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Michael Köhlmeier

Elisabeth Scharang / Radio FM4

Im Zug mit Michael Köhlmeier

Ein FM4 Doppelzimmer am 26.Dezember mit dem Schriftsteller und Geschichtenerzähler Michael Köhlmeier. Über die überschätze Bedeutung von Individualismus, seine kurze Musikerkarriere und wie ihm Hank Wiliiams dabei geholfen hat, am Leben zu bleiben.

Von Elisabeth Scharang

Der Leseraum im Adalbert Stifter Haus in Linz ist wie ein Fenster in eine andere Zeit; als es noch Karteikarten in Karteikästen gab, als man noch Faxe verschickt und sich in eine Bibliothek zurückgezogen hat, um in einem Buch zu studieren. Eine analoge Welt, in der ich auf einen Schriftsteller warte, der ein großer Geschichtenerzähler ist. Aus dem Stand ohne Text in der Hand erzählt er aus der griechischen Mythologie und interpretiert Märchen neu, die wir aus unserer Kindheit kennen, aber in ihrem Ursprung für Erwachsene geschrieben wurden.

Ich warte auf Michael Köhlmeier.

Michael Köhlmeier beim Gespräch mit Elisabeth Scharang

Elisabeth Scharang

Als er mich anruft, steckt sein Zug, der ihn aus Vorarlberg nach Linz bringen soll, eine Stunde vor dem Ziel fest. „Wir stehen auf offener Strecke, ich habe keine Ahnung, wo genau und wann es weitergeht,“ Michael Köhlmeier klingt etwas verzweifelt und müde. „Es tut mir so leid, dass du jetzt extra aus Wien gekommen bist, aber ich glaube, unser Gespräch wird sich vor der Lesung nicht mehr ausgehen.“ Er müsse heute abend auch gleich weiter und habe auch morgen keine Zeit. Die nächste Lesung sei in Graz. Und er sei auch schon ziemlich angestrengt von der vielen Herumfahrerei mit dem neuen Roman im Gepäck.

Die Bücher, die auf den alten Regalen geduldig auf die nächsten Leser*innen warten, nicken mit zuversichtlich zu. Alles mit der Ruhe, versichern sie mir. „Alles mit der Ruhe“, sage ich also zu Michael Köhlmeier. „Ich baue trotzdem die Mikros auf und wir schauen, wie weit wir kommen. Ich fahre mit dir nach der Lesung zurück nach Wien und wir reden einfach im Zug weiter.“ „Ja, wenn das möglich ist?!“ Eine dreiviertel Stunde später ist er da. Ohne Umschweife tauchen wir ein in seine Herkunft, dort, wo der verspätete Zug gerade herkam – aus Vorarlberg.

Michael Köhlmeier beim Gespräch mit Elisabeth Scharang

Elisabeth Scharang

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Das gesamte Interview - fast 2 Stunden - gibt es nun auch als FM4 Podcast zum Nachhören.

Michael Köhlmeier erzählt von seiner lebenslangen Freundschaft zu dem Rockmusiker und späteren Filmregisseur Reinhold Bilgeri. Die erste CD war also vor dem ersten Buch auf dem Markt, aber „ich war nicht begabt genug für die Musik“, erzählt Michael Köhlmeier über seine frühen Ausflüge in den Austropop. Allerdings haben ihm die Tantiemen für den Song Oho Vorarlberg das Studium in Deutschland finanziert. „Das war ja alles ein Witz und nicht ernst gemeint. Ich war sehr verblüfft über den Erfolg damals“, erinnert sich Köhlmeier.

Viele Jahre später hat Köhlmeier wieder zur Gitarre gegriffen und Lieder über das Leben geschrieben und gesungen, die nichts mehr vom Klamauk der Anfangsjahre hatten. das ist zum Beispiel das Lied für seine Tochter Paula, die mit nur 21 Jahren tödlich verunglückt ist. Oder die Hommage an Hank Williams, dessen Musik, ihn durch die Zeit im Krankenhaus getragen hat, als er sich aufmachte, den Krebs zu besiegen.

Michael Köhlmeier beim Gespräch mit Elisabeth Scharang

Elisabeth Scharang

Die Zeit in dem Leseraum verfliegt und wir hören im Untergeschoss die Menschen eintreffen, die an diesem Abend für eine Lesung aus Köhlmeiers neuem Roman „Bruder und Schwester Lenobel“ gekommen sind.

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Programmhighlights zu den Feiertagen: Zu den Feiertagen schmückt FM4 den Weihnachtsbaum und lässt das ausklingende Jahr Revue passieren – mit Weihnachten für Alle, den Top 100 der FM4 Jahrescharts, der FM4 Silvestershow, den FM4 Doppelzimmern mit spannenden Gästen und vielen anderen speziellen Sendungen.

Zwei Stunden später sitzen wir im Abendzug von Linz nach Wien. Die Anspannung ist aus jeder Faser von Michaels Köhlmeiers Gesicht gewichen. Mit einem Bier und einem Paar Frankfurter sitzt er mir gegenüber. „Kannst du für mich eine Geschichte aus dem Ärmel schütteln?“ frage ich ihn. „Du willst, dass ich dir eine Geschichte erzähle?“ „Ja“, sage ich und lehne mich zurück, während der Zug mit 200 Stundenkilometer durch die Nacht rast. „In dem Dorf, in dem ich aufgewachsen und zur Welt gekommen bin, sind am selben Tag zwei weitere Buben geboren worden“, beginnt Michael Köhlmeier seine Geschichte. Wie es weiter geht hört ihr in dem zwei Stunden langen Podcast von unserem Gespräch.

FM4 Doppelzimmer mit Michael Köhlmeier

Elisabeth Scharang trifft in der Bibliothek im Stifterhaus in Linz auf den Schriftsteller Michael Köhlmeier. Am 26. Dezember, 13.00-15.00 Uhr und gleich im Anschluss für 7 Tage im FM4 Player und im FM4 Interview Podcast.

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