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Stormy Weather

„Walking on Sunshine“, Episode Fünf: Wetterchefin fühlt sich als Wanderameise, Politik mischt sich in ORF-Programmgestaltung ein, Otto hat einen Filmriss, es fallen Schüsse und ein Hitler-Emoji als Pointe.

Von Pia Reiser

Achtung, das hier ist ein Episoden-Recap, sollte also erst gelesen werden, wenn man die Folge gesehen hat. Spoilers ahead!

Sie kann sich nicht vorstellen, dass es gesund sei, die ganze Zeit über sich selbst zu reden, sagt Wetterchefin zur Psychotherapeutin, die darauf den eher schulmedizinischen als homöopathischen Satz „Chemotherapie ist auch nicht gesund“ spricht. Wetterchefin - sprachlich ja ebenfalls nicht auf den Mund (sic!) gefallen, meint semi-kafkaesk, dass sie manchmal glaubt, eine Wanderameise zu sein. Die Ameisen-Metapher zieht sich durch die ganze Episode und am Ende ist man so weise wie nach einer Universum-Folge, ich empfehle also die Nachlese des Begriffs „Ameisenmühle“.

Walking on Sunshine

Folge 6 von „Walking on Sunshine“ ist am 4. Februar um 20.15 Uhr in ORF1 zu sehen. Die fünfte Folge ist noch in der ORF TVthek abrufbar.

Die FM4 Recaps zur Serie findest du hier.

In einer Rückblende (Kniff der Profis: in der Rückblende, die Figur, die rückblendet immer eine andere Frisur tragen lassen, um unaufmerksame Zuseher nicht zu verwirren) sehen wir Wetterchefin mit Hochsteckknödel und ihrem Mann KCH: Er will dem Minister mitteilen, dass er gegen ihn aussagen wird und - mit einem lapidaren übrigens eingeleitet - erzählt Wetterchefin dann dem KCH, dass der ORF-Generaldirektor die Wetterredaktion schließen will. Muss ein ziemlich guter Tatort (sicher eine Wiederholung) am Vortag gewesen sein, dass die doch recht große Neuigkeit erst jetzt aufs Tapet kommt, aber - so Wetterchefin selbst - KCH redet ja immer nur von sich selbst. Ich mag das ja immer, wenn man sich bei einer Serie oder einem Film denkt „He, Moment“ und dann greift das Drehbuch den „He, Moment“-auf und erklärt ihn.

Szenenbilder "Walking on Sunshine"

ORF, Hubert Mican

Ein halbes Aufatmen im Auto ist der gestressten Wetterchefin vergönnt, dann sitzt da Henna-Lady neben ihr mit dem „Morgenexpress“, der am Titel verkündet, dass Wetterchefins Studium erschwindelt sei. Was das genau jetzt der Henna-Lady nützt, fragt Wetterchefin und die meint, als Wienerin wisse sie, dass man auch bösartig sein kann, ohne, dass es einem etwas nützt. Fegefeuer der Schlagfertigkeiten!

Henna-Ladys Forderung ist immer noch die gleiche: KCH soll seine Aussage gegen den Minister zurückziehen, ansonsten erfährt er von der Affäre seiner Frau mit seinem Bruder, dem Wetter-Otto.

Was trägt Hemden-Django zur Arbeit, wenn er nicht mal weiß, ob er seiner Arbeit noch nachgehen kann, weil die Redaktion ja aufgelöst wird. Erstens: Er übernimmt das Weiterführen des gelben Kleidungsthemas und über dem senfgelben Leibern ein Hemd mit Mohnblumen- und Monsteradruck. Touché, Hemden-Django.

Szenenbilder "Walking on Sunshine"

ORF, Hubert Mican

Liebt Schals wie sonst nur Maximilian Schell und Darren Aronofsky: Aleksandar Petrovic als Regisseur

Wetterchefin erzählt ihrer Tochter Conny von der Affäre mit dem Onkel Otto, währenddessen ist Otto auf der Suche nach dem Erzählfaden, der seinen wohl Rausch-induzierten Filmriss zunähen kann und landet in einer Bar, wo hinterm Tresen Louis Nostitz steht. Der schöne Louis entfährt es mir und ich nehm euch mit in einer Rückblende in meinem Leben: Anfang bis Mitte der 00er Jahre hab ich - u.a. mit Gerlinde Lang und dem Superfotografen Martin Stöbich - für ein nicht mehr existentes Jugendmagazin Fotostrecken gestaltet und wenn es das Budget erlaubte, konnten wir junge Models buchen. Das freundlichste und sympathischste der jungen Models war eben jener Louis, der immer recht gute Geschichten hatte, was sein nächster Job sei. Ich kann mich noch an ich muss heute noch zu einer Modenschau, wo wir als Clown geschminkt werden erinnern. In den Jähren danach ist der schöne Louis immer wieder mal in Werbungen und auf Plakaten aufgetaucht und wir, die wir damals mit ihm zu tun gehabt haben, haben uns gefreut. Hier gibt er den Barkeeper, der das „e“ so nah am „ö“ ausspricht, dass old souls wie ich an Oskar Werner denken. Otto erfährt, dass er gestern mehrere Lokalrunden geschmissen und auch selbst einiges getrunken hat. Fatal für den grade mal wieder trockenen Alkoholiker.

