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Wenn Nick Cave über Elvis singt

Der Song zum Sonntag: Nick Cave & The Bad Seeds - „Spinning Song“

Von Christoph Sepin

„Was bedeutet Elvis für dich?“, wurde Nick Cave vor ein paar Monaten von einem Fan auf seiner Website „The Red Hand Files“ gefragt. Viel, sehr viel. „In my eyes, he was some kind of angel“, schreibt Cave und erzählt von der Transformation von Musikern und Musikerinnen, wenn sie auf der Bühne durch Performance quasi wiedergeboren werden. Der tragische als auch wunderschöne Schritt vom Menschen zur Kunstfigur.

„Spinning Song“ ist nicht das erste Mal, dass Nick Cave den King of Rock’n’Roll besingt, Elvis begleitet den Musiker und seine Band seit Anbeginn der Bad Seeds: Ein Cover von „In the Ghetto“ war immerhin die allererste Single der Australier im Jahr 1984, die zweite war „Tupelo“, ein Lied, das sowohl Geburtsort als auch Geburtsnacht von Elvis Presley besingt. Und jetzt, 34 Jahre nach „Tupelo“, noch ein Song über ihn. Meilenweit entfernt voneinander diese beiden Lieder, auch Nick Cave hat sich über die Jahre so einigen Transformationen unterzogen.

Erste Eindrücke zum neuen Album von Nick Cave & The Bad Seeds sind schon andernorts vermerkt worden, auch dass „Spinning Song“ ein nahezu perfekter Opener für dieses überraschend erschienene Album ist, ein Lied, das die Stimmung von „Ghosteen“ ab der ersten Sekunde vorgibt und einfängt.

Erste Zeilen können in Liedern von Nick Cave besonders schön sein, das ist auch auf dem „Spinning Song“ nicht anders: „Once there was a song, the song yearned to be sung“, lautet der erste gesprochene Satz. „It was a spinning song about the king of rock ’n’ roll.“ Ein Lied, das geschrieben werden musste, über den großen König des Rock’n’Roll.

Während Bad Seed Warren Ellis simple, atmosphärische Akkorde mit seinem Synthesizer spielt, erzählt Nick Cave von dem König, der zuerst Prinz war. Der auf eine Bühne in Las Vegas stürzte, mit schwarzen, geölten Haaren. Die royale Metapher wird weitergesponnen, der König lebt natürlich in einem Schloss, mit einer Königin, einem Burggarten und einem majestätischen Baum, der mittendrin steht: „The garden tree was a stairway, it was sixteen branches high“.

  • Alle Songs zum Sonntag auf FM4
  • Auch die geschätzten Wissenschafts- und Popjournalist*innen Thomas Kramar und Heide Rampetzreiter machen sich in der Presse am Sonntag zum jeweils selben Song ihre Gedanken.

Musik ist unsterblich, auch wenn die Könige und Königinnen des Rock’n’Roll mal eines Tages nicht mehr da sind. Diese Ewigkeit der Lieder darf im „Spinning Song“ durch eine Feder symbolisiert werden, die vom Wind aus ihrem Nest gehoben wird und sich in den Himmel dreht. Bis sie als Lied im Radio wiedergeboren wird: „But the feather spun upward, upward and upward, spinning all the weather vanes, and you’re sitting at the kitchen table, listening to the radio.“

Dann ist nicht mehr klar, in welche Richtung Cave singt, wenn er zum Finale des Liedes die Phrase „And I love you“ wiederholt: In Richtung der Person, die da in der Küche sitzt und Radio hört? Oder in Richtung der Menschen, die gerade doch seinem „Spinning Song“ lauschen? Zumindest eines wird zum Ende hin sicher, wenn sich Caves Stimme in höhere Oktaven steigert: Der Wunsch nach Frieden, voller Hoffnung: „Peace will come, a peace will come, a peace will come in time.“ Aus dem Blick zurück, auf den König des Rock’n’Roll, wird somit innerhalb weniger Minuten ein Blick nach vorne, in eine hoffentlich strahlendere Zukunft und ein Wunsch nach einer besseren Welt.

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