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Cassels

Cassels

song zum sonntag

Auf dem Mond lebt eine Frau und schaut sich den Weltuntergang an

Der Song zum Sonntag: Cassels - „The Woman In The Moon“

Von Christoph Sepin

Wer in der Nacht manchmal in den Himmel schaut und den Mond betrachtet, kann so einiges auf der Oberfläche des Trabanten entdecken: ein Gesicht etwa, oder Bewegungen, als ob da oben eine andere Zivilisation am Existieren ist und wiederum auf uns herabblickt. Vielleicht ist das aber auch einfach ein netter Gedanke, dass da oben andere Leute wären, die mit freundlichen Augen über uns wachen.

Mit diesen Gedanken hat anscheinend auch die Band Cassels beim Schreiben ihres Lieds „The Woman In The Moon“ gespielt. Nur dass die Frau, die in diesem Song auf dem Mond lebt, weniger über die Menschheit wacht als diese einfach distanziert betrachtet - bis sie selbst die Entscheidung fasst, vom Mond auf die Erde herabzuspazieren.

Cassels sind die Brüder Jim und Loz Beck und kommen aus dem britischen Oxford. Ihre Musik beschreiben die beiden selbst als „music for misanthropes and malcontents“, das neueste Album des Duos heißt „The Perfect Ending“. Darauf gibt es als finalen Track das fünfeinhalbminütige „The Woman In The Moon“ zu finden.

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Von der eintönigen Sicherheit des Himmelskörpers schaut diese Frau auf die Erde herab, wo sich zu Beginn des Songs Erschütterndes abspielt, der Weltuntergang nämlich: „She looked down, watched the final flames die out, distant booms, screams and shouts had all gone silent now.“ Inmitten dieser Tristesse beschließt die Frau vom Mond der Erde einen Besuch abzustatten. „She made her way across the vastness, swimming breast-stroke through the blackness.“

Cassels sprechen wie Märchenerzähler über die Reise der Frau vom Mond. Sie wandert durch die Einöde, schwimmt durch den dunklen Ozean, wie Begleiter klingen daneben die Instrumente, Gitarre und Schlagzeug, die kalt und düster dieses Bild der Welt nach dem Untergang vertonen.

„Wie konnte ich das nur passieren lassen?“, fragt sich die Frau vom Mond dann, als sie inmitten der Zerstörung steht, während im Hintergrund die Aufnahme vor sich hin kratzt. „Man hätte nichts machen können“, antworten Cassels, denn: „In reality, there was nothing she could have done. There is no war fought, that can ever be truly won.“

Dann hat diese Geschichte aber doch noch ein gutes Ende: Die Instrumente beschleunigen sich, die Akkorde der Gitarre werden optimistischer, als die Frau vom Mond die Asche und den Staub am Boden zur Seite schiebt: „After a few minutes of digging, she cried out at what she’d found: Tiny seeds! Tiny sprouts! Astounded, dumbfounded, new life underground.“

Neues Leben dort unter der Erde, neue Pflanzen, die nach oben wachsen. Und in ihrer Überraschung können die Cassels auch selbst nicht anders als zum Finale des Songs hin der verzerrten Gitarre zu verfallen. Ein Anfang, ein Ende, ein Neubeginn, ein stolzes, schön ausgetüfteltes Lied des Duos aus Oxford.

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