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Bilderbuch beim Ahoi Pop Festival

Christoph Thorwartl | subtext.at

Bilderbuch, Yung Hurn und Lou Asril beim Ahoi Pop Open Air

Drei Bands und drei Euphorie-Wellen beim Ahoi Pop Open Air in Linz.

Von Susi Ondrušová

„5.000 Zeichen, aber nicht so cool wie Mike“

Die gute Nachricht zuerst: Es hätte alles viel schlimmer kommen können mit dem Wetter. 2016, bei der ersten Ausgabe des Linzer Ahoi Pop Open Airs (damals noch „Ahoi Full Hit Of Summer“) hat es beim Auftritt von Beirut schließlich vom Himmel geschlatzt, als ob es kein Morgen gäbe. Die schlechte Nachricht ist, es hat natürlich trotzdem geregnet, aber der Großteil der Besucher*innen schien darauf vorbereitet.

Publikum von Bilderbuch beim Ahoi Pop Festival

Christoph Thorwartl | subtext.at

Gummistiefel-Kollektionen der letzten 15 Jahre sah man auf der Donaulände. Wer nicht mit Regenhaut von Zuhause ausgestattet kam, konnte sich einen gratis Regenponcho holen. Es ist Sommer, die diesjährige Festivalsaison ist unberechenbar. Nicht so unberechenbar wie vor 10 oder 15 Jahren ist heute die Idee, ein Open-Air-Festival mit rein österreichischen Acts zu bespielen!

Lou Asril beim Ahoi Pop Festival

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Lou Asril, der FM4 Soundpark Act des Monats Juli eröffnet den Abend. Die Zahl seiner Livegigs kann man noch an einer Hand abzählen. Er war einer der wenigen Acts, die bei der diesjährigen Amadeus-Verleihung beim Eröffnungs-Medley zu den ersten Klängen seines Tracks „Divine Goldmine“ einen „Szene-Applaus“ im Saal bekommen hat. Eine atemberaubende Stimme, die spontanem Applaus einlädt. Er ist einer der österreichischen Newcomer, den man unbedingt im Auge behalten sollte. Bis auf zwei Songs besteht sein Set in Linz aus unveröffentlichten Songs, unterstützt wird er von seiner Band und zwei Vokalistinnen. Ein smoother Beginn für einen euphorischen Konzertabend. Seinen nächsten Auftritt absolviert Lou Asril auf der Seebühne am Popfest.

Yung Hurn beim Ahoi Pop Festival

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Yung Hurn tourt in diesem Sommer in Österreich an der Donau entlang: Nach dem Auftritt auf der FM4 Bühne am Wiener Donauinselfest performt er also gestern an der Donaulände in Linz für die 7.000 Festivalgäste. Sein DJ eröffnet das Konzert mit Lionel Richies „Say You, Say Me“ und entlässt die Menge am Ende mit Oasis’ „Wonderwall“ in den Abend. Dazwischen verteilt Yung Hurn seine eigenen Ohrwürmer: Wieso machst du das? Andi Goldberger! Fick die Polizei! Bianco! Ok Cool! Die Yung Hurn Fans unterstützen, zwar nicht so laut wie auf der Insel, aber genauso textsicher, ihren Trap-Gott, wie er auf der Bühne sein letztes Hemd gibt, das er nicht anhat, denn in Linz entscheidet er sich für eine durchsichtige Regenhaut und einen Schal, den er um seinen fiebrigen Kopf wickelt.

Yung Hurn beim Ahoi Pop Festival

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Die Sitzpolster, die auf dem Festivalgelände als trockene Unterlage gratis an die Festivalgäste verteilt werden, fliegen durch die Luft. Einige haben die Schaumstoff-Rechtecke zu einem schönen Y und H geformt. Dem Musiker entgeht nichts und so lässt er sich gegen ein Selfie mit seinen eigenen Initialen aus Schaumstoff beschenken. Die Kamerafrau auf der Bühne wird gekitzelt, der Security-Mann im Graben wird gestreichelt. „Ich will so viel Nebel, bis die Maschine leer ist!“, sagt Yung Hurn. Hätte er nicht erwähnt, dass er an diesem Abend Fieber hat, es wäre vielleicht niemandem aufgefallen, dass er sich unwohl fühlen könnte.

