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Szene aus Star Wars: The Rise Of Skywalker

Lucasfilm

„Star Wars: The Rise of Skywalker“ ist eine Space Opera

Es wird groß! Es wird episch! Das Finale der Skywalker-Saga kommt zu einer Konklusion, die „The Force Awakens“ und „The Last Jedi“ gewinnen lässt.

von Natalie Brunner

Vergesst alles, was ihr im Vorfeld über „The Rise of Skywalker“ gehört habt.

Vergesst die Gerüchte, dass der Film mehrmals umgeschnitten werden musste, weil er nicht stimmig, das Narrativ zu holprig oder die Spannungskurve zu instabil war.

Vergesst, dass das Skript in einem Motel vergessen und via Ebay versteigert wurde und alles vorab im Netz zu lesen ist.

Vergesst, dass ihr Kylo Ren für einen pubertierenden, zweitklassigen Darth Vader gehalten habt.

Vergesst sogar Baby Yoda und seinen Ziehvater Mandalorian auf ihrer Space Western Odyssey.

Es wird groß! Es wird episch! Das Schicksal der Skywalker-Dynastie entwirrt sich und kommt zu einer Konklusion, die „The Force Awakens“ und „The Last Jedi“ gewinnen lässt.

Szene aus "Star Wars: The Rise Of Skywalker"

Lucasfilm

Die Überraschung ist geglückt

Ich habe die Nacht vor der Presse-Vorführung mit Fantheorien über den Plot von „The Rise of Skywalker“ verbracht und mir Stunden von Gelaber und dieses Gelaber angeblich belegende Filmausschnitte auf Youtube angesehen. Der Großteil kreiste um die Frage, woher Rey kommt und was ihre Verbindung und Beziehung zu Kylo Ren ist. Alle Fantheorien, die ich gesehen habe, lagen daneben - die Überraschung im Kino ist geglückt.

Dabei liegt es auf der Hand, das wird allen, die die Wege der Macht zu kennen glauben, klar, nachdem die runtergeklappte Kinnlade wieder in Position gebracht worden ist.

Balance und Gleichgewicht - das ist wie die Macht, die das Universum am Laufen hält: Yin und Yang. Regisseur JJ Abrams führt den von George Lucas begonnenen Flirt mit einer Light-Version asiatischer Philosophie fort.

„The Rise of Skywalker“ ist ein bombastisches Opus und mehrere Filme in einem. Es ist ein Actionspektakel der Superlative, das auch bei schon leicht gelangweilten, vom Pfad des Lichts abgekommenen Fans wie mir Staunen und Ehrfurcht auslösen kann. Mein „Nicht schon wieder einen Todesstern oder etwas Todessternartiges durch den Eintritt eines Torpedos in einen Lüftungsschacht in die Luft jagen“ wird nie wieder erklingen.

„The Rise of Skywalker“ hat bei mir dazu geführt, dass ich auch die vorangegangenen Teile „The Force Awakens“ und „The Last Jedi“ in einem neuen, glanzvolleren und heroischeren Licht sehe.

Der 140 Minuten lange Film ist mit Special Effects und emotionalisierenden Actionszenen derart virtuos durchsetzt, dass mich die Hollywood-Bombastkeule vollkommen aus dem Konzept gebracht hat. Die großzügig gestreuten Aliens erinnern gekonnt an Jim Hensons Muppets vom Schlag eines Jabba the Hutt oder Yoda und sind eine Freude für das Fan-Gemüt. In über zwei Stunden war kein einziges allzu glattes CGI-Verbrechen zu entdecken.

Meine Damen und Herren, ich gebe es zu: Ich habe bei „The Rise of Skywalker“ geweint. Tränen der Rührung flossen bei einer Weltraumschlacht, die sich als virtuose Visualisierung einer aus den alten Star-Wars-Teilen in die Gegenwart hallenden Botschaft herausstellte.

Star Wars als Generationenkonflikt

„The Rise of Skywalker“ ist kein Science Fiction Film. Es ist eine Space Opera: eine Familiengeschichte mit vielen verlassenen und unverstandenen Kindern, die selbst zu nicht verstehenden, gescheiterten Held*innen werden. „Star Wars“ ist auch ein sich über neun Teile ziehender Generationenkonflikt.
Die von JJ Abrams inszenierte Trilogie erzählt vom Scheitern der Ideale der Generation, die mit Star Wars in den 70er und 80er Jahren aufgewachsen ist. Han, Leia und Luke haben es nicht wirklich geschafft, das Universum zu einem Besseren zu machen. Die Aufgabe, den machtgeilen Naziopas und ihren Generälen den Garaus zu machen, wird an die nächste Generation weitergereicht.

„The Rise of Skywalker“ ist durchzogen von einer Mutation der Charaktere und erzählt, wie die Kinder der gescheiterten Helden, aber auch Aliens wie du und ich ohne von der Macht gesegneten Stammbaum, das Universum retten.

Szene aus "Star Wars: The Rise Of Skywalker"

Lucasfilm

Die Macht kann die Grenze zwischen Jenseits und Diesseits passierbar machen. Die Stimme von Imperator Palpatine am Ende von „The Last Jedi“ war bereits ein Indiz, dass im finalen Teil auch die Toten sprechen werden.

Filmtalk Podcast Bild

Radio FM4

Christian Fuchs und Natalie Brunner im FM4 Filmtalk Podcast über „Star Wars - The Rise of Skywalker“. Nostalgie, Special Effects, humanistische Botschaften und Tränen im „Star Wars“-Universum

Mit den Stimmen der „mit der Macht eins Gewordenen“ hat George Lucas bereits in der ersten Star-Wars-Trilogie sparsam gearbeitet. Im Finale der Skywalker-Saga geht Abrams in die Vollen und bringt damit Tränen zum Fließen. Es gibt gleich mehrere berührende Momente der Klärung, der Versöhnung des Abschieds, die uns in der nicht von der Macht durchfluteten Welt verwehrt bleiben. Ich bin wieder sieben Jahre alt und die Familiengeschichte der Skywalkers berührt mich wie meine eigene.

Ich habe mein Role Model aus Kindheitstagen als Generalin und Jedi in Würde sterben sehen. Ich kann akzeptieren, dass der ehemals coolste Schmuggler der Galaxie, der den Kessel-Run in weniger als 12 Parasec geschafft hat, für später Geborene, inklusive den eigenen Nachwuchs, wie eine skurril verantwortungslose Lachnummer wirkt. Meine Helden sind mit mir gealtert und vor mir gestorben, aber ihr finaler Auftritt hat es geschafft, mein in den letzten Jahren brüchig gewordenes Fantum wieder in die Nähe meines persönlichen Höchststands beim Erscheinen von „Return of the Jedi“ zu katapultieren.

Geht ins Kino und nehmt eure Eltern und (wenn ihr welche haben solltet) Kinder mit, es ist auch das Märchen ihrer Generationen.

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