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isländische Landschaften, Frauen

Eleonora Raggi

film

Island ist „a land shaped by women“

Einer der interessantesten Sportfilme der Saison zeigt die Reise der zwei Freeride-Weltmeisterinnen Aline Bock und Anne-Flore Marxer durch das Paradies des Feminismus.

Von Gersin Livia Paya

Alle zehn Minuten ändern sich die Gegebenheiten: Schnee, Regen, Sturm, Sonnenschein und damit oft auch die verdammte Ungewissheit darüber, was eigentlich gerade unter oder vor einem ist - das Wetter bestimmt das Leben in Island. Und „nur zusammen überlebt man“, so Aline Bock, eine der Filmemacherinnen.

isländische Landschaften, Frauen

Eleonora Raggi

Dieser Bestimmtheit der Naturgewalten haben sich Aline Bock und Anne-Flore Marxer über zwei Monate ausgesetzt und das aus mehreren Gründen. Die beiden Snowboard-Freeride-Weltmeisterinnen teilen nämlich mehr als den professionellen Sport miteinander, auch der Diskurs und die Bemühung um Gleichstellung in ihrem Sport ist Teil ihres Lebens.

Anne-Flore hat bereits in den Freestyle-Wettkämpfen für gleiche Preisgelder bei Männer und Frauen gekämpft und schon Aline Bocks Mutter schrieb ihre Doktorarbeit über Frauensport. Sie sind ganz klar Teil der Frauenbewegung unserer Zeit und mit ihrem feministischen Sport-Film „a land shaped by women“ umso mehr.

Island war allein schon wegen dem vielversprechenden Outdoor-Erlebnis auf ihrer Liste, aber die Idee zum Film ist langsam gewachsen, während sich das Land weltweit in den Vordergrund gerückt hat. Da war die Finanzkrise 2008, die Erfolgsgeschichte des wütenden Komikers Jón Gnarr, der Bürgermeister wurde, und der Ausbruch des Vulkans mit dem unaussprechlichen Namen, der den Luftverkehr lahmlegte, aber vor allem die gesellschaftspolitische Message, die Island als weltweit herausragendes Musterland der Gleichstellung der Geschlechter aussendet. Wie kam es dazu? Und was sagen die Frauen in Island dazu? Diesen Fragen sind Anne-Flore und Aline auf ihrer Reise nachgegangen.

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Dafür interviewten sie Isländerinnen wie Heida Birgisdottir, die Gründerin der weltweiten Snowboardmarke Nikita, die erste isländische Frau, die den Mount Everest bezwungen hat, eine feministische Performance-Künstlerin, eine Menschenrechtsanwältin, Schülerinnen und viele weitere Frauen, die in dem feministischen Land aufgewachsen sind.

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Alle sind sie geprägt von den Generationen vor ihnen, so war es auch Island, das 1975 den ersten Women’s Day Off abgehalten hat. An diesem Tag haben Isländerinnen einfach einen Tag frei gemacht, sind auf die Straße gegangen und haben protestiert. Sie wollten auf ihren Beitrag für die Gesellschaft hinweisen, sie gingen nicht zur Arbeit und kümmerten sich nicht um ihre Kinder. Mit einer Beteiligung von 90 Prozent brachten sie damals das Land zum Stillstand. Das zeigte Wirkung, 1980 wählte Island als erste Demokratie weltweit eine Frau an die Spitze des Staates. Eine Politikerin, die alleinerziehende Mutter war und bis heute als bestes Oberhaupt gilt.

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Anne-Flore und Aline wollten in ihrem Film herausfinden, wie sich diese historischen Gegebenheiten auf die Haltung und Denkweise der Menschen in Island ausgewirkt haben.

Aline erzählt, dass die isländischen Frauen, mit denen sie gesprochen haben, weit fortgeschrittener in Sachen Frauenrechte sind. Isländerinnen kämpfen schon lange nicht mehr auf Augenhöhe mit dem Rest Europas, sehen aber die Notwendigkeit, sich als Role-Models auch zu zeigen.

Vielleicht, so meint Aline Bock, liegt es auch an ihrer früheren Geschichte, bei der die Männer auf hoher See waren und die Frauen - in Absprache mit den Männern - das Land regierten. Dieser Zusammenhalt ist heute gefestigt - Island verbietet per Gesetz, dass gleiche Arbeit ungleich bezahlt wird. Seit Jahresbeginn 2018 ist dieses Gesetz in Kraft, das es Unternehmen mit mehr als 25 MitarbeiterInnen vorschreibt, Männern und Frauen nachweislich das gleiche Gehalt für gleiche Arbeit zu zahlen.

Während der Dreharbeiten ist ihnen eine junge Frau besonders aufgefallen, Una Torfadóttir. Schon als Teenagerin hielt sie TedX-Reden über Feminismus, performte, schrieb und machte ihre Stimme stark als Aktivistin. Sie ist ein Beispiel dafür, wie weit die feministische Erziehung der Isländerinnen und Isländer reicht. Auch Una wirkt in „a land shaped by women“ mit.

Schul-Wettbewerb von Una Torfadóttir, in dem sie mit einer feministischen Performance gewonnen hat.

Immer wieder wechselt der Film „a land shaped by women" zwischen Sport- und Gesprächs-Szenen ab. Mit den Bildern der intensiven Wetterumbrüche in Island dringt der Film auf inspirierende Art und Weise in unser Unbewusstes. Auch die sportlich schmerzhaften Ereignisse, wie dass die Filmemacherinnen nach ihrer ersten Surf-Session im eisigen Wasser 3 Wochen lang taube Zehen hatten, haben sich bezahlt gemacht, so gewann der Film bereits 2 Lady Filmmakers Awards in Bevery Hills. " a land shaped by women“ ist die helfende Hand einer Frau, die dir gereicht wird, wenn die Schneelawine dich packt.

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