Szenenbilder "Walking on Sunshine"

ORF, Hubert Mican

In einem classic Seifenopern-Dialog stellt Lukas Sophie eine Frage (warum die den Ring seines Skelett-Papas an sich genommen hat), geht aber dann quasi ohne wirklich ihre Antwort abzuwarten aus dem Raum. Nur, weil ich dich was frage, heißt das nicht, dass mich deine Antwort interessiert, hat sicher auch schon Laotse mal gesagt.
Dann stellen die beiden einen Mann zur Rede, der sich im Villengarten mit Kamera versteckt hat.

Aaron Karl, der den Lukas spielt, könnte rein Halbnacktszene-technisch die neue Elfi Eschke des österreichischen Films werden. Der Herr stellt sich als Polizist im Ruhestand heraus, der vor 20 Jahren den Fall um das Verschwinden von Lukas’ Eltern bearbeitet hat. Lukas war damals ein Jahr alt. Hemden-Django verkündet in der Wetterredaktion, dass ein Anton Kamper (ein Anagramm von „Markanten Po“, I kid you not) von der Grafik vorbeischauen wird und der Name Anton verbreitet sich wie ein freudiges Echo in der Redaktion, ähnlich, wie wenn bei einer Sitzung der FM4 Filmredaktion ein Lars-Eidinger-Film am Horizont auftaucht. Lars? Lars! LARS!
(Die Szene mit den Grafiker-Anton kann ich aus Platzgründen nicht nacherzählen, aber ich verrate die Pointe: Tagesverfassung Österreichs=Hitler-Emoji!).

Lukas will Klarheit von der Wetterchefin, was die Lage der Wetterredaktion angeht und spricht einen Satz, der wohl aus einem „Chuck Norris-Tipps für Start-Up Gründer“-Heftchen kommt: Wer auf Termine wartet, verliert! Wetterchefin stürmt zum Generaldirektor und erfährt, dass die Dame, die die Einsparung der Wetterredaktion vorgeschlagen hat, mit dem Minister verheiratet ist, gegen den ihr Mann aussagen will. Erste Erkenntnis der Wetterchefin: Wien - Ein Dorf. Zweitens: Wetterredaktionsabschaffungsplan also nur ein weiterer Kniff, um sie unter Druck zu setzen und die die Aussage ihres Mannes gegen den Minister zu verhindern. Dem ORF soll es gesetzlich untersagt sein, eine eigene Wetterredaktion zu betreiben.

Szenenbilder "Walking on Sunshine"

ORF, Hubert Mican

In ihrer Wohnung findet Wetterchefin ihren Mann im Bett mit einer Frau und wirft ihn raus, Karl verpasst seinem Bruder Otto ein paar Schläge, weil ihm Wetterchefin ihre Affäre mit Otto gestanden hat. Die Habsburg-Assoziationen zu den Vornamen der Czerny-Hohenburgs ist wohl alles außer ein Zufall.

Wetterchefin und Lukas versuchen die Wetterredaktion vor der Auflösung durch politische Einflussnahme zu retten und werden dabei erstaunlich tagesaktuell in ihren Aussagen darüber, was Politiker dürfen und was nicht. Lukas fragt sich, ob ein Minister sich nicht in dem Rahmen bewegen muss, den das Gesetzt vorgibt. Haha, Lukas aus dem Jahr 2018, wenn du wüsstest!

Gemeinsam finden sie eine Lücke: Die Wetterredaktion könnte gerettet werden, wenn der Wetterbericht in einem Spartenkanal oder einem eigenen Wettersender stattfindet und die Anstellung der Redakteure nicht direkt über den ORF stattfindet. (Gut, dass ich das mitschreibe, wer weiß, ob ich das nicht mal brauchen werde!).

Es fallen Schüsse und wir sehen Otto zwischen zwei Müll-Containern liegen. (Da würde sich jetzt aber dann nächste Woche eine Gedächtnisverlust-Episode anbieten!).

Lukas beerdigt den Skelett-Papa aus dem Keller und fragt sich, wo und wer denn wohl seine Mutter ist und wir wissen es bereits. Es ist Mercedes Echerer. Sie steht am Friedhof und ihr linkes Auge zuckt, als sie Lukas sieht. I feel you, Mercedes Echerer, man geht nicht in einer Trainingsjacke auf eine Beerdigung!

Detail am Rande: Am Fernseher in des Generaldirektos Büro läuft die erste Folge von „Gemischtes Doppel“, wir sehen Katharina Straßer und Thomas Stipsits im Trachten-Outfit. In dieser Folge haben verschiedene Figuren auf Ereignisse vor 20 Jahren hingewiesen, das Jahr, in dem sich Wetterchefin und KCH ineinander verliebt haben, ist auch das Jahr, in dem Lukas Eltern verschwunden sind. Aber vielleicht ist das nur die Jessica Flatcher in mir, die da aufhorcht.

Schönster Moment als ORF-Mitarbeiterin: Otto verstaut seine leeren Flaschen in einem Schiebekastl der Sorte, in der wir in der Redaktion DVDs horten!

Brennende Fragen nach der dritten Episode? Was machen die mit meinen GIS-Gebühren? Welches Hemd wird Wetter-Redakteur mit der Troy Dyer-Gedächtnisfrisur als nächstes anziehen? Wieso gibt’s den Wetterbericht ohne Wetterkarte? Wurde diese Serie nur geschrieben, um den MitarbeiterInnen aus dem Funkhaus die Räumlichkeiten am Küniglberg schmackhaft zu machen? Wie lautet Lukas’ wirklicher Name? Wer hat auf Otto geschossen? Ist es wirklich allen egal, dass Conny einen Radfahrer über den Haufen gefahren hat?

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