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Keanu Reeves als John Wick

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Die 8 besten Filme mit Keanu Reeves

Wer sich das Gewaltspektakel „John Wick - Chapter 3“ nicht antun will: Hier sind einige Pflichtfilme mit Keanu Reeves.

Von Christian Fuchs

Fans von Keanu Reeves haben es manchmal nicht leicht. Denn die ambivalente Filmografie des immer noch unglaublich jung wirkenden Hollywood-Stars erinnert an eine Achterbahnfahrt zwischen Meisterwerken und Flopps. Kann sich noch jemand an „Johnny Mnemonic“, „Chain Reaction“ oder „The Watcher“ erinnern?

FM4 Film Talk: Die 8 besten Filme von Keanu Reeves

Keanu ist auch ein kleiner Rekordhalter in Sachen Fehlbesetzungen: Man denke an seinen extrem deplaziert wirkenden Auftritt in „Bram Stokers Dracula“, an die Hauptrolle im pseudospirituellen Kitschstück „Little Buddha“ oder an den glücklosen Versuch, sich als Martial-Arts-Superstar in „Man of Tai Chi“ oder „47 Ronin“ neu zu erfinden.

Profitiert hat Keanu Reeves von seinen Kampfsport-Kenntnissen aber in seiner großen Comebackrolle. Als Ex-Auftragskiller John Wick wagt er sich in Auseinandersetzungen mit Kung-Fu-Größen aus aller Welt. Und schlägt sich dabei im wahrsten Sinn des Wortes gut. Leider entwickelte sich die erfolgreiche Saga aber spätestens mit „John Wick - Chapter 3: Parabellum“ zum stumpfen Action-Overkill mit pervers hoher Kopfschuss-Dichte.

Keanu Reeves als John Wick

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Dabei hat alles so toll angefangen. In der spannenden Karriere des gebürtigen Kanadiers Keanu war vieles möglich. Auf der einen Seite ikonisches Blockbusterkino und Komödien, auf der anderen Seite immer wieder der Rückzug in die sensible Indie-Szene. Die Nörgler, die Keanu Reeves in sämtlichen Rollen als hölzern und ausdruckslos abstempelten, haben das Phänomen nie verstanden.

FM4 Film Talk mit Keanu Reeves

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FM4 Film Talk: Keanu Reeves
Wir haben uns in der aktuellen Ausgabe unseres Film-Podcasts ganz und gar der Filmografie von Keanu Reeves gewidmet. Es plaudern Christian Fuchs und Jan Hestmann.

Seine eingeraucht wirkende Gelassenheit passte nicht nur perfekt zu Werken von Gus van Sant oder Richard Linklater. Vor allem Action-Epen wie wie „The Matrix“ wurden durch Keanus seltsam androgynes Charisma erst besonders. In diesem Sinne: Bitte das Eingangs-Genörgel vergessen, sich zurücklehnen und all die schönen Keanu-Parts im Kopf Revue passieren lassen.

„River’s Edge“ (Das Messer am Ufer, 1986)

1987, irgendwo in der amerikanischen Provinz. Perspektivlosigkeit hängt in der Luft, Speedmetal dröhnt aus den Autoradios junger Burschen. Aus einem irrationalem Impuls heraus tötet ein Teenager seine Freundin und zeigt die Leiche stolz seinen Freunden. Lange passiert nichts in diesem Film, während die Leiche unten im Fluss liegt, dann beschließt eine Gruppe von Kids zur Polizei zu gehen.

Bevor er zu einem der führenden TV-Regisseure unserer Zeit wurde, drehte Tim Hunter dieses eisige Prä-Grunge-Teenage-Drama über Mord aus Langeweile. Neben dem durchgeknallten Crispin Clover mitten im trüben Bild: Keanu Reeves als verträumter Milchbart und Teilzeit-Rebell.

„Point Break“ (Gefährliche Brandung, 1991)

Kathryn Bigelows großartiges Frühwerk wurde ja vor 2015 wiederverfilmt. Völlig unnötig, denn wie Keanu Reeves als jugendlicher Undercover-Cop hier in eine Gang von kriminellen Surfern hineingerät, ist schwer zu toppen.

Ich zitiere meinen Kollegen Jan Hestmann: „Was die Action betrifft, kann sich „Point Break“ knapp 30 Jahre später immer noch sehen lassen. Sie kommt nur in kleinen Dosen, dafür aber umso effektiver, etwa dann, wenn Johnny ohne Fallschirm aus dem Flieger springt, oder wenn er einen Drogenverschlag auf eigene Faust stürmt und die Situation mächtig eskaliert. In der hohen Intensität dieser kurzen Actionsequenzen scheint Kathryn Bigelows großes Inszenierungstalent, das sie in späteren Filmen noch ausbauen wird, deutlich durch.“ Ach ja, neben dem geballten Keanu-Einsatz gibt es Bonuspunkte für Patrick Swayzes Frisur.

