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„Everything I love is in this book“

Der Niederländische Künstler Typex schafft mit „Andy. A factual fairytale“ eine Ode an Andy Warhol. Eine Ode an die Popkultur und die Popart und eine Ode an den Comic und dessen Geschichte.

von Zita Bereuter

Yeah! Das erinnert an eine Packung Waschmittel: knallig - poppig – hellblau. Seitlich silbrig glänzend. Auf dem Cover ein illustrierter Mann. Das will man sofort in die Hand nehmen, um dann gleich festzustellen, dass man dieses fast zwei Kilo schwere Teil mit einer Hand kaum halten kann.

Andy - A Factual Fariytale

Carlsen

„Typex’s Andy. A Factual Fairytale“ wurde übersetzt von Cornelia Holfelder-von der Tann und ist bei Carlsen Comic erschienen.

Der Titel: „Andy. A factual fairytale“ – ein tatsächliches Märchen. Und das ist es, das Leben und Werk von Andy Warhol.

Und schnell ist klar: Das ist kein Buch, sondern eine Ode an Andy Warhol. Eine Ode an die Popkultur und an die Popart. Eine Ode an den Comic und dessen Geschichte.

Gleich auf den ersten Seiten sind in einer Collage Figuren aus Comic, Film und Religion versammelt. Von Mickey Mouse zu Superman, Charlie Chaplin, Shirley Templey oder der heiligen Maria - all diese Figuren haben Andy Warhol geprägt.

Und einige von ihnen wohl auch Typex. Der Niederländische Zeichner liebt Comic. Er liebt die Popkultur, Iggy Pop, vor allem aber Velvet Underground. All das führt schnell zu Andy Warhol. Im Buch geht es zwar um Andys Kunst, aber: „it is mainly about the artist, the men, the person. It is much more emotional than his work is.“

Jahrelang hat Typex über Andy Warhol recherchiert – vor allem seine emotionalen Tagebücher mit über tausend Seiten waren sehr hilfreich. Erst da habe er den feinen Humor von Andy Warhol verstanden: „It’s a sort of gay humor, I guess.“

Andy - A Factual Fariytale

Carlsen

"Making comics is very much like making a movie – you direct but you also have to play all the characters. You have to know what they do, how they walk, how they look at certain things how they are going to react. So I didn’t relay so much on accounts of others or films, but I had to create a new andy. And that’s also why the book is called „Typex’ Andy". That’s like Walt Disney’s Mikey Mouse.“

Andy - A Factual Fariytale

Carlsen

Typex erfindet also seinen Andy Warhol. Oder besser mehrere. Schließlich hat sich Andy Warhol auch ständig neu erfunden. Typex erzählt chronologisch und teilt Andys Leben in zehn Abschnitte. Aus jedem macht er ein eigenes Magazin, das jeweils in einem eigenen Stil gezeichnet ist – mal ist das im Stil der Flintstones, dann erinnert es an die feinen 50er Jahre Illustrationen von Warhol, mal ist es psychodelisch angelehnt an Yellow Submarine von den Beatles – alles bunt – nur die Band Velvet Underground ist immer gänzlich in schwarz, dann wirkt es wie ein politisches Pamphlet aus den 60ern. Andy Warhol ist so ein starker Charakter, dass es egal ist, in welchem Stil man ihn zeichnet, erklärt Typex. „It’s still Andy.“

Der Coverboy auf jedem Magazin ist Andy Warhol.

In jedem Magazin gibt es herausnehmbare Sammelbildchen mit Wegbegleitern aus der jeweiligen Zeit. 122 insgesamt. Marilyn Monroe, Salvador Dali oder Madonna. Blondie, Donald Trump, oder dem Shah von Persien. Das „Who is Who der wilden Entourage von Andy Warhol.“

Andy - A Factual Fariytale

Carlsen

Typex beginnt mit dem kleinen Andy Warhol, der unter armen und kargen Lebensumständen in einer Migrantenfamilie in Pittsburg aufwächst. Die liebevolle Mutter versorgt ihn mit Comics und schon bald entdeckt man sein zeichnerisches Talent. Andy Warhol wird ein begnadeter Illustrator, will aber mit den damaligen Künstlern verglichen und als Künstler wahrgenommen werden. Er passt aber nicht zu den großen Künstlern jener Zeit, die grob und laut ihre Männlichkeit raushängen lassen.

Andy ist das Gegenteil: schüchtern, sensibel, schwul. Und auch Seine Kunst ist ganz neu. Er macht Kunst zum Massenprodukt. Suppendosen, Verpackungen, Siebdrucke. Andy macht Kunst in der Factory. Das ist der Ort, in dem Kunst, Drogen, Partys und Orgien zusammenfließen. Künstler, Musiker, Performer, Drag-queens, Prostituierte, Durchgeknallte. Hier gibt es keine Tabus. Hier feiern sie das Leben. Hier scharen sie sich um Andy Warhol. Typex zeichnet ein gigantisches Bild der Factory. Und nein, dieser Comic ist nicht jugendfrei.

Andy - A Factual Fariytale

Carlsen

Sehr berührend die Liebesgeschichte zwischen Andy und seiner großen Muse Eddie Sedwige.

Dieser Comic ist ein Rausch, den man nicht an einem Stück lesen sollte. Das empfiehlt Typex auch auf dem Buchrücken. Aber lesen sollte man Typex’ Leben und Werk von Andy Warhol. Denn es ist eine Ode an alles.

Typex

Roy Tee

Typex besucht wöchentlich meist zwei Konzerte und hat schon hunderte MusikerInnen für Magazine illustriert. Nach einer Biographie über Rembrandt wollte er etwas mit knalligeren Farben malen.

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