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RIN im Gasomenter

radio fm4/ Chris Stipkovits

RIN hat das Wiener Gasometer zerlegt

Im Dezember ist sein zweites Album „Nimmerland“ erschienen. Jetzt ist der deutsche Rapper damit auf Tour und bringt die Konzerthallen zum Kochen.

von Alica Ouschan

Das ausverkaufte Gasometer ist zum Bersten voll. Einige Leute haben sich passend zum Anlass ihre Supreme-Shirts übergeworfen. Bauchtaschen und Silberketten überall. Ein paar Menschen versuchen noch verzweifelt, ihre Sitzplatztickets gegen Stehplatzkarten zu tauschen - bei diesem Konzert wollen alle mitten im Geschehen sein.

In der Halle ist es vor Konzertbeginn noch relativ ruhig. Sanftes Vogelgezwitscher und die Geräusche von Wind, der durch Bäume raschelt, mischen sich mit dem Stimmengewirr und untermalen das Bühnenbild. Ein großer Baum und Berge - RIN hat das Nimmerland im Gepäck.

Die Fans sind völlig von den Gucci-Socken

Das Konzert startet pünktlich und mit so einer Wucht, dass es den Besucher*innen buchstäblich die Gucci-Socken auszieht. RIN eröffnet sein Set mit „Bietigheimication“ vom neuen Album und legt gleich anschließend mit „Avirex“, einem seiner bekanntesten Songs, nach. Damit ist die Latte fürs Energielevel der Fans schon mal hoch gelegt - ab dem ersten Song überzeugt das Publikum mit erstaunlicher Textsicherheit und ekstatischen Moshpits. RIN kündigt wie so oft jeden Songs mit einer Frage an.

RIN im Gasomenter

radio fm4/ Chris Stipkovits

„Die Jungs hinter mir lachen schon wieder, weil ich jeden Abend vor jedem Song die gleichen Fragen stelle!“ - Es sind die richtigen Fragen, die den Fans die Vorfreude auf den nächsten fetten Banger versüßen. „Habt ihr alle die richtigen Schuhe an?“, fragt RIN und schafft mit den kurzen Bühnenansagen, dass die Energie zwischen Hits wie „Bros“ und „Nike“ keine Sekunde lang abbricht.

Wo bleiben die Überraschungsgäste?

Schon nach den ersten zwanzig Minuten sind die Fans schweißgebadet, das Gasometer ist ein einziger hüpfender Moshpit, die Motivation schaukelt sich immer weiter hoch. RIN beginnt über Lieblingssongs zu sprechen. Sofort wird diese Aussage mit einem Sprechchor kommentiert: „Bianco, Bianco“ - die Fans wollen das Feature mit seinem Wiener Cloudrap-Kollegen Yung Hurn. „Er ist nicht da“, winkt RIN ab - schon beim nächsten Song scheinen die Fans die kurzzeitige Enttäuschung verkraftet zu haben.

Trotzdem bleibt es, was mögliche Überraschungsgäste angeht, weiterhin spannend. Bei einem Deutschlandkonzert hat Rapper UFO361 für den gemeinsamen Song „Next“ vorbeigeschaut. Diesmal performt RIN alleine, was aber nicht verwunderlich ist - UFO wohnt immerhin nicht in Wien.

In Wien wohnen dafür die wohl prominentesten und gleichzeitig musikalisch spannendsten Gäste auf RINs neuem Album. Für den Titelsong „Nimmerland“ hat sich der deutsche Cloudrapper Unterstützung von seiner Lieblingsband Bilderbuch geholt. Als er den Song ankündigt, bedankt er sich sogar noch einmal bei unseren „Landsmännern, ohne die das nie möglich gewesen wäre.“ So ein Bilderuch Feature ist auch etwas sehr Besonderes, wenn man bedenkt, dass die Band bisher alle Feature Angebote abgelehnt hat und noch kein Musikprojekt interessant genug war, um mit dieser Tradition zu brechen - Yung Hurn hat 2017 für den Song „Diamant“ nach einem Bilderbuch Feature gefragt und einen Korb von seinen Wiener Musikkollegen bekommen.

RIN verabschiedet sich vom Publikum, während der Bilderbuch-Part der zweiten Hälfe von „Nimmerland“ erklingt. Spätestens jetzt ist klar: Bilderbuch wird nicht kommen. Damit hat der Rapper leider eine Chance verpasst, die nicht nur auf der Hand liegt, sondern das Konzert wahrscheinlich absolut unvergesslich gemacht hätte.

King of Cloudrap

Das Set hat nicht viel länger als eine Stunde gedauert, RIN hat nur eine Zugabe gespielt - nämlich „Vintage“, seinen momentan größten Hit, der in der Mitte des Sets schon vorgekommen ist, einfach nochmal. Die Enttäuschung einiger Fans, die nicht aus Wien, sondern von weiter weg angereist sind, ist groß.

Trotzdem haben RIN und vor allem die Crowd gezeigt, dass ihm den Titel deutscher King of Cloudrap momentan keiner so leicht streitig machen kann. Nach dieser Show könnte man sich sogar noch weiter aus dem Fenster lehnen und sagen, dass er mittlerweile sogar den Wiener Cloudrap-Gott Yung Hurn - wohlgemerkt, in dessen eigener Heimatstadt! - vom Thron gestoßen hat.

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