„My Own Private Idaho“ (Das Ende der Unschuld, 1991)

Einer der ultimativsten Keanu-Streifen zeigt ihn in dieser Roadmovie-Ballade an der Seite seines besten Kumpels, des tragisch verstorbenen River Phoenix. Gemeinsam ziehen die beiden als Strichbuben durch die Gegend um Portland, Oregon. Ein moderner Klassiker über das ziellose Herumdriften, über Weggabelungen im Leben und bewusst unscharfe Geschlechterverhältnisse. Ein Film, der an die besten Songs von Nirvana erinnert und zu den Schlüsselwerken von Gus van Sant gehört.

„Speed“ (1994)

Als ein Erpresser (großartig: Dennis Hopper) einen entführten Linienbus mit einer Bombe präpariert, beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Mittendrin in der ansteckenden Hektik: Keanu Reeves als Polizist des LAPD und Sandra Bullock als Fahrgast. Das virtuose Timing des Regiedebüts von Kameramann Jan de Bont fasziniert heute noch.

„Point Break“ war zwar die Initiation von Keanus Reeves im Actiongenre, in „Speed“ wirkt sein Auftritt aber noch ungewöhnlicher. Man muss sich das retrospektiv einmal vorstellen: Nachdem in den 80er-Jahren das Actionkino fest im eisernen Griff der aufgepumpten Übermänner war, stand plötzlich dieser fesche Jüngling, dieser Anti-Stallone, für eine Neuorientierung.

„The Matrix“ (1999)

Fast aus dem Nichts kam damals dieses dystopische Epos der Geschwister Wachowski und revolutionierte 1999 das Science-Fiction-Action-Kino. Der wilde Mix aus Latex und Leder, Mystizismen, Martial Arts-Kämpfen und vor allem bahnbrechenden Special Effects machte Keanu Reeves gleich zur mehrfachen zeitgenössischen Pop-Ikone. Verschwörungstheoretiker verehrten seine Figur des Hackers Neo ebenso wie Kampfsport-Fans sein Zeitlupen-Kung-Fu bewunderten. Die zwei Nachfolgeteile waren aufgeblasener pseudophilosophischer Quatsch, aber der Originalfilm rockt noch immer sehr.

„Thumbsucker“ (2005)

„Ich glaube, wir müssen alle ein wenig kaputt sein, um okay zu sein“, sagt der ehemalige Videoclip-Regisseur Mike Mills („20th Century Women“) über seinen charmanten Debütstreifen. Der bedächtige, bittersüße und witzige Indie-Streifen über einen ewigen Daumenlutscher macht jedenfalls allen verkorksten Existenzen Hoffnung. Es ist aber auch nicht schwer die Kleinstadt-Loser aus diesem Film ins Herz zu schließen, zu denen auch Keanu Reeves gehört. Als esoterisch angehauchter Hippie-Zahnarzt zeigt er, was für ein lässiger Komödiant in ihm schlummert.

„A Scanner Darkly“ (Der dunkle Schirm, 2006)

Um Paranoia und Psychosen kreist diese Verfilmung eines psychedelischen Kultromans von Philip K. Dick. „A Scanner Darkly“ erzählt von einer nahen Zukunft, in der Amerika zum totalen Überwachungsstaat geworden ist. Undercover-Agenten machen Jagd auf die Dealer und Süchtigen einer knallharten Droge namens „Substance D“.

Regisseur Richard Linklater, dem wir etliche Indie-Klassiker verdanken, bedient sich einer speziellen Animationstechnik, bei der Schauspieler wie Keanu Reeves, Winona Ryder oder Woody Harrelson digital in Trickfiguren verwandelt werden. Dieser Zugang ermöglicht eine ziemlich atemberaubende Ästhetik, auch wenn die drogenverseuchten Dialoge auf Dauer durchaus ermüden. In einer Phase, in der Keanu mit Mainstreamfilmen wie „Constantine“ oder „The Day The Earth Stood Still“ bitter scheitert, ist dieses Sci-Fi-Experiment sein interessantester Film.

„Knock Knock“ (2015)

Es fängt harmlos an. Ein Architekt genießt ein freies Wochenende ohne Frau und Kinder. Aber der Hausfrieden wird gestört, als zwei junge attraktive Frauen Zuflucht vor der sturmdurchpeitschten Nacht suchen. Eine Weile weicht Evan, perfekt ambivalent von Keanu Reeves verkörpert, den geheimnisvollen Besucherinnen aus. Aber sie umgarnen ihn, schmeicheln ihm, drücken die richtigen Midlife-Crisis-Knöpfe. Und dann bricht für Evan die Hölle los.

„Knock Knock“ von Eli Roth begeistert als diabolische Satire, die von unüberbrückbaren Gegensätzen erzählt: Zwischen Männern und Frauen und zwischen Generationen. Der beste Keanu Reeves Film der letzten Jahre, der im Vergleich zu den Comic-Blutbädern des John-Wick-Saga auch wirklich wehtut.

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