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Serien-Recap

„Walking on Sunshine“

Recap der ersten Episode von „Walking on Sunshine“. Ein ehemaliger ZIB-Moderator versucht ein Comeback als Wettermann. Konkurrenz-Rangeleien in der Redaktion und eine unverhoffte Erbschaft. Außerdem: Nörgeleien auf höchstem Niveau!

Von Pia Reiser

Walking on Sunshine

Folge 3 von „Walking on Sunshine“ ist am 14. Jänner um 20.15 Uhr in ORF1 zu sehen. Die ersten beiden Folgen sind noch in der ORF TVthek abrufbar.

Die FM4 Recaps zur Serie findest du hier.

Achtung, das hier ist ein Episoden-Recap, sollte also erst gelesen werden, wenn man die Folge gesehen hat. Spoilers ahead! Nicht jede Serie kann mit einer Sing- und Tanznummer beginnen, aber die neue ORF-Serie „Walking on Sunshine“ beginnt immerhin mit meinem Zweitlieblings-Szenario: Walk and Talk in Redaktionsräumen, ein Stilmittel perfektioniert vom Dialog-Zampano Aaron Sorkin, der mit der Serie „The Newsroom“ den Alltag einer Nachrichtenredaktion mit dem persönlichen Leben der Figuren verbunden hat. Nicht unähnlich ja auch das Konzept von „Walking on Sunshine“: Alltag in der ORF-Wetterredaktion. Eine gestrenge Wetterchefin, ein Wetter-Nerd, eine ehrgeizige Redakteurin und ein ehemaliger ZIB-Moderator als Wetter-Quereinsteiger.

Dankenswerterweise pfeift man aber auf Realismus (oder auch „The Office“-Tristesse), sondern pfeffert ordentlich Soap und Dramedy-Körner in die Seriensuppe. (Wer die Metapher jetzt nicht so gut findet (und da zähl ich mich auch dazu), darf nicht vergessen, dass es auch eine Wetter-Metapher hätte sein können).

Irgendwas liegt schon in den ersten paar Szenen in der Luft, das andeutet, dass es hier um größere Abgründe als Konkurrenz am Arbeitsplatz und Rampensau-Mentalitäten gehen wird. Ich hoffe noch vor der Titelsequenz, dass schon am Ende der ersten Folge jemand tot ist. Und ich werde nicht enttäuscht. Der Einstiegs-Walk-and Talk ist klasse, weil die Kleidung der beiden Frauen, der Moderatorin und der Redakteurin (Natalie Alison und Miriam Fussenegger) farblich sofort eine Senf- und Ketchup-Assoziation auslösen, was Redakteur Lukas (Aaron Karl, Sohn von Fritz) in diesem Szenario zum Würschtl macht.

Szenenbilder der Serie "Walking on Sunshine"

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Ich mag den Feldkirch, Feldkirchen, Wolfsburg, Wolfsberg-Dialog, wahrscheinlich auch, weil ich schlecht in Geografie bin. Warum der Dialog allerdings auf ein Oceans-Eleven-Soundkissen aus dem Discounter gebettet wurde, das den Eindruck vermittelt, die drei würden in den nächsten Sekunden ein Casino in Las Vegas ausrauben, bleibt so rätselhaft wie die ein bisschen „zu niedrigpreisig für diese Position“-aussehenden Hosen der Wetterchefin.

In „Walking on Sunshine“ wird viel geredet, doch supererweise wenig erklärt. Die Wetterchefin Tilia Konstantin (Proschat Madani) wird nicht durch einen Dödel-Dialog eingeführt, sondern man sieht sie einfach mal forsch durch Redaktionsgänge spazieren und während des Wetterberichts, bei dem die Moderatorin dann doch über die Geografie stolpert, im Hintergrund stehen. Einer der Redakteure (der mit den mutigen Hemden) murmelt, dass er Angst vor ihr habe und während ich mich noch wundere, warum das jetzt gesagt werden musste - dass Frau Konstantin eher Fräulein Rottenmeier als Mary Poppins ist, das wurde eindeutig gezeigt - sieht man das Lächeln der Wetterchefin, als sie diesen Satz hört. Das hier ist die Miranda Priestley des Küniglbergs. Nur halt mit nicht so teuren Hosen, der Teufel trägt hier nicht Prada.

Szenenbilder der Serie "Walking on Sunshine"

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Die Geschichte nimmt eine Exkursion zu einer alten Dame in einer Villa mit Garten, deren Leben in wunderschönen Tableau Vivants erzählt wird und ich bin mir ziemlich sicher, dass sich der 2018 verstorbene Stefan Weber in einem dieser Bilder befindet. Das Voice Over nervt, weil Voice Overs allerspätestens seit Meredith Greys Kalenderspruch-Zusammenfassung ihres Lebens und des Lebens an sich nerven und weil dann - beim zweiten Voice Over gegen Ende der Episode - halt nur eine ganz kleine Anzahl an Wetter-Metaphern aushält. Die Bilder, die die Geschichte der alten Dame erzählen sind spitze und der Story-Baustein gut skurril: Die alte Dame will ihre Villa an jemanden vererben, den sie nichtmal kennt. (Wir aber schon, wir wissen es nur dann erst zum Folgenende: Lukas, der Wetterredakteur, den vor zehn Jahren noch Manuel Rubey gespielt hätte).

