie auch davon beeinflusst, dass es nicht die erste Polizeikontrolle ist, sondern jedes Mal, wenn wir versuchen, ein Video zu drehen, jedes Mal wenn wir im Endeffekt als Gruppe in der Öffentlichkeit zusammenkommen, kommt immer wieder die Polizei und versucht uns abzufucken. Im Endeffekt kennt das jeder von uns von Kindheit an, schon von den Eltern, von denen jeder schon irgendwann mal ohne Grund verhaftet wurde, verprügelt wurde, whatever! So geht’s einfach schon seit Jahrzehnten dahin und es ist Alltag für viele Leute – und das ist es, was die Öffentlichkeit nicht sieht.

Das ganze Interview zum Anhören

T-Ser, Sidney & Meydo über ihr Aufeinandertreffen mit der Wiener Polizei

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