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Sucuk

CC BY-SA 3.0 - Rainer Zenz assumed

mit akzent

Wie eine harmlose Wurst einen Skandal auslösen konnte

Vier Tonnen Sucuk sind nicht wurst, aber im Lauf der Weltgeschichte des Fressens und Saufens dann doch echt gar nichts.

Eine Kolumne von Todor Ovtcharov

Neulich stand in Bulgarien ein ehemaliger Parlamentsabgeordneter vor Gericht. Die Anklage lautete, er habe von einem Geschäftsmann eine Bestechung verlangt - in Form von vier Tonnen Sucuk (Rindertrockenwurst). Der Ex-Abgeordnete sagte aus, er habe die ganze Sucuk dem Premierminister schenken wollen. Die Geschichte wurde bekannt als „Sucukgate“. Der Premierminister leugnete natürlich alles, er esse überhaupt keine Sucuk.

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Titelbild der Geschichte unter der Creative Commons-Lizenz CC BY-SA 3.0

Hätte der Geschäftsmann die Bestechung durchgeführt, wo hätte der Ex-Abgeordnete wohl die ganzen vier Tonnen gelagert? Vielleicht wollte er eine riesige Sucuk-Party schmeißen und die Sucuk an seine Wähler verteilen? So wäre er zu einem modernen Sucuk-Robin-Hood geworden, der von denjenigen nimmt, die etwas haben (in diesem Fall Sucuk) und es an diejenigen verteilt, die nichts haben (in diesem Fall keine Sucuk).

Aber warum wurde der Premierminister darin verwickelt? Vielleicht wäre es besser, gleich zur EU zu gehen- oder noch besser zur UNO. Dann wäre es noch schwieriger herauszubekommen, ob die Verantwortlichen Sucuk mögen oder nicht.

Und wenn man von der UNO spricht: Ein Freund von mir hatte vor einigen Jahren den Auftrag, das Weltwirtschaftsforum in Davos zu filmen. Der Auftraggeber sagte klar, dass er keine Menschen filmen solle, die essen, trinken oder Spaß haben. Mein Freund war natürlich einverstanden. Während des Forums stellte er fest, dass die Delegierten nichts anderes tun, als zu essen, zu trinken und Spaß zu haben. Er versuchte heldenhaft, auf allen Empfängen, Buffets und Arbeitsfrühstücken die Weltpolitiker nicht beim Essen zu filmen. Doch immer wenn er versuchte, die andere Seite des Raumes zu filmen, dann sah er unzählige Kellner, die Berge von Essen hereinbrachten.

Die Wirtschaftselite der Welt aß, trank und handelte mit Fabriken und Kraftwerken. Man sprach über die globale Erwärmung und verschaffte sich mit Champagner Abkühlung. Es war nicht leicht, alle Delegierten zusammen ins Bild zu bekommen, außer als sie alle gemeinsam zu „Gangnam Style“ tanzten. Mein Freund sollte eine trockene Wirtschaftsreportage im Auftrag der UNO drehen, doch er befand sich inmitten einer Orgie. Ich sagte ihm, er sei selber schuld. Als man ihm gesagt hatte, er soll keine Menschen filmen, die essen, hätte er damit rechnen müssen, dass alle nur essen würden.

Vielleicht habt ihr schon den vielfach Oscar-nominierten Film „The Favourite“ von Regisseur Yorgos Lanthimos gesehen. Der Film erzählt die Geschichte einer englischen Königin im 18. Jahrhundert. Die politischen Entscheidungen im Land werden von einer Hofdame getroffen, die die Königin manipuliert. Währenddessen laufen die Staatsmänner gepudert und mit Perücken herum und haben Spaß. Sie schauen sich ein Entenrennen an und bewerfen sich mit Essen, während das Volk in Scheiße und Elend versinkt.

Im Lauf der Weltgeschichte sind vier Tonnen Sucuk echt gar nichts.

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