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Hyperreality Festival 2019 - jetzt neu: 30% Männer

BbyMutha, Jigga, Dis Fig, Elvin Brandhi, Farce, Astrid Gnosis, ein Discwoman-Showcase und Vieles, Vieles mehr beim Hyperreality Festival 2019 in einem stillgelegten Hotel in Wien.

Von Katharina Seidler

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Hyperreality

Hyperreality Festival: 17./18. und 24./25. Mai, Sophienalpe Wien

Zwei Jahre lang hat das Hyperreality Festival für Clubkultur als Teil der Wiener Festwochen die Stadt zu einem vielbeachteten Zentrum in der internationalen Clublandschaft gemacht. Der neue künstlerische Direktor der Festwochen, Christophe Slagmuylder, hat die Zusammenarbeit mit dem Festival nicht verlängert, aber die Erschafferin und Kuratorin der Hyperrealität, Marlene Engel, ließ sich nicht entmutigen. Das Festival läuft nun in seinem dritten Jahr mit neuem Team und unabhängig, und zwar an zwei Wochenenden im Mai - wohl nicht zufällig auch während der Festwochen.

Die letzten zwei Hyperrealitys lockten in ein Renaissance-Schloss und in eine ehemalige Sargfabrik; diesmal wird das stillgelegte Hotel Sophienalpe in Wien-Penzing zur Festivalbühne. Bemerkenswert ist außerdem die folgende Statistik des Lineups: Jetzt Neu: 30% Männer! 60 Künstler*innen stehen am Programm, davon sind zumindest 70% Frauen, non-binary, inter oder trans.

„Wirklich experimentelle, avantgardistische Musik wirft Fragen über Kulturen auf, die innerhalb eines kapitalistischen Systems operieren, anstatt sie zu reproduzieren. (...) Das versteht Hyperreality unter ‚Club Culture‘.“

Dies schreibt Hyperreality-Kuratorin Marlene Engel in einem leidenschaftlichen Statement zum Festival. Darin heißt es weiter: „Im Rahmen von Hyperreality ist die Clubkultur im Sinne einer sozialkünstlerischen Institution gemeint und kein Begriff, der dazu dient, unsere Realität in sexistische und patriarchale Strukturen zu klemmen (wie VIP, Groupies oder Türpolitik). (...) Hyperreality ist nicht nur ein Fenster in ein diverses, musikalisches und kulturelles Hier und Jetzt, sondern auch eine Erinnerung daran, dass der utopische Glanz der Musik vielleicht nicht völlig erloschen ist.“

Auftragsarbeiten und Showcases

Vier Auftragsarbeiten werden im Rahmen des Festivals uraufgeführt werden. Diese kommen von der Stuttgarter Pop-Romantikerin Veronika König alias Farce sowie von der iranischen Komponistin und Musikerin Rojin Sharafi in Form von neuen Livesets; außerdem gibt der Wiener DJ Gusch seine Live-Show-Premiere und Iku aus dem Umfeld des Wiener Labels Amen Records stellt ihr Debütalbum vor.

Das oben erwähnte Amen Records wird beim Hyperreality auch eines der drei Showcases hosten. Ein weiteres ist dem Berliner Kultlabel PAN Records für die dunkelsten, kantigsten, mutigsten Ausformungen von Clubmusik gewidmet. Zu dessen 20. Geburtstag gratulieren etwa Flora Yin Wong, HELM oder Tzusing. Beim dritten Showcase trifft die großartige New Yorker Plattform Discwoman auf die Wiener Techno-Clubreihe Common Contact. Die mitreißende Noise-Rap-Aktivistin Moor Mother präsentiert dabei ihre neue Band 700 Bliss gemeinsam mit DJ Haram; außerdem stehen Shyboi, SPFDJ, Bonaventure oder Serena Jara auf dem Lineup.

Bbymutha spielt am Sa, 25.5., um 02:30 am Main Floor

Aus dem Leben einer alleinerziehenden vierfachen Mutter erzählt die Rapperin BbyMutha, und von Sex, Gewalt und Armut in ihrer Heimatstadt Chattanooga in Tennessee, USA. Sie tut dies ohne den geringsten Filter vorm Mund. BbyMuthas Geschichten sind aber nicht nur Geschichten von harten Prüfungen des Lebens, sondern vor allem von Selbstermächtigung, vom ownen der Rolle als Mutter von zweimal Zwillingen (ja, wirklich) und von guten Orgasmen. Ganze vier Releases hat die Künstlerin 2018 herausgebracht, Mixtapes und EPs, und ihr Debütalbum „Christine“ ist für April 2019 angekündigt. In charakteristischem Zeitlupen-Style rappt BbyMutha dann gute Zeilen wie diese:

I ain’t rich and I may never be
But, Baby, I’d rather be broke than be a wannabe

Eine eher ungewöhnliche Bandkonstellation ist das Duo Vater-Tochter. Serge Gainsbourg hat mit der kleinen Charlotte Gainsbourg gesungen, und Frank trat mit Nancy Sinatra auf, aber wer kann ein Noise-Impro-Pop-Duo nennen, das aus zwei Generationen besteht? Ein solches hat die britische Musikerin und bildende Künstlerin Freya Edmondes alias Elvin Brandhi gegründet, gemeinsam mit ihrem Vater, der unter dem Pseudonym Mykl Jaxn auftritt. Ihr Projekt Yeah You haben Elvin Brandhi und Mykl Jaxn im Auto auf dem Weg in die Schule entwickelt, auf der Fahrt zum Supermarkt oder gleich dort beim Kaufhaus-Parkplatz. Das Setup aus diversen Soundmaschinen blieb gleich im Auto, die Tracks, die die beiden gern unter der Flagge „Wild Pop“ verstanden wissen wollen, werden direkt auf Video gebannt und ins Netz gestellt. Der Vater sorgt für Beats, Noise und Glitches, die Tochter improvisiert am Mikrophon, singt, schreit und vocodert sich den Kopf frei.

