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Sextoys – gekommen um zu bleiben

Wir waren bei einer Sextoy-Party und haben mit einer Beraterin über die Neuheiten und Veränderungen am Sextoy-Markt gesprochen.

Von Ambra Schuster

Sextoy-Partys sind wie Tupperware-Partys, nur anders. Statt um mikrowellenfestes Plastikgeschirr und Haushalt geht es um Erotikartikel und Sex. Was kann das Teil? Wie funktioniert das? In welcher Farbe gibt’s das noch? Wie reinigt man es? Fragen, die Sextoy-Beraterin Moni vermutlich ähnlich oft gestellt bekommt, wie Tupperware-Beraterinnen.

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Moni ist selbstständige Sexspielzeug-Beraterin für einen großen deutschen Sextoy-Händler. Als solche fährt sie seit knapp zwei Jahren zu GastgeberInnen nach Hause, um dort vor mindestens acht Personen für drei bis vier Stunden über Vibratoren, Stimulations-Öle, SM-Utensilien, Analplugs, ableckbares Körperpuder („riecht nach Jahrmarktsex“), Beckenbodenkugeln und Co. zu referieren. Es gibt Brötchen, Sekt und intime Gespräche und am Ende des Abends, können die diversen, beworbenen Produkte gekauft werden. Wie bei Tupperware-Partys eben.

„Älteren Frauen wissen besser worauf sie stehen, kennen ihren Körper und ihre Fetische.“

Vor allem Frauen zwischen 20 und 30 Jahren sind Gastgeberinnen solcher Partys, aber auch ältere Frauen oder Pärchen hat Moni schon beraten. Sie sagt: „Für mich persönlich ist es mit älteren KundInnen interessanter. Die wissen worauf sie stehen, kennen ihren Körper und ihre Fetische und können auch mehr aus sich herausgehen. Die gehen das Thema Sex nicht so tabuisiert an, sondern eher selbstbewusst.“, sagt Moni.

Vom "Hilfsmittel“ zum smarten Druckwellen-Vibrator

Sextoy-Partys sind soweit nichts Neues. „Ich war schon vor 15 Jahren mal auf einer Sextoy-Party, da haben die Produkte allerdings noch ein bisschen anders ausgesehen. Da war das noch so ein klassischer Dildo, den man mit einem Saugnapf in der Badewanne befestigt. Oder so ein Weißer in Delphinform oder mit Häschenohren“, sagt Moni.

Auch Sextoys selbst sind bei Weitem keine Neuheit. Schon im alten Ägypten gab es Dildos. Noch bis in die 90er wurden Sexspielzeuge allerdings als „Hilfsmittel“ zum Abbau gegen das „natürliche sexuelle Verlangen“ bezeichnet. Seitdem hat sich viel getan. Der Umgang mit Sextoys ist lockerer geworden, sie gelten heute oft als Luxusartikel, sagt Moni. Es gibt eigene Erotik-Adventkalender und Vibratoren-Werbungen im Fernsehen.

Sextoys auf einer Sextoy-Party

Ambra Schuster / radio fm4

Gleichzeitig hat sich auch das Design von Sextoys verändert, was die Form, das Material aber auch die Funktionalität betrifft. Auf dem Sextoy-Markt ist im wahrsten Sinne des Wortes Bewegung ins Spiel gekommen. Anstatt des klassischen, reglosen Dildos, der früher oft aus Glas war, sorgen heute smarte High-Tech Vibratoren mit Silikonbeschichtung für das große Ah und Oh.

„Natürlich gibt es Frauen, die noch den klassischen Dildo mögen, wie man ihn aus alten Katalogen kennt. Aber ich merke schon, dass auf den Partys der Trend immer mehr hin geht zu: ‚Wie hoch kann ich den raufschalten? Hat der eine Tastensperre? Wie lange ist die Akku-Laufzeit? Wie leise ist der, kann ich den auch in einer WG verwenden? Ist das wasserfest? ‘ Also da ist dann weniger die Form entscheiden, als was das Ding kann.“

„Ich gehe schon immer mit der Motivation in eine Party, dass ich Frauen ermutige, dass wir auch egoistischer werden.“

Apropos Form. Die ist natürlich trotzdem auch nicht ganz unwichtig. Nicht zuletzt wird hier mittlerweile auch verstärkt auf die Bedürfnisse von Frauen eingegangen. „Es wird schon immer mehr auf die Straße gegangen und gefragt, was ein Sextoy können muss und da poppen halt die verschiedensten Antworten auf“, so Moni. Dementsprechend sind Sextoys nicht mehr nur Phallus-förmig sondern nehmen abwechslungsreichere Gestalt an. So gibt es heute vermehrt rein klitorale Vibratoren wie den sogenannten „Womanizer“, einen Druckwellen-Vibrator, oder Auflagevibratoren, von Moni humorvoll auch als „Tangentenschmeichler“ bezeichnet. Der Fantasie sind weniger Grenzen gesetzt als früher. Vibratoren sehen dann schon mal aus wie ein Kinder-Fieberthermometer oder – wie eine Anwesende der Sextoyparty meinte - „Alessi-Salatbesteck“.

Still a long way (down)

Trotz spaciger Formen und smarter Funktionen ist der Umgang mit Sex und Sextoys noch immer nicht ganz unverkrampft. Auch was weibliche Lust betrifft, muss noch viel Aufklärungsarbeit stattfinden, wird sie doch nach wie vor als weniger (wichtig) wahrgenommen als männliche. Ein Grund mehr, bei Sextoy-Partys Orgasmus-Empowerment voranzutreiben, findet Moni: „Ich gehe schon immer mit der Motivation in eine Party, dass ich Frauen ermutige, dass wir egoistischer werden, dass wir beim Sex auch auf uns schauen. Natürlich ist Sex auch ohne Orgasmus ein schönes Gefühl und ein schönes Erlebnis. Aber man muss sich vorstellen, es wäre umgekehrt so. Es ist halt schon so, dass der Großteil der Frauen ein Problem hat, ohne klitorale Stimulation zu kommen.“

Was die Gleichstellung von Mann und Frau im Bett betrifft, gibt es auch 2019 noch Luft nach oben. Aber es besteht Hoffnung, dass mit der Sextoy-Revolution eines Tages auch der weibliche Orgasmus als genauso wichtig wahrgenommen wird, wie der männliche. Bis dahin sind „Tangentenschmeichler“ und „Womanizer“ ein kleines, selbstbefriedigendes Trostpflaster.

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