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Afterparty

Night School

„Afterparty“: Saufen mit Satan

Das Adventure „Afterparty“ erfreut mit Setting und Humor, geht aber in seinem Dauerquasseln einen Hauch auf die Nerven.

Von Rainer Sigl

Cocktails mit lustigen Namen, Saufspiele, Billardhallen und gehörnte Dämonen - Moment: Irgendwas stimmt nicht mit dieser Partymeile. Richtig: Das hier ist nicht ein x-beliebiger Party-Spot, sondern die leibhaftige Hölle, mit Flüssen aus Lava, Teufeln in allen Formen und Größen, den Seelen der Verdammten und einer Ewigkeit des Schmerzes. Eigentlich schaut es hier aber großteils trotzdem eher aus wie nachts am Ballermann oder in einem anderen nächtlichen Ausgehbezirk ab zwei Uhr morgens.

Die Highschool-Absolventen Milo und Lola finden sich im Videospiel „Afterparty“ plötzlich hier wieder und wissen nicht, warum. Eigentlich wollten die Freunde ihren Schulabschluss feiern, jetzt sind sie aber offensichtlich tot und können sich an nichts erinnern. Nach einem Schreckmoment ist das Ziel klar: raus aus der Hölle, zurück ins Leben. Und das geht den komplizierten Gesetzen der Hölle zufolge nur, wenn man Satan höchstpersönlich unter den Tisch trinkt.

Die Party, das sind die anderen

„Afterparty“ ist das zweite Spiel des amerikanischen Indie-Studios Night School, das schon mit seinem Debütspiel „Oxenfree“ beeindruckt hat. Im Unterschied zu anderen Adventures steht in dessen Spielen ganz klar die Konversation im Vordergrund, und zwar nicht nur mit anderen Spielfiguren, sondern hier auch zwischen den Freunden Lola und Milo.

Die beiden sympathischen Loser und ihre Beziehung zueinander stehen erzählerisch im Mittelpunkt des schrillen Abenteuers, das neben mehr oder weniger folgenreichen Entscheidungen und alternativen Wegen auch ein paar Rätsel und Geschicklichkeitsspiele aufbietet. So gilt es Beer-Pong zu spielen oder einen Tanzwettbewerb zu gewinnen. Eine Anzahl unterschiedlicher dämonischer Cocktails sorgt für Abwechslung in den Konversationen: Manche eröffnen uns andere, ganz spezifische Konversationsoptionen, die wir nüchtern nicht zur Auswahl haben.

Afterparty

Night School

Shut uuuuuuuuuuuuuuup!!!!

„Afterparty“ ist selbst ein bisschen wie ein besonders legendärer Partyabend, an dem man unzählige Bars abklappert, Leute kennenlernt und viel zu viel konsumiert. Der aufgedrehte Humor wird dabei großteils durch sensible Charakterzeichnung und sympathische Figuren erträglich gemacht. Irgendwie ist dieses Abenteuer trotzdem auch ein wenig anstrengend - und das liegt quasi in seiner Natur.

„Afterparty“, erhältlich für Windows, Xbox One, PS4.

Denn obwohl alle Figuren hervorragend gesprochen und vertont sind, kann einem das US-Teenager-Dauergeplapper ohne Punkt und Komma, wie man es etwa auch von der TV-Serie „Gilmore Girls“ kennt, hin und wieder auch etwas auf den Nerv gehen. Reichlich „Vocal Fry“ - ich gestehe: ein Lieblingsärgernis von mir - und der nicht nur daraus resultierende Wunsch nach nur einem Sekündchen ohne Dauerbequasselung trüben die Freude am Spiel ein wenig. Dank hübscher Grafik, Wiederspielbarkeit und viel Humor ist „Afterparty“ trotzdem grundsätzlich ein gelungenes Adventure mit viel Redebedarf.

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