FM4-Logo

jetzt live:

Aktueller Musiktitel:

Ape Out

Devolver

Blutrausch und Free Jazz

Als wütender 300-Kilo-Gorilla auf der Flucht: Das Indie-Game „Ape Out“ verbindet simple Action mit künstlerisch anspruchsvoller Optik und genialem Sound.

Von Rainer Sigl

Blutrausch, abstrakte Kunst und Jazz-Schlagzeug: Diese drei Dinge bringt man nicht unbedingt einfach unter einen Hut. Das vor kurzem erschienene Indiespiel „Ape Out“ schafft aber genau das. In dem spielen wir einen zornigen, riesigen Gorilla auf der Flucht aus der Gefangenschaft.

Dargestellt wird das Ganze aus der Vogelperspektive, und zwar in einem minimalistischen, an Holzschnittgrafik erinnernden Stil. Unser Gorilla wie auch die Wachen, die uns aufhalten wollen, sind nur als hübsch animierte Silhouetten sichtbar, und die in wenigen, meist in eher gedeckten Farben gehaltene Welt wird hauptsächlich von großzügigen Blutflecken etwas farbiger gemacht. Optisch erinnert „Ape Out“ immer wieder an die expressionistische Plakat- und Filmkunst des legendären Künstlers und Grafikdesigners Saul Bass.

Und anhören tut sich das Ganze so:

Die Welt als Jazz Drum

Der Trailer zeigt es schon: Jede Aktion des rasanten Actionspektakels wird synchron von einem Jazz-Schlagzeug und anderen Percussion-Instrumenten begleitet. Die affenartig behände Bewegung wird durch Tom-Toms oder Snares, Attacken durch kräftige Bass Drums oder scheppernde Becken in Sound umgesetzt - so entsteht durch unseren rasenden Ausbruch ein Stück Musik im feinsten Free-Jazz-Stil.

Je nachdem, wie und wo wir die unglückseligen Menschen gegen die Wand klatschen, passt sich der Sound subtil an; im Verlauf der vier Teile des Spiels - hier „Alben“, mit A- und B-Seite, genannt - variiert das minimalistische Instrumentarium von Bebop-Jazz-Drums zu militärischen Trommeln oder Bongos. Weil die Levels, durch die wir uns einen Weg bahnen müssen, jedes Mal neu generiert werden, hört sich das auch immer wieder anders an.

Ape Out

Devolver

The Sound & the Fury

Spielerisch ist „Ape Out“ ebenso simpel wie rasant: Wie im seelenverwandten „Hotline Miami“ geht es um blitzschnelle Reflexe und Improvisation. Im direkten Nahkampf machen wir unseren menschlichen Gegnern im Handumdrehen und reichlich blutig den Garaus; alternativ können wir sie auch schnappen und kurzzeitig als Schilde benutzen oder sogar ein paar Schüsse abgeben lassen.

Auch wenn die kümmerlichen Wachen, Soldaten und Polizisten trotz Schusswaffen im direkten Aufeinandertreffen keine Chance gegen unsere haarige Abrissbirne haben, machen sie dieses Manko durch ihre große Zahl wieder wett. Während es am Anfang noch recht einfach ist, den Kampf mit allen Wachen eines Levels aufzunehmen, wird es zunehmend schlauer, der direkten Konfrontation aus dem Weg zu gehen und stattdessen mit einem Affenzahn durch die Level zu sprinten.

„Ape Out“ ist für Windows und Nintendo Switch erschienen.

Geistesgegenwart und Taktik sind dabei stets gefragt, denn nach nur drei Treffern geht auch der rabiateste Menschenaffe zu Boden und muss den jeweiligen Level von vorn beginnen.

„Ape Out“ ist ein bemerkenswertes Spiel: Spielerisch ebenso herausfordernd wie simpel, hinterlässt es durch seine geniale Präsentation sowohl optisch als auch akustisch einen einzigartigen Eindruck. Ein grandioses Erlebnis für alle Sinne.

mehr Game:

Aktuell: