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"Nowhere Prophet"

Sharkbomb Studios / No More Robots

Die Indiegames „Nowhere Prophet“ und „Dicey Dungeons“ peppen Karten und Würfel ordentlich auf

Wir kämpfen uns mit digitalen Würfeln und Karten durch gezeichnete Dungeons und Wastelands.

Von Robert Glashüttner

Taktische Computerkartenspiele sind weiterhin an allen digitalen Ecken zu finden. Ich finde das großartig, weil ich so gut wie jedes von ihnen gerne spiele oder zumindestens neugierig ausprobiere. Hatte diese Games-Gattung vor ein paar Jahren noch eindeutig einen Multiplayer-Schwerpunkt, geht es neuerdings immer mehr in Richtung Einzelspielererlebnis mit viel Story und weniger Frust für Neulinge.

„Slay the Spire“ (Vorabveröffentlichung Ende 2017) war hier der Durchbruch, aber bereits davor sind Games wie „Card Crawl“ (2015) oder „Loot Rascals“ (Anfang 2017) erschienen. Selbst Genre-Zugpferd „Hearthstone“ hat wegen der hohen Popularität dieser Spiele in den letzten Monaten und Jahren immer öfter auf Singleplayer-Inhalte gesetzt - FM4 hat berichtet.

Mit der Karawane durch die Dürre

Ein bemerkenswerter Neuzugang ist das Game „Nowhere Prophet“, an dem fünf Jahre lang unter der Leitung des deutschen Indie-Entwicklers Martin Nerurkar gewerkt worden ist. Es versetzt die Spielerin in eine „Mad Max“-artige, dystopisch-futuristische Wüstenwelt, wo die Umfangsformen stets grob und wichtige Ressourcen meistens rar sind. Obwohl die Story-Schnipsel ansonsten recht stimmungsvoll sind, sind das Intro und die darin gezeigte Motivation von „Nowhere Prophet“ etwas hanebüchen: Eine Drohne stürzt ab und wird von uns - dem Anführer einer Karawane - gefunden. Das Fluggerät gibt noch ein letztes Signal aus - Koordinaten zu einem mysteriösen, heilsversprechenden Ort.

Die Mitglieder unserer Karawane sind in Form von Karten dargestellt, die wir im Kampf auf das ungewöhnliche Spielbrett legen können. Jede Seite des Bretts besteht aus einem Raster aus 4x3 Feldern (siehe Bild ganz oben). Die jeweilige Platzierung der Karten ergibt die Formation unserer Truppe. Wer zum Beispiel weiter hinten steht, ist zwar schwerer zu treffen, kann aber auch nicht so einfach zum Angriff übergehen. Wenn ein gegnerischer Anführer getötet wird, ist die Partie vorbei.

Zweigeteiltes Deck

Neben dem ungewöhnlichen Spielbrett haben wir auch ein zweigeteiltes Kartendeck. Da gibt es einerseits die Karten mit den Spielfiguren, andererseits Sonderkarten, die bestimmte Effekte auslösen: zum Beispiel zwei Schadenspunkte auf eine beliebige Figur oder das Boosten einer Figur. Eigen ist „Nowhere Prophet“ auch, dass man Figuren permanent (als Karten) verlieren kann, wenn sie nämlich zwei Mal im Kampf fallen.

"Nowhere Prophet"

Sharkbomb Studios / No More Robots

„Nowhere Prophet“ ist für Windows, MacOS und Linux auf Itch, Steam und Gamejolt erschienen.

Das Durchstreifen einer kargen Landschaft, das Suchen nach genügend Ressourcen und natürlich der Kampf gegen Banditen: „Nowhere Prophet“ bietet eine gelungene Mischung aus Atmosphäre, Story und Kartenspiel, und sieht darüberhinaus wirklich fantastisch aus. Es ist anfangs zwar etwas herausfordernd, die Karten als auch die Ressourcen möglichst effizient auszubalancieren - aber darin liegt auch der Reiz, weil jeder Lauf anders ist und Scheitern, Wiederholung und steigende Erfahrung mehr als anderswo Teil des Spielerlerbnisses sind.

Würfel statt Karten

So unterhaltsam die zahlreichen aktuellen Computerkartenspiele für viele sind: Man kann davon ausgehen, dass manche Spieler*innen sich in diesem Bereich auch mal etwas mehr Abwechslung wünschen. Der renommierte irische Indiegame-Designer und -Entwickler Terry Cavanagh („Super Hexagon“, „VVVVVV“) hat deshalb kurzerhand aus Karten Würfeln gemacht: In dem eben erst erschienenen Game „Dicey Dungeons“ durchstreifen wir als lebender Würfel-Held besagte Verliese und treten dort gegen kuriose Gegner wie Schleime, Schneemänner, Sängerinnen oder Zauberer an.

In jeder Runde haben wir einen oder mehrere sechsseitige Würfel zur Verfügung, die für uns geworfen werden. Mit ihnen werden Waffen und diverse Effekte mittels bestimmter Module aktiviert. Diese haben unterschiedliche Parameter und Effekte, die man untereinander möglichst effizient kombinieren sollte. So manch starker Effekt lässt etwa nur eine Aktivierung mit einer Würfelzahl von 1-3 zu, was dafür spricht, dass man ihn deshalb umso öfter nutzen sollte.

"Dicey Dungeons"

Terry Cavanagh

Den Zufall für sich optimieren

„Dicey Dungeons“ ist ein geniales Redesign von „Slay the Spire“. Wir sammeln nach und nach mehrere Module ein und nehmen uns die unserer Meinung nach besten von ihnen in den Kampf mit. Erfolgreich ist man dann, wenn man weiß, wann und womit man Angriff und Defensive in welcher Weise ausbalanciert. Das Würfelglück ist dabei selbstverständlich nicht ausgeschaltet - aber ebenso wie beim Kartenspielen wissen Auskenner*innen, wie diese Zufallselemente auf ein Minimum reduziert werden können.

„Dicey Dungeons“ ist für Windows, MacOS und Linux auf Itch und Steam erschienen.

Das Gameplay geht eine kongeniale Verbindung mit dem amüsanten Artwork von der Illustratorin Marlowe Dobbe und den Soundeffekten sowie dem Soundtrack von Niamh Houston aka Chipzel ein. „Dicey Dungeons“ wirkt auf den ersten Blick nicht besonders umfangreich, aber dank mehrerer Heldenfiguren, die man nach und nach freischaltet, werden auch neue Module und Strategien offenbart, die den Würfel als klassischen, aber eben auch meist sehr zufälligen Spielgegenstand in ein komplett anderes Licht rücken.

"Dicey Dungeons"

Terry Cavanagh

FM4 Minikammerl-Show mit Würfel und Karten

Am Donnerstag (15. August) habe ich mich in einer feiertäglich-sommerlichen Miniausgabe der FM4 Spielekammerl-Show vier Stunden lang mit digitalen Würfeln und Karten durch gezeichnete Dungeons und Wastelands gekämpft. Das Video dazu findet ihr hier.

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