Elvin Brandhi spielt am Fr, 17.5., um 02:00 am Pool Floor

Elvin Brandhi, die einige Zeit in Wien gelebt hat, widmet sich auch solo ihrem Stream-of-consciousness-Noise-Pop, auf bisher fünf auf Bandcamp erschienenen EPs und Mixtapes bzw. vermutlich in einer unendlichen Zahl an festgehaltenen oder auch nirgends festgehaltenen Jam Sessions, Gastauftritten, Kollaborationen, Baustellen-Beschallungen, Club- oder Parkplatz-Raves. Die Songs von Elvin Brandhi krachen und glitchen und sperren sich in ihren melodiösesten, poppigsten Momenten durch plötzliches Hakenschlagen im Rhythmus oder durch die seltsamsten Stimmmodulationen gegen allzu große Einängigkeit.

Jigga spielt am Fr, 17.5., um 00:00 am Pool Floor

Der japanische Multiinstrumentalist Jigga verzeichnet erst eine einzige Veröffentlichung, ein Mini-Album namens „Lilllill“ auf dem großartigen Label Bedouin Records, beheimatet in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Hieroglyphic Being, Traxman, Merzbow oder Pan Daijing haben sich auf Bedouin Records ihren mehr oder weniger krachigen, vertrackten Rhythmus-Eskapaden hingegeben, und auch Jigga passt mit seiner Musik perfekt in den Label-Roster. Der Pressetext beschreibt es treffend: „"Lilllill“ entwirft einen Post-Internet-Stil aus neo-tribalistischen Percussion-Ritualen und körperlosen Drones, die mit sorgfältig genutzter Geräuschdynamik und Subbass aufgefüllt sind.“

Die Grundidee hinter Jiggas Produktionen ist es, Stimmen aus dem alten Japan, traditionelle asiatische Musik, mit dem Lärm und der Überforderung des modernen Lebens zu kreuzen. Die Tracks, die daraus entstehen, strahlen eine eigentümliche Ruhe aus und wirken wirklich wie aus der Zeit gefallen. Kein Wunder, dass auch Aphex Twin schon Fan ist.

Dis Fig spielt am Fr, 24.5., um 02:00 am Main Floor, Astrid Gnosis am 25.5. beim Pool

Viel, viel mehr geschieht noch, beim dritten, „unabhängigen“ Hyperreality Festival am 17./18. und 24./25. Mai 2019. Dis Fig stellt ihr Debütalbum „Purge“ vor, dessen Noise-Soundart-Kompositionen den clubmusikalischen Horizont ebenso erweitern wie der mitreißende Gabber-Pop der kolumbianisch-spanischen Multimedia-Künstlerin Astrid Gnosis.

Nina Kravitz spielt am Fr, 17.5., um 01:30 am Main Floor

Und: Clubmusik-Superstar Nina Kraviz hatte beim letztjährigen Hyperreality Festival so viel Spaß, dass sie diesmal wieder kommt.

Das vollständige Lineup, alphabetisch:

  • 700 Bliss
  • Abu Gabi
  • Alpha Tracks
  • Amen
  • Antonia XM
  • Astrid Gnosis
  • Bbymutha
  • Bearcat
  • Bod
  • Bonaventure
  • Chra
  • Dis Fig
  • DJ Deeon
  • DJ Delish
  • DJ Gusch (Auftragsarbeit)
  • DJ Haram
  • DJ Hauswein
  • DJ Paypal
  • DJ Warzone
  • Elvin Brandhi
  • Evren da Conceição
  • Farce (Auftragsarbeit)
  • Felicita
  • Flora Yin Wong
  • Flower Crime
  • Franzjazzco
  • HELM
  • Surprise Act
  • Iku (Album Release)
  • In My Talons
  • Jana Rush
  • Jasmine Infiniti
  • Jigga
  • Just Precious
  • Katia b2b Nirzah
  • Kilbourne
  • Larry B aka Carrie Stacks
  • LYZZA
  • Nina Kraviz
  • Noriko Tsujiko
  • Not Waving
  • Pelada
  • Polyxene
  • Prision Religion
  • PTU
  • Quay Dash
  • Rojin Sharafi (Auftagsarbeit)
  • Rubi von Baires
  • Schirin
  • Serena Jara
  • Shyboi
  • Solid Blake
  • SPFDJ
  • Stellar Om Source
  • Tami T
  • Therese b2b Rana
  • Tzusing
  • Utoria
  • WRZNE.I-H.3-X
  • WWWINGS

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