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Ein Internet Café am Wiener Gürtel

Felix Diewald

Deshalb geht man zum Gamen noch ins Internet-Café

Die meisten Gamer und Gamerinnen spielen zuhause vor der Konsole oder dem PC. Manche gehen dafür aber auch in ein Internet-Café. Warum eigentlich?

Von Felix Diewald

Am Wiener Gürtel in der Nähe der Lugner City. Ein Geschäft mit einem Schaufenster, das so aussieht, als könnte es auch schon lange geschlossen haben. „Call Center, 80 % Chat, Billiger Telefonieren“ prangt da in vergilbten Lettern auf der Fassade. Doch wer das verrauchte Lokal betritt, sieht dutzende Menschen, die in alten Bürosesseln vor Gaming-PCs sitzen.

Einige sind hier, weil sie sich keinen eigenen PC leisten können, zum Beispiel Aris. “Ich habe keinen Computer, aber ich muss einfach spielen”, sagt er. Darum kommt Aris fast jeden Tag nach der Arbeit für ein paar Stunden ins Internet-Café. Andere Besucher haben zuhause zwar einen Gaming-PC stehen, kommen aber trotzdem ins Lokal. “Mir gefällt es, hier mit anderen zu spielen, darüber zu diskutieren, sich Taktiken auszumachen.”, sagt der Tischler Mustafa. Für ihn ist das Geschäft eine Art Stammlokal und Treffpunkt. Hursit, ein Einzelhandelskaufmann, der gerade die Matura nachholt, hat im Internet-Café seine Community gefunden. “Zuhause beim Computerspielen sitzt man alleine herum”, sagt er. Hier aber sei man mit Freunden. “Oft gehen wir nach dem Spielen noch raus und unternehmen was.”

Ein Internet Café am Wiener Gürtel

Felix Diewald

Von Telefon-Kabinen zu Gaming-PCs

Das Internet-Café gibt es seit 2003, es gehört Tarek El-Bayoumi. In den ersten Jahren, erzählt der Besitzer, gab es vor allem Telefonkabinen im Laden, mit denen man billig ins Ausland telefonieren kann. “Die Leute sind bei uns Schlange gestanden.” Gegen Ende der 00er-Jahre, als immer billigere, internationale Handy-Verträge aufkommen, braucht El-Bayoumi eine andere Strategie: Er setzt auf eine neue Zielgruppe, investiert in Gaming-PCs und eine gute Internet-Verbindung. Heute macht er seinen Umsatz fast ausschließlich mit den Gamern, nur ab und zu kommt jemand vorbei, um Dokumente auszudrucken oder um eine Bewerbung zu schreiben.

Der Großteil der Besucher spielt das Strategie-Game League of Legends und das Survival-Game Fortnite, daneben gibt es noch eine Gruppe an Fans des alten Ego-Shooter-Klassikers Counterstrike. An diesem Tag sitzt keine einzige Frau im Internet-Café. Das sei auch sonst so, erklärt El-Bayoumi. “Ich glaube nicht, dass man sich hier als Frau zwischen all den Männern wohlfühlen würde”, fügt Gamer Mustafa hinzu.

Ständig Polizeikontrollen

El-Bayoumis Internet-Café hat 24 Stunden offen, es gibt 40 PCs, Getränke aus dem Kühlregal verkauft er zu moderaten Preisen, die meisten kosten einen Euro. Das Geschäft läuft okay: An den stärksten Tagen, samstags und sonntags, macht El-Bayoumi ein paar hundert Euro, unter der Woche weniger. “Aber es geht sich aus.” Viele andere Internet-Cafés mussten in den letzten Jahren schließen, erzählt der Besitzer. Ihm helfen die treuen Stammkunden. “Die meisten Gäste kommen zum ersten Mal als Schüler und bleiben uns dann erhalten.”

Ein Internet Café am Wiener Gürtel

Felix Diewald

In den letzten zwei Jahren wurde es aber auch für El-Bayoumi und sein Internet-Café immer schwieriger. Das hat laut dem Besitzer nicht mit den Gamern selbst zu tun, sondern mit den ständigen Polizeikontrollen. “Manchmal haben sie Flüchtlinge ohne Dokumente hier erwischt.” Seitdem kommt die Polizei laut El-Bayoumi fünf mal die Woche, manchmal sogar mehrmals täglich vorbei und will von allen Gästen Ausweise sehen. Das sei schade, so der Besitzer, denn das Internet-Café sei für viele Jugendliche ein wichtiger Ort, an dem sie ihre Freizeit verbringen können.

“Meistens spielen wir vier oder 5 Stunden und trinken ein paar Getränke.”, sagt Gamer Ali. “Das kostet uns dann vielleicht sieben Euro – ein guter Deal für einen entspannten Tag mit Freunden.”

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