FM4-Logo

jetzt live:

Aktueller Musiktitel:

Gaming Sessel

Corsair

Sitzen wie im Rennauto: Gaming-Sessel

In der Gaming-Community hat sich ein spezieller Typ Sessel mit hoher Lehne und spacigem Lederbezug durchgesetzt. Gamerin Marlene erzählt, wieso sie beim Spielen so einen Gaming-Sessel braucht und Industrial Designer Alessandro analysiert die eigenwillige Formensprache.

Von Felix Diewald

Marlene hat sich vor vier Jahren einen Gaming-Sessel gekauft, „auch weil meine Freunde einen hatten.“ Marlene Danzinger ist 27 und Lehrerin an einem Gymnasium. In ihrer Freizeit spielt sie gerne League of Legends und Skyrim. „Ich sitze schon so zwei bis fünf Stunden pro Tag in meinem Gaming-Sessel“, erzählt sie.

Marlene in ihrem Gaming Sessel

privat

Marlene hat ein Modell einer Firma, die eigentlich Sitze für Sportwagen herstellt. Mitte der Nuller Jahre hat das Unternehmen erkannt, dass Gamer ähnliche ergonomische Bedürfnisse haben wie Lamborghini-Fahrer. „Ermüdungserscheinungen hat man auch in Gaming-Sesseln,“ sagt Marlene, „aber ich kann schon viele Stunden drin sitzen, ohne das mir was weh tut.“

Bei Streaming-Diensten wie Twitch sind Gaming-Sessel immer groß im Bild und so zu einem Statussymbol geworden. Daher ist auch die Nachfrage riesig: Sogar österreichische Möbelhäuser versuchen mitzuspielen und bieten Modelle ab 50 Euro an, gute Sessel kosten aber einige hundert, professionelle bis zu 1000 Euro.

Anders als ein Büro-Sessel

„Der Gaming-Stuhl unterscheidet sich in ein paar Punkten von einem klassischen Bürostuhl“, sagt Alessandro Giarratana, der sich während seines Industrial Design-Studiums viel mit Gaming-Sesseln beschäftigt und auch selbst einen entworfen hat. „Der Gaming-Sessel hat andere ergonomische Prioritäten - zum Beispiel ist die Schulter besser gestützt als bei einem klassischen Bürostuhl und die Lehne geht bis zum Kopf.“

Gamerin Marlene glaubt, dass der Hype um die Gaming-Sessel mit E-Sport-Events zu tun hat. Denn Menschen, die bei einem Turnier einfach nur vorm Bildschirm sitzen und spielen, sehen nicht gerade spektakulär aus – und lassen sich schwer vermarkten. Das geht besser, wenn es mit Renn-Sesseln und großen Headsets aussieht wie in einem Boxenstall bei der Formel 1.

Eine japanische Werbung für einen der ersten Gaming-Sessel in den Achtziger-Jahren.

privat

Eine japanische Werbung für einen der ersten Gaming-Sessel in den Achtziger-Jahren.

Industrial Designer Alessandro Giarratana kann den Gaming-Sesseln ästhetisch nicht viel abgewinnen. „Mir fällt es schwer, den Zusammenhang zwischen Gaming und der Formensprache dieser Stühle herzustellen. Sie erinnern mich eher an diese Neunziger-Jahre-Chefsessel, in denen der Chef im Büro gesessen ist.“

Giarratana findet, dass sich die Gaming-Sessel designtechnisch weiterentwickeln sollte: „Vielleicht Controller-Elemente in den Sitz einbauen, so dass man durch Gewichtsverlagerung das Spielgeschehen beeinflussen kann. Ich finde, man könnte allgemein weg von dieser Autoindustrie-Ästhetik gehen und in der Funktionalität mutiger und eigenständiger werden.“

Diskutiere mit!

mehr Netzkultur:

Aktuell: