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Bear Grylls

APA/AFP/Ben STANSALL

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Was Todor und der Born Survivor gemeinsam haben

Kann man in der Wildnis nur überleben, wenn man Sachen macht, die verboten sind, weil sie diese Wildnis zerstören? Und wieviel Wildnis kann man mit legalen Mitteln zerstören? Braucht man das zum Überleben?

Von Todor Ovtcharov

Bear Grylls ist alles, was ich nicht bin. Er ist der „Born Survivor“, Host von Sendungen, in denen er in der Wildnis überleben muss. Ich mag die Wildnis, wenn ich sie durch das Hotelfenster beobachte. Bear Grylls springt gerne von hohen Felsen und ist mit einem Paraglider im Himalaya unterwegs. Ich fliege auch gerne, aber jedes mal wenn ich in eim Flugzeug steige, schaue ich, dass ich die Prämien für meine Lebensversicherung bezahlt habe. Bear Grylls isst Schlangen und Krokodile. Ich war ein Mal in der Reptilienabteiling im Zoo und habe danach einen Monat lang davon geträumt, dass ich ein einbeiniger Igel bin, der mit einer Schlange kämpft. Bear Grylls kommt gut im Dschungel zurecht, ich mag den Betondschungel lieber.

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Es gibt aber einen Punkt, wo wir uns sehr ähnlich sind. Wir übertreiben beide gerne: Er behauptet, er sei Soldat einer britischen Spezialeinheit, der auf einer gefährlichen Mission in Afirka verletzt wurde. Doch keiner der Soldaten dieser britischen Spezialeinheit kann sich an so eine Mission erinnern. Ich erzähle oft, wie ich in einer Winternacht zwei streunende Hunde vor der Kälte gerettet habe, indem ich sie in meiner Wohnung untergebracht habe. Eigentlich war es nur einer. Und es war gar kein Hund.

Bear Grylls ist neulich in Bulgarien sehr populär geworden. Er hat eine Sendung, wo er und unterschiedliche Prominente zusammen in der Wildnis “überleben” müssen, etwa der Tennisstar Roger Federer oder Barack Obama. Neulich wurde eine Episode gezeigt, wo Bear Grylls zusammen mit einem britischen Tänzer im bulgarischen Rila-Gebirge überlebt.

Rila ist das höchste Gebirge der Balkanhalbinsel und beherbergt einen Nationalpark. In diesem Nationalpark wurde die Sendung gedreht. Bear badet in einem eiskalten Bergsee (dessen Betreten strengstens verboten ist), zündet ein Feuer an (was auch verboten ist) und kocht einen Rilafrosch (eine geschützte Tierart). Ein Freund von mir, der aus einer Stadt bei Rila stammt, meint, dass es so hoch in den Bergen keine Frösche gibt. Vielleicht auch nicht mehr, denn Bear Grylls hat sie gegessen.

Das bulgarische Umweltministerium will Grylls und seine Produzenten nun bestrafen und vielleicht sogar verklagen. Da sie momentan schwer zu erreichen sind, werden wahrscheinlich die Mitarbeiter, die Grylls und seine Crew in Rila begleitet haben, bestraft.

Die Sendung wurde vor fast zwei Jahren gedreht und bereits mehrmals im Fernsehen gezeigt. Bisher hat aber keiner vom Ministerium darauf reagiert. Man meint auch, das Vergehen von Bear Grylls sei gar nichts im Vergleich zu den Plänen des Umweltministers für den Nebenberg Pirin, der dort ein Schigebiet vergrößern will. Aus Umweltperspektive ist Bear Grylls ein Kind, das mit Streichhölzern spielt, der Umweltminister hingegen wirft Napalbomben. Ich hätte im Gegensatz zu Bear Grylls nie ein Feuer in Rila angezündet. Ich habe nämlich Angst vorm Feuer.

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