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Dietmar Kühbauer (Trainer SK Rapid Wien)

APA/GEORG HOCHMUTH

Blumenaus Fußball-Journal

Die Trainer-Entlassung als integrativer Teil des Saison-Plans

Nächste Woche ist schon Trainingsbeginn für den heimischen Liga-Betrieb 2019/20. Wirklich bereit scheinen die Vereine nicht. Auch weil die Figur des Trainers immer mehr zum Spielball wird.

Von Martin Blumenau

Eine gute Vorbereitung ist der halbe Saisonerfolg, das ist so eine fußballerische Bauernregel. Die zu beachten vor allem dann, wenn man eine Saison wie die letzte, in der acht von zwölf Bundesligisten ihre Coaches mittendrin wechselten (einige sogar mehrfach), in Betracht zieht, jedem auch kaufmännisch denkenden Vereinsverantwortlichen klar sein sollte.

Nächste Woche ist nun Saisonauftakt, mit dem Trainingsstart nach nur kurzem Urlaub – da sollten die Lehrpläne und Anforderungslisten, da sollte die Trainingslager-Logistik, da sollten auch die Transfers eigentlich längst unter Dach und Fach sein. Trotzdem hat ein Bundesliga-Verein noch keinen Chefverantwortlichen, ein weiterer hat ihn erst vor zwei Tagen präsentiert, bei einem Dritten wird gar erst noch überlegt zu wechseln.

Das war die Bilanz der letzten Liga-Sasion.
Das war der erste Blick auf die Frauen-WM, zu der ich dieses Sonderheft nur empfehlen kann, das war gestern der zweite Blick, und zwar auf Deutschland vs Spanien.

Zuletzt in Blumenaus Fußball-Journal, das jetzt wieder regelmäßig erscheint: der letzte Test der U21 vor Beginn der ersten U21-Euro, an der der ÖFB teilnehmen darf. Außerdem: Analyse des Mazedonien-Ausflugs des ÖFB-Teams sowie Preview und Nachlese zum Slowenien-Länderspiel.

Das sind die Vorgängertexte, egal ob als #dailyblumenau auf der neuen oder der alten Website, oder im langjährigen Journal. Ein regelmäßiges Journal zu diesen Themenfeldern wird im Herbst folgen.

Das alles signalisiert: So wichtig ist er nicht, der zwar medial - in der Außenwahrnehmung - wichtigste Posten eines Fußball-Vereins, der gleichzeitig aber das schwächste und deshalb am leichtesten wieder zu entfernende Glied in der Verantwortungs-Kette darstellt.

Denn es sind in den seltensten Fällen die Spieler, kaum jemals die Funktionäre und auch weniger die sportlichen Geschäftsführer - so sie in der heimischen Sparefroh-Liga, die lieber einen nur per Videoansicht geprüften Spieler kauft als Geld für einen Sportchef auszugeben, überhaupt existieren. Es sind die Trainer, die Chef-Coaches, und ihr jeweiliger treu mit groundhoppelnder Stab.

Weil in den von zunehmender Hektik getragenen Planungen die Faktoren „Sündenbock-Fraß-Vorwurf“, „Neu-Stimulierung geistig müder Spieler“, „Neu-Anfütterung erregungsgeiler Medien“ und „Populistische Befriedung von Fan-Anforderungen“ ohnehin ein bis gar zwei Trainer-Entlassungen fix vorgesehen sind. Die letzte Saison sah nur die Top 3 der Liga und den sensationell die Klasse haltenden Außenseiter ohne diese kruden Maßnahmen.

All das, sowohl die gute Performance von Hartberg als auch die präzise Arbeit beim LASK und Wolfsberg (von Red Bull gar nicht erst zu reden), war schon früh in der Saison sichtbar. Die aktionistischen Maßnahmen der Konkurrenz hatten allesamt (und vorhersehbarerweise) weder Sinn noch den Erfolg; Erfolg, den die rechtzeitige Einstellung von sportlichen Verantwortlichen, die eine Philosophie entweder selber entwickeln oder mittragen können, quasi automatisch nach sich zog.

Die Trainerlage zum aktuellen Saisonauftakt ist diesbezüglich besonders interessant, weil sie eine Gleichung mit vielen Unbekannten ist. Es gibt zwei längerfristig bestehende Beziehungen (Schopp und vor allem Silberberger beim Aufsteiger Wattens) und drei Verehelichungen nach einem Pantscherl (Kühbauer, Geyer und Pastoor).

