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Blvth

Roberto Brundo

Wer ist eigentlich BLVTH?

Wer sich in letzter Zeit mit der deutschen Produzenten-Szene auseinandergesetzt hat, ist bestimmt nicht nur einmal auf seinen Namen gestoßen. BLVTH – ausgesprochen Blut – ist das neueste Multitalent der Stunde.

Von Alica Ouschan

BLVTH sorgt nicht nur mit seinem Künstlernamen, sondern auch mit seinem außergewöhnlichen Sound für Verwirrung und Faszination. Hinter dem mysteriösen Pseudonym steckt ein Berliner Künstler mit polnisch-albanischen Wurzeln, der sich mittlerweile zu einem der gefragtesten Produzenten im deutschsprachigen Raum entwickelt hat. Der Weg dahin hat sich allerdings eher schleppend gestaltet.

Nach seinem ersten Release auf YouTube 2014 brachte BLVTH verschiedene gemixte Versionen von bekannten Songs internationaler Künstler*innen wie K.Flay, SIA oder Gallant raus. Zu der Zeit wurde sein Mix von Sumeras „Wolf“ in einem Werbespot für einen Online-Versandhändler genutzt, was ihm 2015 eine erste kleine Welle an Aufmerksamkeit beschert hat – die sich, was seine anderen Tracks betraf, aber sehr in Grenzen hielt.

2016 fiel BLVTH erstmals durch seine innovativen Ideen der Soundproduktion auf, indem er seine Visual EP „7IGER“ auf YouTube stellte. In dem knapp 15 Minuten langen Video wurden vier Tracks miteinander verbunden und zu einer ineinandergreifenden Story visualisiert. BLVTH glänzt konzept- und soundtechnisch bereits zu Beginn seiner Karriere mit einer kreativen Energie, die ihresgleichen sucht. Bemerkenswert anders ist, dass er Gefühle und Stimmungen weniger mittels Text als vielmehr über den Sound transportiert.

Zu anders für den Mainstream?

Mittlerweile ist die oft geäußerte These seiner Fans – dass BLVTH seiner Zeit zu weit voraus war, um damals schon als das nächste „Big Thing“ zu gelten – gar nicht mehr so steil. Sein Sound hebt sich von herkömmlichen HipHop Elektro Beats ab. Was beim ersten Hören vielleicht noch ein bisschen nach dem australischen DJ Flume oder der Electronica Formation The Glitch Mob klingt, entpuppt sich spätestens nach dem zweiten Song als eine vielfältige Mischung aus HipHop, French House und Trap mit Punk-Einflüssen und einem unverwechselbar düsteren Grunge-Flair. BLVTH klingt immer anders, immer emotional. Manchmal hart, manchmal weich aber trotzdem immer nach BLVTH.

Obwohl sein Sound schon damals äußerst raffiniert, ausgereift und anspruchsvoll war, ließ der Erfolg auf sich warten. Kaum eines seiner Videos schaffte es, die 50.000-Klick-Marke zu erreichen. Fluch und Segen zugleich könnte die Tatsache sein, dass er es zwar nicht auf den Radar der breiten Öffentlichkeit geschafft hat, aber einige bekannte deutsche HipHop Artists auf den jungen Berliner aufmerksam geworden sind.

Blvth

Roberto Brundo

Fluch und Segen eines Produzenten

Bekannt wurde BLVTHs Musik zunächst nicht durch seine Solo-Projekte, sondern weil seine Beats auf erfolgreichen Alben anderer Künstler zu hören sind: Auf Caspers 2017 erschienenem #1-Album „Lang lebe der Tod“ ist BLVTH mit der Produktion von „Morgellon“ vertreten und liefert damit einen der fettesten Beats des Albums. Casper nahm den Newcomer ebenfalls für sein nächstes Projekt mit ins Studio: Auf dem Collabo-Album „1982“ von Casper und Marteria, das letztes Jahr im August released wurde, steuert BLVTH den Beat für „Absturz“, das Feature mit Feine-Sahne-Fischfilet-Frontmann Monchi bei.

Der Höhepunkt seiner Karriere als Produzent für andere Künstler war zweifellos der Release von KUMMERs „9010“ im letzten Juni. Das Solo-Album des Kraftklub-Sängers Felix Kummer wurde in diversen Musikkritiken als Gesamtpaket hochgelobt und kam auch bei den Fans enorm gut an. BLVTH hat die komplette Soundproduktion von „KIOX“, so der Name des Albums, übernommen. Damit hat er einen erheblichen Teil zu dessen Erfolg beigetragen, zumal BLVTH ein echter Meister darin ist, die Emotion eines Songs aufzugreifen und musikalisch noch greifbarer und intensiver zu machen, selbst wenn es nicht sein eigener ist.

Kein Mann der zweiten Reihe

Dass BLVTH kein Mann der zweiten Reihe bleibt, wird bereits nach kurzem Reinhören in seine Solo-Releases klar. 2018 landete er mit seinem Debutalbum „Blut“ und der darauf enthaltenen Single „Pusher“ seinen bisher größten Hit.

Neben der Produktionsarbeit, die er für andere leistet, bleibt dem Multitalent immer noch genug Energie für sein Solo-Projekt. Allein in den letzten anderthalb Jahren hat er ein Album und zwei sogenannte „Collections“ veröffentlicht – mit dieser Betitelung möchte sich BLVTH von den kommerziellen Bezeichnungen der EP und des Albums abheben, da die einzelnen Songs auf seinen „Collections“ für sich alleine stehen sollen und nicht dem Konzept einer zusammenhängenden Tracklist folgen.

Die beiden „Collections“ kommen quasi frisch aus dem Ofen: „BLVTH COUTURES S/S 2019 COLLECTION“ und „I don’t know if I’m Happy” sind beide in diesem Jahr erschienen – letztere erst am vergangenen Freitag.

Neben seiner Musik schafft BLVTH es auch immer wieder, die Stimmung eines Songs mit seinen artsy, teilweise extremen und manchmal auch schockierenden Musikvideos gekonnt zu untermalen. Er spielt mit dem emotionalen Vibe eines Songs und setzt diesen gekonnt auf mehreren Ebenen zugleich um: Egal ob traurig, wütend, verzweifelt oder verliebt – BLVTH vertont Gefühle sowohl im Text als auch im Sound und visuell.

Produzent, Musiker, Comedian

Dass er das ganze Musikding um einiges unkonventioneller aufzieht als viele andere und vielleicht gerade deshalb Schwierigkeiten hat, den großen Durchbruch zu schaffen, scheint ihn selbst wenig zu stören: Öffentlich gibt er sich teilweise übertrieben arrogant und abgehoben. Etwa wenn er auf Twitter Videos teilt, in denen er sich in einem Haubenrestaurant vom Kellner Trüffel in den Mund reiben lässt, oder wegen seinem Markenzeichen, einem fetten Goldzahn.

Generell lässt sein oft äußerst komödiantisches Verhalten auf Social Media darauf schließen, dass er sich selbst manchmal nicht ganz so ernst nimmt. Diese Abgrenzung bildet einen interessanten Kontrast zum lyrischen Ich von BLVTH und lässt ihn selbst als Künstler auf eine absurde Art und Weise extrem sympathisch wirken.

Auch wenn der Weg zum Ruhm sich nach wie vor schwierig gestaltet, entwächst BLVTH langsam, aber sicher endlich seiner Nische. Egal ob als Produzent, Sänger oder Twitter-Comedian: BLVTH ist ein neuer, blinkender Stern am Musikhimmel und ein echtes Multitalent, das man definitiv im Auge behalten sollte.

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