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Sleater-Kinney

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Song zum Sonntag

Sleater-Kinney reparieren eine Welt der Katastrophen

Der Song zum Sonntag: „The Center Won’t Hold“ ist einer der letzten Songs von Sleater-Kinney als Trio.

Von Christoph Sepin

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  • Auch die geschätzten Wissenschafts- und Popjournalist*innen Thomas Kramar und Heide Rampetzreiter machen sich in der Presse am Sonntag zum jeweils selben Song ihre Gedanken.

Ein Lied, das uns „in eine Welt der Katastrophen hineinfällen lässt“, so beschreibt Sleater-Kinney Vokalistin Corin Tucker den Titeltrack zur neuen Platte der Band „The Center Won’t Hold“. „Eine Welt der Katastrophen, die sich mit der Wahl beschäftigt und fast ein Mission Statement“. Wie es in guter Musik mit politischen Statements üblich ist, gibt es auch hier einen Blick nach innen, als Bild für die Welt da draußen.

Am 16. August erscheint „The Center Won’t Hold“, das mittlerweile neunte Studioalbum der herausragenden Gruppe aus Olympia, Washington, produziert von niemand anderer als Annie Clark, besser bekannt als eine der besten Musikgestalten der Welt, St. Vincent. Das Trio Sleater-Kinney wird zu dem Releasezeitpunkt aber nurmehr als Duo existieren: Vor wenigen Tagen gab Langzeitdrummerin Janet Weiss bekannt, die Band zu verlassen. „The band is heading in a new direction and it is time for me to move on“, so Weiss.

Fragmente dieser neuen Ausrichtung lassen sich gleich auf „The Center Won’t Hold“ finden, einem Titeltrack, bei dem man nie vergessen sollte, dass das der Opening-Song zum Album sein wird. Stimmungen werden vorgegeben, ein Gefühl von Beklemmung und Unruhe. Eine kalte Welt der Desorientierung, die Sleater-Kinney hier zeichnen.

Da hilft zuerst mal nur Introspektion, um den eigenen Fokus zu finden. Das titelgebende Zentrum, das nicht halten will, beispielsweise, als eine der vielen Auslegungen für den Songnamen. „I need something pretty“, als erste Zeile, „to help me ease my pain“. Simple Statements mit mehreren Ebenen gleich zu Beginn, die Suche nach dem Eskapismus, der schönen funkelnden Ablenkung. Irgendwas Schönes, das man anstarren kann, um die Hässlichkeit der Welt zu vergessen.

Aber das ist nicht genug, es wird nach mehr gefordert, nach etwas Heiligem, nach Geld, nach etwas Schmutzigem, nach etwas Hässlichem: „I need something ugly to put me in my place“. Dazwischen immer wieder als einprägende Phrase, „The center won’t hold“. Das persönliche Zentrum könnte hier genau so gemeint sein, wie das allgemein politische, oder auch einfach nur ein Zentrum als Symbol für Sicherheit und Ausgeglichenheit. Bilder, die von Sleater-Kinney durch Text und Instrumente gemalt werden, sind düstere Prophezeiungen am Rande der Verzweiflung.

Dann darf es aber doch noch den Moment der Erleichterung geben, wenn nach ein paar Minuten typische Rockgitarren das Lied refokussieren und der Gesang stärker und selbstbewusster wird. Das anfangs genannte Mission Statement der Band, das hier aufgeht: „At the end of that song, it’s like the band is finding its way out of that space by becoming a rock band“, so Tucker. Die katastrophale Welt kann doch repariert werden, das bleibt am Ende des Songs übrig und ein Vorgeschmack auf das was kommt, mit der neuen Platte von Sleater-Kinney.

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