Anmerkung zu Alexander Schmidt: am Freitag, als dieser Text entstand, war anzunehmen, dass er Montag als Chef-Coach präsentiert werden würde. Es ist dann bereits am Samstag, also direkt flott, geschehen.

Anmerkung zu Klaus Schmidt: er warf Sonntag entnervt das Handtuch. Mattersburg will sich mit einem Provisorium durchwursteln.

Sechs Cheftrainer sind ganz neu: Ilzer erstmals bei einem Großverein, Struber, El Maestro und wahrscheinlich Alexander Schmidt erstmals in der obersten Liga, Marsch und Ismael sind ganz neu im Land.
Ob der zwölfte, Klaus Schmidt, überhaupt dabei sein wird, ist noch nicht fix. Mattersburg hat noch mehr Zeit als alle anderen.

Stilistisch lassen sich die Coaches in drei Gruppen teilen:

1) Die klassischen Österreicher – Kühbauer, Klaus Schmidt, Schopp, Ilzer und Silberberger, Trainer, die die Öffentlichkeit seit Jahren kennt.

2) Die neuen Ausländer – El Maestro, Geyer, Pastoor und Ismael, allesamt wenig bekannte Coaches, die sich über Nachwuchs-Jobs und/oder sportwissenschaftliche Skills interessant gemacht haben.

3) Die Red Bull Coaches – Marsch, Struber, Alexander Schmidt, also Trainer, die in der Nachfolge von Rose, Glasner, Zeidler oder Letsch die bestmögliche Ausbildung des Landes genossen haben und eine hohe Erfolgsrendite versprechen.

Natürlich existieren auch innerhalb dieser Gruppen gravierende Unterschiede: die strategisch hochausgefeilte Arbeit eines Christian Ilzer lässt sich nicht mit der „Emotion“ und „Mentalität“ durch Kraft seiner Person evozierte Modell von Didi Kühbauer vergleichen.

Naturgemäß provinzieller ist die Verteilung in der 2. Liga, wo nach dem Abschied von Tobi Schweinsteiger aus OÖ nur noch beim Farmteams von Red Bull Salzburg auf Internationalität und den Nachwuchs-Aspekt geachtet wird. Übel sieht es bei Absteiger Wacker Innsbruck aus, wo derzeit alle Strukturen im Fluss sind und alles in Frage steht.

Auch wer die bewusst inklusive, gut vorbereitete und im Stil der neuen Kanzlerin einnehmende Antritts-Pressekonferenz von Valerian Ismael mit der abblockenden, unkommunikativen, im Stil der alten Message Control gehaltenen PK von Nestor El Maestro vergleicht, wird keinen größeren Gegensatz finden können.

Wie sich die drei zuletzt in Tal der Tränen befindlichen sogenannten Groß-Klubs Austria, Sturm und Rapid in der nächsten, durchaus richtungsweisenden Saison schlagen werden, lässt sich angesichts unklarer und undurchdachter Spielphilosophien einerseits und noch nicht geklärter Wirkungsmacht zweier mit viel Vorschuss-Lob bedachter, auch international gefragter Namen noch nicht sagen. Weil aber auch die Vereine mit dem Vorsprung einer etablierten Ausrichtung und Idee zwei (auch kulturell) ganz neue Gesichter eingespannt haben, sind Salzburg und LASK gar nicht so weit vorne, wie man denken mag.

Den Text gibt’s auch zum Anhören als Podcast.

Blumenaus Fußball-Journal 140619

Außerdem sind alle zwölf Klubs davon abhängig, wen sie noch ans Ausland verlieren werden; und das könnten wirkliche Stützen sein, die kurzfristig (also bis zum Länderspiel-Break im September) nicht ersetzbar sein werden. Unwägbarkeiten, wohin das Auge reicht. Und gegen eine aufgeheizte Stimmung bei drei oder vier sieglosen Spielen erweisen sich die meisten Präsidenten so wenig wehrhaft, dass es völlig egal ist, welche Arbeit wirklich geleistet wurde. Insofern ist die pragmatische Wurschtigkeit einiger Vereine, was die Rechtzeitigkeit ihrer Entscheidungen zum Trainingsauftakt betrifft, auch wieder nachzuvollziehen, vor allem im pragmatische Provisorien vergötternden Österreich.

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