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"This War of Mine: Fading Embers"

11 Bit Studios

„This War of Mine: Stories - Fading Embers“ erzählt Geschichten vom Überleben

Das Antikriegsspiel „This War of Mine“ hat mehrere Jahre nach der Erstveröffentlichung eine letzte Erweiterung spendiert bekommen. Das Game eignet sich heute aber nur noch bedingt zum Erzählen von Geschichten.

Von Robert Glashüttner

Wir werden mitten in die Katastrophe geworfen und müssen schauen, wie wir zurechtkommen. Es ist so, wie in Wirklichkeit, wenn die eigene Heimat innerhalb weniger Wochen plötzlich zum Kriegsgebiet wird: Man ist überfordert und unvorbereitet, zumindest seelisch.

„This War of Mine“ aus Ende 2014 orientiert sich vom Setting her an der fast vierjährigen Belagerung Sarajevos in den 90er Jahren. Eine vormals friedliche Wohngegend wird zur Hölle. Überleben bedeutet ab sofort auch, seine moralischen Prinzipien über Bord werfen zu müssen. Ohne Diebstahl geht es bald fast nicht mehr, und auch Mord wird leider irgendwann eine Option.

Kriegsgeschichten

„This War of Mine“ war vor knapp fünf Jahren ein ebenso tristes wie eindrucksvolles Spiel. In einer Querschnittsansicht haben wir Zivilist*innen durch zerbombte Häuser navigiert, immer mit dem Ziel, gerade genügend Nahrung, Wärme, Schlaf und Ressourcen zur Selbstverteidigung zu finden. Immer wieder musste man zwischen zwei Übeln wählen und unangenehme Entscheidungen treffen, damit am Schluss zumindest ein Teil der Gruppe überleben konnte.

„This War of Mine“ von 11 Bit Studios ist für Windows, MacOS, Linux, iOS, Android, PS4 und Switch erschienen.

2017 hat die zuständige polnische Spieleentwicklerfirma 11 Bit Studios damit begonnen, unter dem Namen „This War of Mine: Stories“ spezielle Kampagnen für ihr Game nachzureichen. Dort liegt der Fokus mehr bei einer bestimmten Erzählung und weniger bei der Überlebenssimulation allgemein. Zuerst ist „Father’s Promise“ erschienen, eine Geschichte, bei der ein desperater Vater seine Tochter vor den Grauen des Krieges beschützen möchte. „The Last Broadcast“ (2018) beschäftigt sich anhand einer Radiostation mit Propaganda und Wahrheit im Krieg.

"This War of Mine: Fading Embers"

11 Bit Studios

Letzter Teil

„Fading Embers“, was übersetzt so viel bedeutet wie abklingende Brandglut, ist nun der letzte Teil der „Stories“-Reihe. Hier geht es um das Kulturerbe, das erhalten werden soll. Die Hauptfigur Anja versucht, trotz der Kriegswirren Holzschnitzereien und Malereien aus ihrer Familie aufzuheben. Das ist alles andere als einfach, wenn man ständig friert und etwas zum Einheizen braucht. Später im Spiel wird dann auch ein zerbombtes Kulturmuseum im Zentrum stehen, wo versucht wird, trotz der dramatischen Situation durch bestimmte Ausstellungsstücke die kulturelle Identität zu bewahren.

Die Geschichte verliert sich im Crafting

Trotz des interessanten Settings treten die erzählerischen Elemente leider recht schnell in den Hintergrund. Das liegt vor allem daran, dass „Fading Embers“ (ebenso wie die beiden Vorgängergeschichten) immer noch auf dem Hauptspiel „This War of Mine“ aufbaut – ein Spiel, bei dem es vor allem darum geht, ständig Gegenstände zu finden, zu kombinieren und möglichst effizient zu verteilen. Die Geschichte um Anja und ein paar andere Figuren, die im Krieg nicht nur sich selbst, sondern auch möglichst viele Kunst- und Kulturschätze ihres Landes retten wollen, geht in diesem sehr technischen Spielprinzip weitgehend unter.

"This War of Mine: Fading Embers"

11 Bit Studios

Es ist zwar erfreulich, dass „This War of Mine“ einige Jahre nach der Erstveröffentlichung immer noch neue Inhalte spendiert bekommt. Besondere Überraschungen und mitreißende Erzählungen wird man aus dieser Game-Engine aber nicht mehr herausbekommen.

Der Nachfolger macht’s besser

Wer eine ebenso spannende wie aufreibende Balance zwischen Story und Ressourcen-Management sucht, ist mit dem neueren Game von 11 Bit Studios besser bedient: „Frostpunk“ (FM4 hat berichtet) erzählt von einer Steampunk-Eiszeit, in der sich Siedler*innen rund um einen großen Ofen ansiedeln, um bei bis zu minus 100 Grad Celsius hoffentlich zu überleben.

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