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Portraitfoto Band Buntspecht

Monika Steinmetzer

Ich bin verrückt genug diese Band zu lieben

Im Kopf sein und gleichzeitig neben sich stehen. Gypsy-Sound spielen und gleichzeitig Popsongs schreiben. Buntspecht lieben es, zu Experimentieren, sich ihren Liedern hinzugeben und haben mit „Draußen im Kopf“ eine unglaublich gute Platte erschaffen.

von Andreas Gstettner-Brugger

Es lässt sich nur schwer in Worten ausdrücken was es ist, das meine Liebe zu dieser Band entfacht hat. Vielleicht ist es dieser unbekümmerte Zugang zur Musik. Dem sich und seinen Spinnereien freien Lauf lassen. Dazu der Mut, die verschiedensten Einflüsse ins sich aufzunehmen, unbewusst einfließen zu lassen und alle Schranken im Kopf niederzureißen.

Wie sonst könnten Buntspecht über „Brennesseln“ singen und daraus ein philosophisches Stück über die Essenz und das Spüren des Lebens machen? Oder mit dem „Hinterkammerl“ auch mal einen betrübten Trinkabend in eine warmherzige Ballade transformieren?

Doch das war nur der erste Streich. Mit dem Stück „Unter den Masken“ der neuen, zweiten Platte „Draußen im Kopf“, gelingt der sechs köpfigen Band der ultimative Ohrwurm, der einen herzerfrischenden, positiven Impetus hat. Es ist ein hymnische Aufruf, Wagnisse einzugehen, sich anderen Menschen zu öffnen und sich nicht hinter Masken und Rollen zu verstecken. Selbst dann, wenn von uns nichts bleiben wird.

Vom Gartenhaus ins Studio

In Unterhosen im einem Gartenhaus im Sommer haben Buntspecht die Songs ihres ersten Album „Großteils Kleinigkeiten“ richtig rausgespuckt, wie es Sänger und Texter Lukas Klein so schön ausdrückt.

Plattencover Buntspecht "Draueßn im Kopf"

Buntspecht/Phat Penguin

Die Platte „Draußen im Kopf“ von Buntspecht mit dem schön selbst gemalten Cover ist auf dem Label Phat Penguin erschienen.

Für „Draußen im Kopf“ ist das Sextett zum ersten Mal in ein großes Studio gegangen, um mit Produzenten Martin Siewert über zwei, drei Monate an den neuen Stücken zu Arbeiten. Es ist ihm hoch anzurechnen, dass er trotz des fetten Sounds die verspielte Live-Atmosphäre, die Ecken und Kanten und die kreative Spontanität von Buntspecht eingefangen hat. Man hört den Spaß, die Ungezwungenheit und die unglaubliche Symbiose, die alle Musiker im Laufe der viele Konzerte miteinander eingegangen sind. So entstehen auch manche der Lieder in kürzester Zeit, in dem ein einziges Wort wie „Rotweinmund“ in den Synapsen der Jungs ein Assoziationsfeuerwerk auslöst. Ein spontaner Freestylerap auf dem Mobiltelefon aufgenommen führt dann zu einem beherztem Plädoyer für das Genießen der Musik und des Lebens im Augenblick. Schließlich sind wir alle nur: hier und jetzt.

Raum- und Zeitlosigkeit

Durch die spontane Herangehensweise beim Songschreiben hat Lukas Klein einen kunstvollen und poetische Stil entwickelt. Er vermischt Alltagsbilder mit witzigen Assoziationen, die dann scheinbare Widersprüchlichkeiten und Mehrdeutigkeiten entstehen lassen. Das spiegelt sich auch im Albumtitel „Draußen im Kopf“.

Buntspecht live:

Lukas: „Das beschreibt perfekt unseren Prozess, wie wir die Lieder erarbeiten und wie ich an die Texte herangehe. Dass du manchmal komplett bei dir bist und hinter deiner Stirn und in deiner Brust hockst und arbeitest. Und manchmal ist alles zerfleddert und verstreut, dass du gefühlt hunderte Kilometer hinter oder neben dir stehst. Es ist diese Nichtdefinierbarkeit was wann wo wirklich stattfindet. Diese Raum- und Zeitlosigkeit.“

So schmuggelt er kuckucksleere Wanduhren in die ganz konkrete, respektvolle Beobachtung eines romantischen Treffens des Mannes von nebenan mit der Frau von gegenüber, während er wie ein Fuchs selbst an der Seite lehnt und Raum und Zeit nur durch die Wäscheleine über der Häuserschlucht verbunden scheinen.

Im kraftvoll dahin swingenden „Waschmaschinentango“ wissen wenigstens die Sackgassen, wohin sie führen und in dem melancholisch angehauchten „Guten Tag“, eines der berührenden Highlights der Platte, hat man nicht nur Lust, auf die Ex-Geliebte und den ersten Verliebtheits-Wahnsinn Lust zu haben, sondern auch Lust so weit zu wandern, bis man sich selbst von hinten sehen kann.

In dem dunkelsten und experimentellsten Stück der Platte, dem sich langsam steigernden „Trümmerträumer“ laufen die Uhren rückwärts und hängen verkehrt, während wir schlafwandlerisch durch eine Szenerie irren, die vielleicht unser eigener Körper ist.

Zuversicht und Naivität in der Liebe und Kunst

Aber nicht nur die Texte entziehen sich jeglicher Kategorisierung, auch der wilde Stilmix lässt sich nicht in eine einzelne Genre-Schublade stecken. Zu groß ist die Liebe für Gypsy-Sound, Klezmer-Musik, Wiener-Lied, Independentmusik, Jazz und Pop, als dass auf diese Referenzen verzichtet werden könnte. Gleichzeitg passiert diese Verschmelzung unbewusst, im magischen Augenblick des Jammens, des sich mit einander Hingebens. So kann man „Draußen im Kopf“ auch als eine Art Zufluchtsort verstehen, oder besser als einen geschützten Ort, wo man nicht nur so sein kann, wie man ist, sondern wo gerade die Individualität, die Diversität und die Einzigartigkeit gefeiert werden.

Wie ein roter Faden zieht sich dieses positive Gefühl durch alle Lieder. Dabei wird nicht die oft harte Realität verleugnet, im Gegenteil. Es wird eine natürliche Resilienz aufgebaut und gestärkt, um den Widrigkeiten den Lebens gefasst und bestimmt entgegentreten zu können.

Buntspecht beim FM4 Überraschungskonzert

FM4 / Chris Stipkovits

Lukas: „Es geht darum, dass auch wenn man mal hart einstecken muss und egal, was alles auf die einprügelt, man sich die Zuversicht bewahrt und die Kraft und den Willen.“

Florentin: „Ja, und vor allem auch die Naivität, dass die nicht verloren geht. Das ist das Wichtigste. In der Liebe und in der Kunst. Weil wenn die Naivität weg ist, dann wird es ziemlich schnell sehr flach und trüb. Das Leben gibt einem dann wenig und man kann selbst auch wenig geben.“

Und so haben Buntspecht uns viel zu geben. Spaß und Freude am Leben, lustige und nachdenkliche Momente und eine handvoll verdammt guter Songs.

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