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mit akzent

Die Schätze des 21. Jahrhunderts

Der Traum von unermesslichem Reichtum ohne sich groß anzustrengen, verführt die Menschheit seit Jahrtausenden. Oft stecken hinter diesem Traum aber auch Verbrecher.

Eine Kolumne von Todor Ovtcharov

I want money, lots and lots of money
I want the pie in the sky
I want money, lots and lots of money
So don’t be asking me why
I wanna be rich, ohh
I wanna be rich, ohh...

Es gibt so ein One-Hit-Wonder aus dem Jahr 1989. Das RnB-Duo Calloway ist vielleicht nicht so berühmt und reich geworden, wie sie wollten. Mein Freund Georgi summt immer dieses Lied, wenn er Lotto spielen geht. Dabei träumt er, dass genau dieses Lied ihm dabei helfen werde, seinen Traum zu erfüllen: einen roten Ferrari für den Sommer und einen gelben Lamborghini für den Herbst.

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Hinter diesem Lied steckt der uralte Traum der Menschheit, plötzlich einen Schatz zu finden – eine von Piraten vergrabene Truhe mit Goldmünzen am Strand in Mallorca oder einen Tontopf mit antiken Schätzen irgendwo in den Wäldern des Balkangebirges. Dieser Schatz wird wie auf magische Weise alle unsere Probleme lösen, wir werden nie wieder arbeiten oder uns um die Pension sorgen müssen.

Ähnlich wie die Schatzsucher, die nur eine Schaufel als Mittel zum Glück haben, verhält es sich mit dem „Bitcoin Miner“. Niemand denkt bei dem Begriff an harte Arbeit wie in den Minen im Berg, ganz im Gegenteil: die meisten glauben an Reichtum wie im Roman „Die Schatzinsel“. Die Kryptowährungen sind die verlorenen Schätze des 21. Jahrhunderts. Vielleicht, weil niemand (ich auf jeden Fall nicht) versteht, wie sie funktionieren und wo sie vergraben sind. Und wenn die Menschen reich sein wollen und sich nach Kryptowährungen sehnen, dann erfinden sie welche!

I want money, lots and lots of money...

Das dachte sich auch die kommunikative Business-Lady, die 38-jährige R.I. Sie ist in Bulgarien geboren, hat in Deutschland studiert und in den USA eine Firma mit chinesischen Kunden gegründet. Diese Weltbürgerin hat es geschafft, in zwei, drei Jahren mehr als 3 Milliarden US-Dollar zu machen. Millionen von Menschen weltweit investierten in ihre Kryptowährung OneCoin. Während sie sich eine Jacht für 15 Millionen kauft, wird bekannt, dass OneCoin ein Schwindel ist. Doch die Menschen investieren weiter. R.I. wird zur Business-Lady Nummer 1 in ihrem Geburtsland Bulgarien erklärt. Sie jettet um die Welt und zieht neue Investoren an.

So don’t be asking me why
I wanna be rich, ohh
I wanna be rich, ohh
I wanna be rich, ohh

Mittlerweile ist R.I. verschwunden. Niemand weiß, wo sie sich seit einem Jahr aufhält. Die Polizei in Las Vegas hat ihren Bruder festgenommen, er soll ihr Komplize sein. Doch von der „Cryptoqueen“, wie sie sich selbst nennt, fehlt jede Spur. Es stellt sich heraus, dass OneCoin mutmaßlich ein modernes Pyramiden-System ist. Milionen von Menschen bekommen mit, dass sie alles veroren haben. Und währenddessen singen sie:

I wanna be rich full of love, peace and happiness...

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