FM4-Logo

jetzt live:

Aktueller Musiktitel:

Ahoi Pop 2018 Flyer

Posthof / Ahoi Pop

festivalradio

Noch immer ein Hafen

Zum achten Mal fand über die letzten drei Tage das von Abwechslung geprägte Ahoi! Pop Festival in Linz statt, mit etwa Cosmo Sheldrake, Drangsal, Steaming Satellites.

Von Christoph Sepin

Wie passend, der Nebel, denkt man sich an diesem Samstag, dem finalen Tag des diesjährigen Ahoi! Pop Festivals in Linz. Denn der Nebel gehört irgendwie dazu zu diesem eigensinnigen, spätherbstlichen Festival. Wenn draußen graue Wände dominieren, dann wirkt der Posthof noch viel einladender, wie eine kleine, von der Außenwelt unabhängige Blase, in die sich musikinteressierte Besucher und Besucherinnen zurückziehen können.

Als anspruchsvolle Unterhaltungsmusik könnte man das beschreiben, was man sich jedes Jahr am Ahoi! Pop anschauen und anhören kann. Dieses Jahr zählten dazu Bands wie Akua Naru, Mono & Nikitaman, Die Nerven, Cari Cari und dann am letzten Abend Cosmo Sheldrake, Drangsal und die Steaming Satellites.

Ob Besucher und Besucherinnen spezifisch für eine dieser Bands zum Abschlusssamstag gekommen sind, lässt sich schwer beantworten. Es herrscht eine entspannte, neugierige Atmosphäre im Foyer des Posthofs, wie vor einer Theatervorführung. Neugier, das ist ein bisschen das Stichwort beim Ahoi! Pop. Denn viele scheinen gar nicht zu wissen, was und wer denn alles spielt. Man lässt sich einfach mal darauf ein, auf neue Bands und alte Helden und Heldinnen, auf die verschiedenen Facetten der Unterhaltungsmusik und schaut, was hängen bleibt, was man von dem allen hier mitnehmen möchte.

Vor allem der finale Samstag ist dabei geprägt von neuer, junger Musik, die viele im Publikum an diesem Abend zum ersten Mal live oder zum ersten Mal überhaupt hören. Ein Showcase-Festival, quasi, das aber doch keines ist. Denn die Anzahl an musikjournalistischen Beobachtern und Beobachterinnen, Bookern und Labelmenschen ist gering. Die Anzahl an Fans der Musik und des nächtlichen Herumtreibens dafür hoch.

Ein Publikum mit einem offenen Ohr, so kann man die Leute vielleicht beschreiben, die jedes Jahr zum Ahoi! Pop kommen. Schon bei der Eröffnungsband am Samstag, den Lokalhelden Tonfabrik, ist der große Saal im Posthof komplett gefüllt. Gitarrenmusik mit Pop-, Punk- und Grungeeinschlägen gibt es hier zu hören, das Publikum reagiert darauf nicht nur mit offenen Ohren, sondern auch mit offenen Armen, die zum Klatschen in die Höhe gehalten werden. Und danach zum Plaudern vor dem Merchandisestand, wo zufrieden CDs der Linzer Band gekauft werden. Das ist schon alles gut so gewesen, das war ein guter Anfang des Abends, ist man sich einig.

Abwechslung, dieses Wort hört man hier des Öfteren, und abwechslungsreich soll es sich durch den ganzen Abend ziehen. Diesen Eindruck bekommt man auch vermittelt, als der Londoner Cosmo Sheldrake alleine auf die Bühne spaziert und sich hinter seine Instrumente und Effektgeräte stellt. Schon vor dem Konzert zeigt sich der Multiinstrumentalist fasziniert von der Stadt Linz, in der er heute zum ersten Mal spielt. „Ist das hier eher eine Industriegegend?“, erkundigt er sich über die Stahlstadt.

Die seltsam nebelige, fast schon märchenhafte Atmosphäre der Festivallocation lässt sich aber nicht ignorieren, die Musik von Cosmo Sheldrake ist da der ideale Soundtrack dazu. Verträumt-experimenteller Indie-Pop mit alt-J-hafter Stimme, irgendwo in einer Welt zwischen Wes Anderson und alten Disney-Filmen zuhause. Wie passend, dass sich der Musiker vor dem Konzert als Fan des Regisseurs outet und in seinem Hit „Come Along“ den Heffalump aus „Winnie Pooh“ besingt. Das Publikum am Ahoi! Pop reagiert auf diese musikalische Traumwanderung zuerst penibel leise lauschend und dann nach dem Ende jeder Nummer laut aufschreiend applaudierend. Für viele hier eine Überraschung, für viele hier ein neuer Lieblingsact. Wieder mal was entdeckt.

Danach kommt Max Gruber auf die Bühne des großen Saals im Posthof. Der trägt viele Namen, die er sich großteils selbst gegeben hat: Wolfgang Miesepetry, Donald Grump, Dr. Angsal, seine Facebook-URL endet mit der Phettberg-Hommage auf „frukadeodereierlikoer“. Am bekanntesten ist Max Gruber aber als das Gesicht und die Stimme von Drangsal. Vor dem Konzert versammeln sich noch einige Besucher und Besucherinnen vor den Handys, um mal nachzuforschen, wer dieser Max Gruber ist und finden das eine Musikvideo zu „Allan Align“. „Ist das Jenny Elvers?“, fragt wer, „Ja“, lautet die Anwort. „Cool.“

Es ist gewohnt souveräne, aufgeladene Musik, die dann auf der Bühne performt wird, jede Menge vom New Wave des ersten Albums „Harieschaim“, jede Menge vom neuen, großteils deutschsprachigen Pop-Punk des zweiten Albums „Zores“. Hinter der Band hängt darauf anspielend ein großes „Z“ auf der Bühne. Wrestlingfan Max Gruber trägt wie ein Wrestler in der Umkleidekabine Trainingsjacke und -hose, entschuldigt sich dafür, dass er krank ist, nimmt sich aber trotzdem die Zeit, mit seiner Rolle als eigensinnige Poperscheinung zu kokettieren und mit dem Publikum zu spielen. Die mögen auch das wieder, Abwechslung kommt am Ahoi! Pop gut an - Musik, zu der man tanzen kann, sowieso.

Das wissen auch Steaming Satellites, die das Ahoi! Pop als Headliner beschließen. Die Salzburger als finalen Act des Festivals spielen zu lassen, scheint eine ganz bewusste Entscheidung der Organisatoren gewesen zu sein. Das Publikum liebt die Band, lauscht gespannt und bewegt den Liedern, kreischt aufgeregt immer dann, wenn es etwas zu kreischen gibt. Es ist voll im Saal, sehr voll, gefühlt ganz Linz scheint sich hier zu befinden. Das letzte Mal spielten Steaming Satellites noch im mittleren Saal, der zum Bersten voll war, an diesem Samstag gibt es das Gleiche im großen Raum zu beobachten.

Einen Hafen für alle, die auf der Suche nach guter Unterhaltungsmusik durch Linz treiben, das bieten die Steaming Satellites an diesem Abend, das bietet das Ahoi! Pop sowieso. Und wie seltsam, nach diesem Festival auf die stillen Straßen von Linz zurück zu stolpern. Die Musik hängt noch immer in den Ohren, die Impressionen im Kopf. Das abwechslungsreiche, vom Eigensinn geprägte Ahoi! Pop Festival ist also wieder mal ein Grund nach Linz zu fahren, ein Grund für alle Linzer und Linzerinnen, fortzugehen. Immer noch ein Hafen hier an der Donau.

mehr Musik:

Aktuell:

Werbung X