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Es is’ schön bei dir: Wanda und ihr FM4 Überraschungskonzert

Wanda haben ein FM4 Überraschungskonzert in der Wiener Arena gespielt, Rock’n’Roll, Bussi, Baby, Schweiß. Der „Amore“-Schmäh läuft noch immer.

Von Lisa Schneider

„Weil du weiße Zähne hast, obwohl du ständig rauchst, ist der Thomas in dich verliebt - und ich auch“. Eine der besten Zeilen von Wanda. Sie eröffnet den gestrigen Abend in der Wiener Arena, ich muss sie leider über die Bar hinweg, wahrnehmen. Die Schlange dort ist um vieles länger als der Zapfhahn: hier findet eines der bisher größten FM4 Überraschungskonzerte statt.

Zuletzt haben Wanda vor drei Jahren hier, in der Arena Wien, gespielt. Einer der spannendsten Aspekte des gestrigen Abends war auch die Tatsache, dass man eine Band wie Wanda wohl (so bald) nicht mehr in einer solchen Location wird live erleben dürfen. Wanda haben die Stadthalle zuvor schon einmal, und auch im heurigen April wieder ausverkauft. Die Stadthalle, die sonst nur etwa Sir Paul McCartney oder Slayer bis auf den letzten Sitzplatz füllen. Apropos Paul McCartney und Stadthalle: Genau bei diesem Konzert hat sich Marco Wanda seine Stimme letzte Woche heiser geschrien, wie er uns noch vor dem Überraschungskonzert verraten hat.

Routinierte Hitparade

Dass Wanda gleich mit erwähntem Song „Lucia“ und dann mit dem immer guten „Bologna“ in die eigene Best-Of-Setlist startet, hat schon seinen Sinn. Wanda sind da, um zum Jahresende und in diesem für ihre Verhältnisse fast schon kleinen Rahmen nochmal ihre Hits zu spielen, auf Experimente wartet hier niemand. Die drei Alben „Amore“, „Bussi“ und „Niente“ bieten reiches Material zur Publikumsbespaßung; das gemeinsame Sudern über Liebe und Leben, aber viel mehr und wichtiger noch, das Zusammenschweißen und gemeinsam einsam sein.

Nur wenige erleben gestern ihr erstes Wanda-Konzert - Routine also auf und vor der Bühne. Es ist fast wie minütlich getaktet klar, wann welcher Publikumschor von Marco Wanda angefordert wird. Was die Innbrunst, mit der er ihm dann entgegen schmettert, aber nicht schmälert. Er will es dann nur noch ein bisschen lauter, gerne, hinauf die Becher, weg die Shirts, Schweiß und Bier und sonstige klebrige Substanzen holen das Publikum kurz weg vom Alltag, der Beziehungskrise, und nicht zu vergessen dem Gedanken an den Hangover, der morgen droht. Aber nicht nur vorne im Gedrängel wird gegrölt und geknutscht, geschwärmt und geweint. Auch ganz, ganz hinten, sowie ganz, ganz oben am Balkon, dort, wo die meisten nur leicht im Takt mitwippen, bewegen sich die Lippen synchron zu denen Marco Wandas. „Genauso wie die Flaschen von gestern, meine beiden Schwestern...“.

Wanda ÜKO Arena Wien

Franz Reiterer

Generationenübergreifende Amore

Was Wanda mit ihrem ersten Album „Amore“ vorgelegt haben, hat nicht weniger als eine Generation geprägt. Auch wenn Generationen im Sinne musikalischer Sozialisierung nicht mehr wie früher jahrzehntelange Lebensabschnitte abdecken. Es kann sich dabei auch nur mehr um eine Spanne von zwei, drei Jahre handeln, so wie eben bei Wanda: Kurz nach Release 2014 war überall alles voll mit dem schlau zusammengebastelten Konglomerat einer irgendwie ur-österreichischen, und doch exotisch angehauchten Lebensphilosophie. Die Sprache angereichert mit Schlagwörtern wie „Bussi“, „Amore“, „Schnaps“.

In jedem Whats-App-Feed, auf Geburtstags- und Hochzeitseinladungen, auf Auto-Aufklebern, im Radio, natürlich. La Dolce Vita in speckiger Lederjacke, verbotene Techtelmechtel mit Kusine oder Tante, das Wissen, dass man eh nicht in den Himmel kommt: Solange ich bei dir bin, ist’s egal. Einfache Wahrheiten über Leben und Tod. Das ist die ganz große, altersunabhängige Publikumsanimation.

Wanda ÜKO Arena Wien

Franz Reiterer

Ich muss nicht in den Himmel“, sagt Marco Wanda gestern zwischen Songs wie „Schickt mir die Post“, „ich bin nämlich schon da“. Die Bühne ist der heilige Arbeitsplatz, in den letzen Jahren hat er mehr Zeit als dort oben wohl nur im Studio und in der Stammbar verbracht. Album Nummer vier ist in Produktion, viel verraten Wanda aber noch nicht. Im Interview meinte Marco Wanda, es wird etwas Anderes, Neues werden. Dass „alle anderen“ aber eh wieder darauf bestehen werden, dass es „eh immer dasselbe ist“.

Zukunftsgeflüster

Diese Aussage lässt sich zweierlei deuten. „Sag was du brauchst, auch wenn du’s hasst“ singt Marco Wanda in „Stehengelassene Weinflaschen“. Er selbst würde hier wahrscheinlich mit „Amore“ antworten. „Ich will Kunst machen“ ruft er in einem anderen Moment des Konzerts, bitterer Beigeschmack. Wie geht man mit einem in so kurzer Zeit geschaffenen, österreichischen Musikphänomen um, inklusive all der Ceccarellis und Luzias und Schatzis und Bussis? Weitermachen, ausschlachten, neu erfinden? Steckt die Band im Momentum fest, das ganz frei nach „Es is’ schön bei dir“ routiniert den Amore-Schmäh rollen lässt? Oder aber, Marco Wanda ist der selbstironische Typ, als der er sich gibt. Der weiß, wie sehr in einer unberechenbaren Welt Berechenbarkeit geschätzt wird.

Wanda ÜKO Arena Wien

Franz Reiterer

Das FM4 Überraschungskonzert im Radio und Online

Am 20.12. strahlen wir die Highlights des Konzerts dann im Radio und als Video auf fm4.orf.at aus.

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