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Durch tägliche Etüden zu mehr Erregung

Nur 65% aller Frauen kommen beim Sex zum Orgasmus. Nur 4% erreichen ihn rein vaginal. „Alles Übungssache“, sagt Sexualtherapeutin Dania Schiftan in ihrem Buch „Coming Soon“.

Von Conny Lee

„In 10 Schritten zum vaginalen Höhepunkt“ - das verspricht Dania Schiftan bereits auf dem Cover von „Coming Soon“. Schiftan ist Sexualtherapeutin in Zürich und das Thema Orgasmus ist eines, das besonders vielen ihrer Klientinnen am Herzen liegt. Dania Schiftan vertritt den Sexocorporel-Ansatz, begründet von Prof. Jean-Yves Desjardin am Département de séxologie de l’Université du Québec in Montréal, der weltweit einzigen sexologischen Fakultät. Das Sexocorporel-Konzept sieht Geist und Körper als eine Einheit.

Ihr Lösungsansatz für Frauen die Probleme mit dem vaginalen Orgasmus haben, ist: Üben.

Beim vaginalen Orgasmus geht es nicht um Glück oder Pech, Schicksal oder richtige Entspannung, sondern um Fähigkeiten, die jede Frau besitzt, die einige aber noch nicht entwickelt haben. [...] Hinter dem vaginalen Orgasmus steckt eine ganz „einfache" biologische Erklärung: Jeder Körperteil ist mit Nervenzellen und Sensoren ausgestattet, die durch eine Nervenbahn mit dem Gehirn verbunden sind. Je öfter er berührt und genutzt wird, desto stärker ist diese Verbindung. Je stärker die Verbindung, desto schneller reagiert das Gehirn, wenn dieser Körperteil berührt wird.“

Um diese Nervenbahnen also aufzuwecken verschreibt die Sexualtherapeutin den Leserinnen ihres Buches daher vor allem eines: Onanie. Masturbation. Selbstbefriedigung. Das Bärchen kraulen. Und zwar regelmäßig und ganz bewusst. Dabei sollen sie verschiedene Übungen machen wie beispielsweise unterschiedliche Bewegungen. Schiftan vergleicht die Übungen mit den Tonleitern, wenn man ein Musikinstrument erlernt. Es geht beim Üben auch nicht darum, zum Orgasmus zu kommen, sondern darum, alte Muster zu durchbrechen und neue Arten der Erregung zu trainieren. Klar und deutlich wird erklärt, wie die Übungen funktionieren und wozu sie gut sind. Die Therapeutin nimmt aber auch Einwände und Gegenfragen im Buch vorweg, die sie wohl häufig von ihren Klientinnen bekommt, wie zum Beispiel, „Warum muss ich so oft üben? Das bekomme ich zeitlich gar nicht unter,“ oder „Ich habe nicht so häufig Lust auf Selbstbefriedigung. Muss ich mich überwinden?“

Die Autorin beantwortet diese Einwände und bringt auch in jedem Kapitel Fallbeispiele aus ihrer Praxis, die sehr gut veranschaulichen, mit was für Zweifeln oder Problemen manche Frauen zu ihr kommen:

Jeanette ist Anfang fünzig und kommt über mehrere Monate regelmäßig zu mir in die Praxis. Anfangs fiel es ihr nicht leicht, sich regelmäßig zum Trainieren aufzuraffen, doch mit der Zeit verstand sie die Übungen immer besser und war viel motivierter. Schon nach kurzer Zeit spürt sie mehr, wenn sie sich bei der Selbstbefriedigung stärker bewegt und sehr erregt ist. Doch kaum bewegt sie sich beim Sex mit ihrem Partner mehr, fällt ihre ganze Erregung in sich zusammen und der Orgasmus rückt in weite Ferne.

Viele Frauen trauen sich nicht, mit anderen über solche Anliegen zu sprechen und denken, sie seien die einzigen mit diesem Problem oder sie seien komisch. Diese Bedenken entkräftet Schiftan anhand vieler Beispiele in ihrem Buch.

Illustration aus Coming Soon

Piper Verlag

„Coming Soon“ liest sich wundervoll unverkrampft, ein bisschen wie eine Anleitung für Yoga-Übungen. Diverse Illustrationen veranschaulichen zusätzlich worum es geht. Nicht jede Frau muss unbedingt vaginal zum Orgasmus kommen, aber wer das gerne möchte und nicht weiß, wie dorthin kommen (pun intended), könnte Dania Schiftans 10-Schritte-Programm ausprobieren. Unter Umständen auch eine Idee als Weihnachtsgeschenk.

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