Und erst dann taucht die eigentliche Hauptfigur der Serie auf: Otto Czerny-Hohenburg, ein Name wie Österreich in a nutshell. Monarchie-Nostalgie und vermutlich Trauer über das Adelsaufhebungsgesetz von 1919 trifft auf das herrlich wienerische Czerny, was wiederum in gar nicht wenigen slawischen Sprachen schwarz bedeutet. In Österreich gibt es ja nur vier Schauspieler, die abwechselnd Rollen in größeren Produktionen übernehmen: Nicholas Ofczarek, Tobias Moretti, Josef Hader und Robert Palfrader. Für eine Rolle als ehemaliger ZIB-Moderator kommt aber – schon allein rein haaransatzmäßig - natürlich nur letztgenannter in Frage.

Szenenbilder der Serie "Walking on Sunshine"

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Otto Czerny-Hohenburg ist allerdings seit vier Jahren in Krankenstand und auf Alkoholentzug, der Generaldirektor (mit Mascherl und Stecktuch ganz klar als eitler Schreibtisch-Fatzke ausgestellt) will sein früheres Zugpferd allerdings nun als Moderator der Lotto-Ziehung einsetzen. Czerny-Hohenburg hatte beschickert während der ZIB die Vereinigung Österreichs mit Ungarn verkündet. Wie Harald Krassnitzer in den früheren Tatorten hat auch Czerny Hohenburg eine Teenager-Tochter (die supere Sophie Stockinger aus „L’Animale“), die naseweise Kalauer durch die Altbauwohnung schiebt. Ich hoffe, Stockingers Aktionradius wird noch größer als die paar Meter zwischen den schönen Flügeltüren.

Otto Czerny-Hohenburg will nicht zum Lotto und da die blonde Moderatorin aus der Anfangssequenz zu einem anderen Sender wechselt (Was die Wetterchefin aus einer Zeitung erfährt, die vorne wie „Heute“ und hinten wie die „Kronen Zeitung“ aussieht, gottstehunsbei), landet Otto in der Wetterredaktion.

In einem guten Twist-Moment erfahren wir, dass es sich bei der ehrgeizigen und fülligeren Redakteurin Conny (Selina Graf) um die Tochter der Wetterchefin handelt, was aber in der Redaktion kein Thema sein darf. Standard-Forum-Superuser notieren sich Nepotismus mit mehreren Rufzeichen im speckigen Notizbuch. Conny sucht ihren Platz an der Sonne, also im Fernsehen und rast mit ihrem Auto dem ORF Satellitenwagen auf den Hochkogel hinterher (ich musste googeln, ob es den wirklich gibt, so schlecht bin ich in Geografie! Es gibt ihn, aber woanders! Kollege Simon Welebil erkennt hier natürlich die Hohe Wand), schafft es dabei allerdings, sich irgendwie einen Adele-Lidstrich zu verpassen, was mich insofern freut, da Wetterredakteurin Sophie Haar und Stiefel trägt, als wäre sie Francoise Hardy. Wetter-Adele und Wetter-Francoise sind – da erstere versucht, den Live-Einstieg der zweiteren zu verpfuschen – nun spinnefeind. Das ist aber das kleinere Problem von Conny (Adele), denn die hat mit dem Auto in zufälliger-Coen-Brothers-Narrativ-Manier einen Radfahrer gerammt, der am Unfallort gestorben ist. Und die mysteriöse Frau mit dem weißen Trenchcoat (ein Unding) und einem Argument gegen Henna-Tönungen am Kopf, die unbedingt mit der Wetterchefin sprechen will und nur andeutet, sie würden sich aus Bielefeld kennen, wird wohl demnächst einige tote Radfahrer oder andere Leichen im Keller der Wetterchefin aufdecken.

Szenenbilder der Serie "Walking on Sunshine"

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Lieblinzsszene: Czerny-Hohenburg beim Amtsarzt. Wie Rainer Doppler mit den nur drei Sätzen einen vom System ausgelaugten Arzt spielt, ist fantastisch.

Hätte nicht sein müssen: Der „fesche Has“-Kommentar vom Techniker (Max Meyr), als er Sophie sieht. Wir hätten es so auch kapiert.

Nörgeln auf ganz hohem Niveau: Nochmal: Ich hätte gern, dass man Proschat Mandani so Hosenazüge anzieht wie Robin Wright in „House of Cards“. In Sachen power dressing geht da noch mehr.

Detail am Rande: Auf den Bildschirmen im Hintergrund sieht man oft die „Vorstadtweiber“.

Schönster Moment als ORF-Mitarbeiterin: Unsere Ausweise schauen wirklich so aus!

Brennende Fragen nach der ersten Episode? Was machen die mit meinen GIS-Gebühren? Welches Hemd wird Wetter-Redakteur mit der Troy Dyer-Gedächtnisfrisur als nächstes anziehen? Wieso gibt’s den Wetterbericht ohne Wetterkarte? Wurde diese Serie nur geschrieben um den Mitarbeitern aus dem Funkhaus die Räumlichkeiten am Küniglberg schmackhaft zu machen? Was weiß die Henna-Trenchcoat-Lady über die Wetterchefin?

Verschwörungsfitzel fürs Standardforum: Im Serientitel versteckt sich das Wort Alk.

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