Auch das ist ein gutes Konzerterlebnis: Wenn man glaubt, nicht mehr zu können, aber dann magisch durch die Menge aufgeladen wird. Fieber, was ist das? Vielleicht der Titel einer neuen Yung Hurn Single aber sicher kein Grund, eine schlechte Show zu liefern. „Gute Laune“ waren die letzten Worte, die er dem Publikum zugerufen hat. Gute Laune gewinnt.

Bilderbuch beim Ahoi Pop Festival

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Schönbrunn, Poolbar, Donaulände. So schaut der Tourplan der „Oberösterreicher des Jahres“ aus. Mit diesem Titel sind Bilderbuch heuer von den oberösterreichischen Nachrichten gewürdigt worden.

Kein Preis zum ins Regal Stellen wie den einen oder anderen Amadeus Award, aber trotzdem eine Auszeichnung, die bei diesem Heimspielkonzert Erwähnung findet. Andere schöne Sätze, die ein zu gut gekleideter Maurice an diesem Abend noch sagt: „Die Leut reden immer vom Hass, aber wir lieben uns Linz oder?“ und „Die Donau verbindet Länder und heute verbindet sie uns!“

Bilderbuch beim Ahoi Pop Festival

Christoph Thorwartl | subtext.at

Bilderbuch gibt es nun auch schon seit 14 Jahren. Sie sind quasi ein Jahr jünger als Facebook. Es gab ein Leben vor „Maschin“. Meine Kollegin Juliane Lehmayer macht sich vor dem Konzert auf die Suche nach den Bilderbuch Fans der ersten Stunde: sie erfährt von erinnerungswürdigen Konzerten am Noppen Air Festival oder in „einer ganz kleinen Bar im Mühlviertel, da hat sie noch keiner gekannt“. Eine andere Besucherin erinnert sich: „Sie waren immer auf den gleichen Bandcontests wie Christl Stürmer. Die haben richtig Gas gegeben. Das ist total schön in Oberösterreich, wir haben viele erfolgreiche Bands, das ist, glaub ich, weil wir so viele Musikschulen haben.“

Bilderbuch beim Ahoi Pop Festival

Christoph Thorwartl | subtext.at

Vorgeschichte und Vorwissen hin oder her: Man braucht sich bei einem Konzert nur die ersten Reihen anschauen, um den Stimmungsbarometer der Fanliebe abzutesten: Zwei Jungs in gelben Regenmänteln picken am Gitter fest und feiern jede Zeile mit. Hut ab auch vor den Besucher*innen, die ihre Begleiterinnen über mehrere Songs lang tanzend auf den Schultern getragen haben.

Wer eines der beiden Bilderbuch-Konzerte vor dem Schloss Schönbrunn heuer besucht hat, glaubt vielleicht, schon das beste Bilderbuch-Konzert gesehen und gehört zu haben. Nein. Glaubt mir. Man wird nicht Bilderbuch, wenn man auf einen Höhepunkt hinschielt und den dann abhakt und sich auf die Schultern klopft und zurückgelehnt wartet, bis etwas neues Aufregendes passiert.

Ein guter Headliner, eine perfekte Band ist eine Gruppe, die es versteht, jedes Lied im Set so zu spielen, als ob es wahlweise das aufregende erste Lied im Set wäre oder das abschließende, uns in die Nacht entlassende letzte Lied bei einem Konzert. Das ist ein Bilderbuch-Konzert.

Bilderbuch beim Ahoi Pop Festival

Christoph Thorwartl | subtext.at

Nächste Woche treffen wir die Jungs zum Interview am Melt Festival und in zwei Wochen wird dann, wie von Maurice beim Konzert angekündigt, die „neue Nummer Eins der Ö3 Austrian Top40 Charts“ erscheinen: der Song „Mr Refrigerator“. Jener „über-funky Rock-Kracher“, der bislang nur auf Live-Konzerten zum Besten gegeben wurde. Es wird ein herrliches Musikjahr mit dieser Band. Nie game over.

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