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Devendra Banhart

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song zum sonntag

Mit Devendra Banhart nach Nepal

Der Song zum Sonntag: Devendra Banhart - „Taking a Page“

Von Christoph Sepin

„Carole King heard it and didn’t mind it“, sagt Devendra Banhart über „Taking a Page“ und meint damit natürlich die große Songwriterin und Autorin von Liedern wie „The Locomotion“, „You’ve Got a Friend“ und „(You Make Me Feel Like) A Natural Woman“. Ein schlichtes Zeichen der Anerkennung für ein schlichtes Lied von einem sich darauf schlicht gebenden Devendra Banhart.

„Ma“, Mutter, heißt das neue, zehnte Album von Devendra Banhart, das am 13. September erschienen ist. Und zwischen Liedern mit so schönen Titeln wie „Kantori Ongaku“, „My Boyfriend’s in the Band“ und „The Lost Coast“ reiht sich auch „Taking a Page“ ein.

  • Alle Songs zum Sonntag auf FM4
  • Auch die geschätzten Wissenschafts- und Popjournalist*innen Thomas Kramar und Heide Rampetzreiter machen sich in der Presse am Sonntag zum jeweils selben Song ihre Gedanken.

Wie ein Wes Anderson-Film präsentiert sich das Musikvideo zum Lied, wie der Soundtrack dazu wirkt auch „Taking a Page“, wie gemacht für lange, statische Kameraaufnahmen und für die Schriftart Futura, am besten in ausgewaschenem Gelb. Banhart ist hier der Songwriter im verspielten Retro-Stil, rückwärts gewandt und in Erinnerungen schwelgend: „I was taking a page from my own mistakes“, singt er vor sich hin.

„And when you think you just can’t stand it, zoom out and see the planet“

Ruhig, fast schon nebensächlich wandert die Instrumentierung voran, beiläufig und unbekümmert erzählt Devendra Banhart seine Geschichte. Da geht es einmal um große Paraden, auf denen Blumen herumgereicht werden, dann um Höhlenmalereien, Wolken am Himmel und um Banharts „Free Tibet“ T-Shirt, das in China hergestellt wurde. Konkreter werden die Zeilen nicht, trotzdem fühlt sich das ganz nah an, wenn er direkt zu den Hörenden spricht: „Deep inside your heart, staring at the sky. Calling out the shapes, clouds make as they pass by“.

Dann zitiert Banhart auch nochmal die eingangs erwähnte Carole King: „And I was taking a page from Carole King. You’re so far away, doesn’t anybody stay?“, murmelt er in Anlehnung an Kings Lied „So Far Away“. Das ist Musik für Menschen, die auch gern mal, wie Banhart im Musikvideo zu „Taking a Page“, durch Nepal wandern würden und sich dort das Gesicht bunt anmalen lassen wollen.

Interpretationsflächen gibt Devendra Banhart genug mit seinem neuen Lied, mindestens genau so viele, wie Themen, die er beiläufig in den Lyrics anspricht. Denn genau weiß er es auch nicht, worum es in „Taking a Page“ gehen soll. „Es geht darum, dass ich Autoverfolgungsjagden und lange Gitarrensolos nicht mag“, schreibt er im Pressetext. „Das ist einfach ein Lied über mein ganzes Leben. Mehr kann ich dazu nicht erklären“. Und manchmal ist das auch gut so und genug.

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