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„Lots of Miserable Songs by Scottish People“

The Twilight Sad aus Schottland veröffentlichen mit „It Won’t Be Like This All The Time“ ihre direkteste und roheste Platte und waren für eine Acoustic Session bei FM4 zu Gast.

Von Christoph Sepin

Es hat sich einiges getan in der Welt von The Twilight Sad in den letzten paar Jahren. Ein Name spielt dabei eine große Rolle: Robert Smith. „Wenn die Welt ein besserer Ort wäre, würden sie für mehr Menschen spielen, und ich glaube, das können sie auch“, so beschrieb der Cure-Sänger die Band aus Schottland.

Im Jahr 2015 coverte Smith den Twilight Sad-Track „There’s a Girl in the Corner“ und nahm die Gruppe mit auf große The Cure-Tour. Auf einmal vor einem neuen, größeren Publikum zu stehen, in Stadien und riesigen Hallen zu spielen, ging auch an The Twilight Sad nicht spurlos vorbei: „Wir haben bemerkt, dass immer mehr Leute zu unseren Shows kommen. Und da hat die Tour mit The Cure auf jeden Fall dazu beigetragen. Und dafür sind wir auf ewig dankbar“, sagt James Graham, Vokalist von The Twilight Sad.

Dabei sind Liveshows der Band ein Ereignis, das man sowieso nicht verpassen sollte. Intim, roh und direkt präsentieren sich The Twilight Sad bei ihren Konzerten, mit einem wild gestikulierenden James Graham eingehüllt in Bühnennebel und verzerrte Gitarrenwolken. Und roh und direkt ist auch das am Freitag erscheinende Album der Band mit Wurzel im schottischen Kilsyth, Platte Nummer fünf mit dem Namen „It Won’t Be Like This All The Time“.

The Twilight Sad

Debi Del Grande

Die Reise zur Platte war lang, erzählen James Graham und Gitarrist Andy MacFarlane bei ihrem Besuch für eine FM4 Acoustic Session. „Wir haben die Platte geschrieben, dann hab ich die Musik gelöscht und wieder neu geschrieben“, sagt MacFarlane über seine Entscheidung, dass das alles nicht gut genug war und nochmal von Anfang an geschrieben werden muss. Und auch die große Tour mit The Cure, so schön sie war, half nicht dabei, Inspirationen für neue Texte entstehen zu lassen. „Wir mussten heimkommen und schlechte Dinge mussten passieren“, sagt James Graham über seinen kreativen Songwritingprozess.

„Lots of miserable songs by Scottish people“, so beschreiben The Twilight Sad halbernst ihre Musik. Und das ändert sich auch mit der fünften Platte nicht. Im Gegenteil, „It Won’t Be Like This All The Time“ ist noch härter und verzerrter als die Vorgängerplatten. Schon am Opening Track „10 Good Reasons for Modern Drugs“ klingen die Vocals Grahams am Rande der Verzweiflung, schneiden durch raue Instrumente und zahlreiche Musikspuren, die sich ineinander verwaschen. „Why can’t you remember me“, lautet die zentrale Textzeile. „I’ve seen it all before“.

Ihr fünfzehnjähriges Jubiläum feierten The Twilight Sad im Jahr 2018, dass die Band immer noch unterwegs ist, darauf ist James Graham stolz. Denn Bands kommen und gehen, aber The Twilight Sad gibt es nicht nur immer noch, der Output der Gruppe ist konstant gut und wird sogar besser, langsam aber stetig. Graham stellt den Vergleich zum Hasen und der Schildkröte auf: „And we are the tortoise“.

The Twilight Sad

Franz Reiterer

So roh wie die Tracks sind auch die Namen dazu: Lieder auf „It Won’t Be Like This All The Time“ tragen Namen wie „Sunday Day13“, „Auge_Maschine“ und „VTr“, als ob hier einfach Titel von Demotracks genommen und für die finalen Lieder übernommen wurden.

The Twilight Sad - It Won/t Be Like This All the Time

The Twilight Sad

„It Won’t Be Like This All The Time“ von The Twilight Sad erscheint am Freitag, 18. Jänner auf Rock Action Records.

Trotz des noisigen Zugangs zur Platte bleiben Momente für Melodien und große Hooks. Und auch langsame Tracks wie das introvertierte „Sunday Day13“ lassen sich auf dem Album finden, alles zu seiner Zeit, vorsichtig platziert in der Mitte der Platte.

Es ist ein stilistisches Talent, das The Twilight Sad über die Jahre perfektionierten und das auf „It Won’t Be Like This All The Time“ seinen Höhepunkt erreicht: Lieder voll mit dunklen Gedanken und Gefühlen, aber trotzdem warm und einladend. Momente des Optimismus und der Schönheit, fragil und kurz aufblitzend, aber doch da. Und die dazu einladen - ganz bewusst von der Band so geplant - immer wieder gehört zu werden und neue Momente zu entdecken.

Das Resultat ist ein Meisterstück im Externalisieren von intimen, inneren Momenten. Emotionen werden durch die Lyrics James Grahams und die Instrumente der Band in Musik gepackt und auf den Punkt gebracht. Geschichten über die Welt wie sie ist, betrachtet durch ein trübes Glas, trotzdem nah am Publikum: „Wir wollen, dass sich das so anhört, als ob man mit der Band im Raum ist, während man die Platte hört“, sagt Graham. Und öffnet mit „It Won’t Be Like This All The Time“ die Tür weiter als noch jedes Twilight Sad-Album davor.

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