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„Generation Zero“: Ein Walking-Simulator mit Schießen

Das Open-World-Spiel „Generation Zero“ will ein Team-Shooter sein, ist aber eher ein Walking-Simulator mit Schießen.

Von Rainer Sigl

Eigentlich könnte es hier ganz idyllisch sein, irgendwo am Land. Die hohen Bäume schwanken leicht in der Brise, die Sonne scheint und Felder, Wiesen und Wälder liegen ruhig da. Genau so stellt man sich das Leben im ländlichen Schweden irgendwann in den Achtzigerjahren vor.

Nur dass im Videospiel “Generation Zero” aus ungeklärten Gründen plötzlich überall mörderische Roboter aufgetaucht sind, flinke, kleine Jäger und Drohnen, aber auch riesige Kampfmaschinen, die nun stumm und bedrohlich in dieser leeren Landschaft patrouillieren. Die Menschen sind vor dieser Invasion aus ihren Dörfern und Häusern verschwunden und wir müssen uns zunächst einmal Ausrüstung und Waffen besorgen, bevor wir den Kampf gegen die unheimlichen Blechkameraden aufnehmen.

Waldspaziergang oder Feuergefecht?

“Generation Zero” ist ein seltsames Spiel. Als riesige Open-World wirkt die unberührte skandinavische Naturkulisse immer wieder wie ein atemberaubend hübscher Walking Simulator; kein Wunder, immerhin haben die schwedischen Entwickler des Spiels unter anderem auch einen ebenso schönen waschechten Jagdsimulator „theHunter: Call of the Wild“ veröffentlicht.

Eigentlich aber, und da beginnen die Missverständnisse, will „Generation Zero“ ein Koop-Shooter sein, in dem man mit bis zu drei weiteren echten Menschen in dramatische Feuergefechte gegen immer gefährlichere Roboter verwickelt wird. Dumm nur, dass diese Kämpfe genauso schnell eintönig und mühsam werden wie das Sammeln und Verwalten von tausend Werkzeugen, Ressourcen und Gegenständen - allein das Umsortieren des viel zu schnell übervollen Inventorys reißt verlässlich nach einem beeindruckenden Start aus der Erhabenheit der Natur direkt hinab in die Hölle des Rucksack-Tetris.

Auch die mysteriöse Story, die sich mit der Formel „80er-Jahre-Nostalgie plus Mystery“ am Publikumsmagneten „Stranger Things“, aber auch an der bald zur TV-Serie werdenden SF-Atmosphärik des schwedischen Illustrators Simon Stålenhag orientiert, entpuppt sich nach vielversprechendem Beginn als eher saftlose Schnitzeljagd ohne große Höhepunkte. Am meisten Spaß macht Wandern durch diese gewaltige, leere Welt tatsächlich dann, wenn man das gebotene Gameplay ignoriert und einfach an dieser exotischen, gefährlichen Robofauna vorbei die leere Apokalypse durchstreifen darf.

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Zwischen den Stühlen

Es ist schade, dass “Generation Zero” irgendwie zwischen den Stühlen sitzen bleibt. Für einen rasanten Team-Shooter ist es auf weite Strecken zu eintönig, für eine Survival-Sandbox zu hakelig. Und für einen entspannenden Walking Simulator stören die gefährlichen Roboter zu häufig die friedliche Naturatmosphäre.

Am glücklichsten werden aktuell mit „Generation Zero“ wohl jene Spielerinnen und Spieler sein, die zuallererst lange Spaziergänge zu schätzen wissen und nichts gegen gelegentliche Schusswechsel haben. Für alle anderen ist “Generation Zero” vermutlich einen Hauch zu minimalistisch.

“Generation Zero” ist für WIndows, PS4 und Xbox One erschienen.

Das ist insofern schade, weil eine derart atmosphärische Sandbox mit einem so faszinierenden Kontrast durchaus Potenzial hätte: zum Beispiel mit größerem Fokus auf Stealth - oder aber als völlig gefahrloser Roboter-Safaripark, in dem man die toll designten Wesen aus Stahl und Plastik in ihrem neuen Lebensraum beobachten darf.

Stattdessen werden bislang wohl beide potenzielle Zielgruppen nicht richtig froh. Aber wer weiß: Vielleicht legt der Entwickler ja nach - und macht „Generation Zero“ doch noch zu einem noch seltsameren, aber damit auch spannenderen Spiel.

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