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Brittany Howard

Danny Clinch

Das Solo-Album von Brittany Howard, der Frontfrau der Alabama Shakes

Brittany Howard ist mit ihrer Band Alabama Shakes höchst erfolgreich. Aber es war dennoch Zeit für die US-Musikerin, ein Solo-Album zu veröffentlichen: Mit „Jaime“ hat Brittany Howard nun ihrer Schwester ein Denkmal gesetzt.

Von Eva Umbauer

Brittany Howard veröffentlichte mit ihrer Band bisher zwei Alben. Mit den Alabama Shakes war sie auch Gewinnerin dieses großen amerikanischen Musikpreises namens Grammy. Würde Brittany Howard nicht Musik machen, dann wäre sie weiter Briefträgerin bei der US-Post in Athens, Alabama. Das war ihr Job, nachdem sie die Schule abgeschlossen hatte. Aber da war sie bereits tief drinnen im Musikmachen, total besessen vom Spielen und davon Songs zu schreiben.

Mit einem Buddy aus der Schule, Zac Cockrell - dem späteren Bassisten der Alabama Shakes - hatte sich Brittany immer nach der Schule zum gemeinsamen Musikmachen getroffen. Vater Howard war das zu laut und die beiden mussten schließlich in einen Trailer am Rand vom Schrottplatz gehen. Brittanys Vater verkaufte gebrauchte Autos und betrieb einen Schrottplatz.

Als Mädchen vom Schrottplatz hatte Brittany Howard erst eine glückliche Kindheit. Das Geld in der Familie Howard war zwar stets knapp, aber Brittany spielte mit ihrer Schwester im Wald, fing Schlangen und tollte mit Hunden herum. Aber dann starb Jaime.

Brittany Howard wusste, sie wollte einiges erzählen aus ihrer Vergangenheit. Dinge, die sie nicht im Rahmen der Alabama Shakes verwerten wollte, aber auch nicht bei ihren musikalischen Nebenprojekten namens Thunderbitch und Bermuda Triangle. Sie wusste, diese höchst persönlichen Songs, die sie im Kopf hatte, brauchten ein Solo-Album.

Die Idee zu „Jaime“ war geboren. Zach Cockrel von den Alabama Shakes sollte dennoch mit dabei sein, schließlich ist er einer der ältesten Vertrauten von Brittany Howard. Aber ansonsten war alles vage. Wie die Sache angehen? Und überhaupt, würde ein Solo-Album eventuell dem Erfolg der Alabama Shakes schaden? Schließlich gelang es ihr aber, all ihre Zweifel zu beseitigen und das Album „Jaime“ entstehen zu lassen.

Jaime war vier Jahre älter als Brittany. Die jüngere Schwester hat die ältere als absolutes Musikgenie in Erinnerung. Jaime spielte auf einem alten Klavier, das die Familie Howard besaß, und Jaime hatte eine Gitarre. Als Jaime mit nur dreizehn Jahren an Augenkrebs starb, übernahm Brittany ihre Instrumente - tief im Inneren wollte sie so ihre Schwester weiterleben lassen und nicht vergessen.

Nach dem Tod der Schwester trennten sich Brittany Howards Eltern. In der kleinen Wohnung der Mutter, einem abgewohnten Apartmentkomplex, waren nun Sachen von Jamie gelagert. Ihre Mutter wollte nicht, dass Brittany die Sachen anrührt, aber Brittany konnte nicht anders. Sie nahm die Gitarre in die Schule mit und bat dort ihre Musiklehrerin, sie zu stimmen.

Auch Brittany Howard hatte als Kind diese seltene Krankheit, die bei ihrer Schwester zu Krebs führte, aber Brittany konnte geheilt werden, auch wenn sie auf einem Auge blind wurde.

Brittany Howard

Danny Clinch

Brittany Howard ist ein Star - ein ungewöhnlicher und außergewöhnlicher Star. Mit oberflächlichem Stargetue hat die charismatische Künstlerin nun wirklich nichts am Hut. Sie hat mit den Alabama Shakes bisher gezeigt, welch großes Talent sie ist, mit ihrem Solo-Album „Jaime“ aber erleben wir eine Brittany Howard, die nicht einfach eine tolle, interessante US-Musikerin ist, sondern etwas Größeres - eine moderne Nina Simone.

Auf „Jaime“ singt sie den Blues. „Jaime“ ist eine aktuelle Pop-Platte, die aber auch etwas Altmodisches hat, etwas Echtes. Die Einsamkeit des klassischen Blues zieht sich wie ein roter Faden vom Anfang bis zum Ende, auch wenn ein Track noch so up-to-date klingt. Die Blümchen-Kleider, die Brittany Howard erst bei den Alabama Shakes trug, sind endgültig weggepackt.

„Jaime“ ist eine eklektische Sammlung von Songs, rastlos und komplex, aber auch organisch und insgesamt voller Wärme. „Jaime“ ist so etwas wie eine neuzeitliche Gospelplatte. Brittany Howard und das Chaos des Lebens. Die Wunden des Lebens und das Gift in der Seele, das herausgesaugt werden muss.

Plattencover mit singender Brittany Howard

SMI/Columbia

„Jaime“ von Brittany Howard ist bei SMI/Columbia erschienen.

Die wunderbar losen Grooves, das Akustische und dieses Timbre in der Stimme - Brittany Howard gibt uns ein Stück ihrer Seele. Wir sollten sorgsam damit umgehen. Mit Songs wie etwa „Goat Head“, einem Stück, in dem es um Rassismus geht. Brittanys Mutter ist weiß, ihr Vater schwarz. Ihre Eltern versuchten die Kinder vor Rassismus zu schützen, aber es gelang nicht immer.

Einmal wurden Brittanys Vater die Autoreifen aufgeschlitzt und der Kopf einer toten Ziege auf die Rückbank des Autos gelegt. Ältere Frauen nahmen Brittanys Mutter im Supermarkt in Alabama - einem eher armen Staat im sogenannten tiefen Süden der USA - schon mal zur Seite, zeigten auf Brittany und ihre Schwester und sagten zur Mutter der Kinder: „Was hast du gemacht!“

„What I wanna know is, who slashed my daddy’s tires and got a goat head in the back“, singt Brittany Howard in „Goat Head“.

In „He Loves Me“ geht es um Gott. Und dass, so befindet Brittany Howard, er sie dennoch liebt, auch wenn sie nicht mehr in die Kirche geht.

In „Georgia“ geht es um eine junge Frau, in die Brittany Howard damals in der Schule verliebt war. „I just want Georgia to notice me“, singt sie, und „Stay High“ handelt nicht von Drogen, sondern es geht um die Bemühung, stets positiv zu bleiben, auch wenn die Dinge noch so düster aussehen.

Auf der Suche nach weiterer Inspiration für ihr Album verließ Brittany Howard ihre heutige Heimatstadt Nashville, Tennessee und begab sich in eine neue Umgebung, nämlich den Topanga Canyon in Los Angeles. Aber die Songs wollten erst nicht so recht Form annehmen.

Als Brittany Howard in L.A. schließlich in das Studio des Tontechnikers Shawn Everett ging, um eigentlich schon aufzunehmen, hatte sie gerade einmal eine Handvoll Songs fertig. Aber nachdem sie zusammen mit Bassist Zac Cockrell, Keyboarder Robert Glasper und Drummer Nate Smith einfach zu spielen begann, ging dann alles recht schnell.

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